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DER SPIEGEL

BÖRSENGÄNGEFacebook wird zum Fiasko

Facebook wollte den erfolgreichsten Internet-Börsengang feiern, den die Welt je gesehen hat. Nun scheint das Projekt zum größten Fiasko seit dem Zusammenbruch der New Economy zu verkommen. Allein vom Start der Aktie am Freitag, 18. Mai, bis zum vergangenen Mittwoch verlor das Unternehmen rund 16 Milliarden Dollar an Wert. Der Imageschaden kann noch gar nicht beziffert werden.
Mittlerweile ermitteln die US-Börsenaufsicht SEC wie auch die Finanzaufsicht. Amerikanische Anwälte sammeln den Protest von Kleinanlegern, die sich betrogen fühlen. Der Hauptvorwurf: Erst kurz vor dem Börsenstart sollen noch Prognosen über die unternehmerische Zukunft von Facebook nach unten korrigiert worden sein. Diese Informationen seien aber nur großen Investoren zugänglich gemacht worden.
"Wäre dies der Fall, könnte es sich hierbei um einen Prospektmangel in Form unterlassener Aktualisierung handeln", sagt Markus Kienle, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). "Der Umstand - wenn dies stimmt -, dass die mit der Emission beauftragten Banken die Information nur einem kleinen Kreis weitergegeben haben, kann Ansprüche auch gegen die Emissionsbanken auslösen", so Kienle weiter. Die Lage sei aber "noch vollkommen unübersichtlich", so Klaus Nieding vom Deutschen-Anlegerschutzverbund.
Im Visier von Kritikern und Fahndern war vergangene Woche vor allem die bei dem Börsengang federführende Investmentbank Morgan Stanley. Aber auch die Technologiebörse Nasdaq muss sich rechtfertigen, weil der Handel mit der Aktie des sozialen Netzwerks am Starttag längere Zeit zusammenbrach - angeblich wegen des großen Andrangs. "Facebook ist ein klassisches Beispiel für die Gier der Investoren", so Jack Bogle, Chef des Vermögensverwalters Vanguard. In Deutschland scheinen nicht allzu viele Kleinaktionäre betroffen zu sein. Für sie sei es kaum möglich gewesen, Facebook-Anteile zu zeichnen, sagt SdK-Sprecher Daniel Bauer. "Hierzu wäre ein Depot in den USA nötig gewesen."
Die wahre Bewährungsprobe für die Aktie ist ohnehin erst im Sommer und im Herbst zu erwarten, wenn die Haltefristen der großen Investoren enden. Rund 1,2 Milliarden Anteilscheine können laut "Börsen-Zeitung" dann zusätzlich zum Verkauf gestellt werden. Und dann erst wird sich zeigen, was Facebook wirklich wert ist.

DER SPIEGEL 22/2012
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