EVONIK
Aufräumarbeiten in China
Ausgerechnet vor dem geplanten Börsengang muss sich Evonik-Chef Klaus Engel mit den Folgen einer Korruptionsaffäre herumschlagen. Konkret geht es um einen chinesischen Hersteller von Spezialchemikalien, an dem das Unternehmen seit 2005 beteiligt ist. Bei dem Deal wurden, wie ein als "streng geheim" gestempelter Evonik- Untersuchungsbericht vom Februar dieses Jahres zeigt, offenbar nicht nur mehrere Millionen Euro Schmiergelder gezahlt. Möglicherweise hätte das Geschäft kartellrechtlich gar keine Chancen gehabt, weil der Essener Evonik-Konzern bereits sehr hohe Weltmarktanteile bei der Produktion dieser Chemikalien besaß. Doch das chinesische Werk, heißt es in dem Bericht, wurde von der chinesischen Besitzerfamilie so geschickt unter Familienmitgliedern mit anderslautenden Namen aufgeteilt, dass die wahren Besitzverhältnisse und die Zugehörigkeit zu Evonik von den Behörden nicht ermittelt werden konnten. Das kartellrechtliche Risiko sei erheblich, so der Bericht. Und nicht nur das: Offenbar wurde bei dem Unternehmen auch massiv gegen Umwelt- und Genehmigungsauflagen verstoßen. In den Abrechnungen tauchten zudem ungeklärte Ausgaben in Millionenhöhe auf. Engel will den Fall, der von einem anonymen Mitarbeiter gemeldet wurde, vor dem Börsengang abschließen und die "unglaublichen Missstände, die sich dort auftun, restlos aufklären". Die "Verantwortlichen sollen zur Rechenschaft" gezogen, der Evonik-Anteil an der chinesischen Firma umgehend abgestoßen werden.