WASSERSPRINGEN
Im Tunnel
Der Turmspringer Patrick Hausding, 23, über eingeschränkte Bewegungsfreiheit bei den Olympischen Spielen in London
SPIEGEL: Kürzlich starteten Sie beim Weltcup der Wasserspringer im neuen Aquatics Centre in London. Der Wettbewerb war die Generalprobe für Olympia, wie fällt Ihr Fazit aus?
Hausding: Die Wettkämpfe waren perfekt organisiert, etwas zu perfekt vielleicht. Es gab strenge Regeln für uns Springer. Wir mussten während des Wettbewerbs in einer Art Tunnel unter der Zuschauertribüne sitzen, durften nur für unseren Sprung herauskommen. Danach sollten wir sofort wieder in diesem Gang verschwinden. Das habe ich noch nie erlebt.
SPIEGEL: Inwiefern hat Sie diese Vorschrift denn beeinträchtigt?
Hausding: Zwischen den Versuchen haben manche Athleten feste Rituale. Manche gehen in die Erwärmungshalle, springen auf dem Trampolin. Ich hüpfe gern ins kalte Wasser und dusche heiß, wegen der Durchblutung. Das war alles nicht möglich. Wir konnten auch den Wettkampf nicht verfolgen. Dabei ist es wichtig zu wissen, was die Konkurrenz macht. Bei Olympia in Peking konnten wir uns noch frei bewegen.
SPIEGEL: Hat sich jemand beschwert?
Hausding: Springer und Trainer aus anderen Nationen sind zu den Ordnern gegangen und haben gesagt, dass die Regeln lächerlich seien. Doch die Ordner blieben hart. Beim Vorkampf vom Dreimeterbrett starteten 60 Männer, alle hockten in dem Tunnel wie beim Arzt im Wartezimmer.
SPIEGEL: Haben Sie von den Organisatoren eine Erklärung bekommen?
Hausding: Vor dem Weltcup wurden unsere Trainer informiert, dass es hohe Sicherheitsvorkehrungen geben werde. Ich denke nicht, dass solche Regeln mit der Angst vor Attentaten zu erklären sind. Es geht wohl eher darum, dass beim Wettkampf alles ordentlich und aufgeräumt aussehen soll.