Lade Daten...
Inhaltsverzeichnis

UNGARN

Abhängige Justiz

Die vom rechtskonservativen Premierminister Viktor Orbán eingeführte Verfassung verstößt in ihren Kernpunkten gegen demokratische Grundrechte. Zu diesem Schluss kommt ein bislang vertrauliches Rechtsgutachten der "Venedig-Kommission" des Europarats, das dem SPIEGEL vorliegt. Entscheidende Teile der Reform widersprächen nicht nur europäischen Standards, sie würden im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung auch das Recht auf einen fairen Prozess in Frage stellen, heißt es in dem Bericht. "Die Reform als Ganzes bedroht die Unabhängigkeit der Justiz", so das Urteil. Scharfe Kritik üben die Autoren auch an dem neugeschaffenen ungarischen Landesrichteramt. Dessen im Dezember vom Parlament gewählte Leiterin hat das Recht, Richter zu ernennen, zu versetzen und zu entscheiden, welcher Richter welchen Fall bearbeiten darf. "In keinem anderen Mitgliedstaat des Europarats verfügt eine einzelne Person über solche Macht", schreiben die Vertreter der Organisation, zu der 47 Staaten gehören. Die Führung des Landesrichteramts habe "weitgehenden Ermessensspielraum, der meistens nicht einer juristischen Kontrolle untersteht". Sobald das Parlament in Budapest einen Leiter eingesetzt habe, besitze es keine Möglichkeit, diesen zu kontrollieren. "Der Bericht ist besorgniserregend", sagt der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab.

DER SPIEGEL 11/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

Inhaltsverzeichnis
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten