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Briefe

Urige Eingeborene

Nr. 15/2012, Was ist Heimat? - Eine Spurensuche in Deutschland

Selten zuvor hat mich ein SPIEGEL-Beitrag emotional so berührt. Geboren in Datteln (Kreis Recklinghausen) und aufgewachsen in Dortmund, habe ich meine Heimat vor drei Jahren studienbedingt verlassen und seitdem phasenweise in Mannheim, Frankfurt am Main und Sofia (Bulgarien) gewohnt. Ich habe die regelmäßigen Wechsel meines Wohnorts immer als spannend empfunden. Und eines habe ich dabei gelernt: Wohnort ist Wohnort, und Heimat bleibt Heimat.

Tobias Ohlenholz, Mannheim

Zwölf interessante Landschafts- und Stimmungsbilder. Und dann ein Brauchtumsbild. Und das soll Bayern repräsentieren? Für einen Franken ein starkes Stück und garantiert kein Bild meiner Region.

Andreas Geisler, Nürnberg

Mich wundert nicht, dass im Artikel die Millionen Heimatvertriebenen nicht erwähnt wurden: politisch unkorrekt! In unserem Großfamilienhaus hinter den Dünen an der Ostsee leben seit 1945 Polen. Ist uns recht geschehen, wir waren ja alle Nazis, auch ich, das Kind, auch meine alte Großmutter. Pardon, aber nicht einen Tag vergesse ich meine verlorene Heimat. Die Deutschtürkin Selçuk hat zumindest die Möglichkeit, nach Istanbul zurückzukehren.

Dagmar Galin-Brocksien,

Saint Bonnet de Bellac (Frankreich)

Wie man es auch dreht und wendet: Die Gewissheit, eine Heimat (gefunden) zu haben, ist das Resultat intensiver Selbstfindung, ganz unabhängig von irgendwelchen geografischen Koordinaten.

Matthias Kaiser, Hausach (Bad.-Württ.)

Heimat ist ein weiter Raum mit Traditionen, die wir zu pflegen haben. Das kann nicht bloß konservativ-folkloristisch, sondern muss sehr zeitbezogen sein.

Rudolf Priemer, Grimma (Sachsen)

Einer der schönsten Sprüche zur Heimat findet sich bei Tacitus: "Wer hätte auch Germanien aufsuchen wollen, landschaftlich ohne Reiz, rau im Klima, trostlos für den Bebauer wie für den Beschauer, es müsste denn seine Heimat sein?"

Eberhard Foth, Waldbronn (Bad.-Württ.)

Danke dafür, dass ihr uns urigen Eingeborenen am Weißwurstäquator durch das Titelbild für die Region Bayern klargemacht habt, was unsere Heimat ist: die Bühne des Tegernseer Bauerntheaters, wo wir Jodelheinis in der Lederhosn Holz hacken für die "preißischen" Gäste und wo die Jungs nicht das Smartphone, sondern den Sepplhut am Ohr haben.

Maximilian Apfelböck, Schwabach (Bayern)

In meiner Heimatstadt Gießen, geschunden nach dem Krieg, zu 80 Prozent in Schutt und Asche gelegt, habe ich als Kind täglich mit Geschwistern und Freunden auf einer Eisenbahnbrücke im weißen Rauch gestanden. Dort haben wir gierig den "Duft" der Lok eingesogen und immer wieder die Schelte unserer Mütter hingenommen, so schön fanden wir das Schauspiel! Dies noch einmal riechen zu können, was wäre ich glücklich!

Christel Kramer, Fernwald (Hessen)

Sie fragten: "Warum kann man nicht nach Herzenslust Heimat sagen, Heimat lieben, Heimat vermissen?" Dazu gibt es eine bewegende Aussage des Mannheimer Juristen Ernst Stiefel, den das Nazi-Reich zwangsweise nach Amerika verschlagen hat: "Man kann einen Menschen aus seiner Heimat vertreiben, aber nicht die Heimat aus dem Menschen."

Bernd Schultz, Berlin

Heimat ist da, wo meine Familie und Freunde sind: in Bad Wörishofen, wo ich die Schule besuchte, in München, wo ich studierte und arbeitete, in Tirol, wo ich jahrzehntelang Ferien machte, in Nicaragua, das ich in mein Herz geschlossen habe!

Dr. Horst Engler-Hamm, München

"Heimat ist, wo mit wenig Worten viel gesagt werden kann und der Dialekt so derb daherkommt, wie der Boden steinig ist."

Karl Weis, Holzgerlingen (Bad.-Württ.)

SPIEGEL-Titel 15/2012, Ausgabe Bayern

DER SPIEGEL 16/2012
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