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INTERNET

Technische Reaktionen

Thomas Middelhoff, 59, der zuletzt wegen seiner Flops als Arcandor-Chef selbst ins Visier der Ermittler geriet, über den missglückten Facebook-Börsengang

SPIEGEL: Fühlen Sie sich in die Zeit zurückversetzt, als Sie mit AOL unter Mediengetöse Time Warner übernahmen?

Middelhoff: Eher weniger. Die Übernahme von Time Warner war die eines klassischen Medienkonzerns durch ein digitales Medienunternehmen. Facebook war ein gigantischer Börsengang, mehr nicht.

SPIEGEL: Auch damals rutschte der Börsenkurs von AOL schnell nach unten. Wundert Sie der massive Facebook-Kurseinbruch von zum Teil mehr als 18 Prozent in den ersten Tagen?

Middelhoff: Er wundert mich, weil es keine neuen Erkenntnisse zum Unternehmen gibt. Das sind technische Reaktionen, die vor allem mit dem Verhalten von spekulativ ausgerichteten Investoren zu tun haben. Die beteiligten Investmentbanken haben nicht auf eine ausgewogene Mischung zwischen kurzfristig denkenden Hedgefonds und langfristig interessierten Investoren geachtet. Alle, die Facebook noch bis vorgestern über alle Maßen gelobt haben und darin das Heil der Welt sahen, sind jetzt ins andere Extrem verfallen und sagen, das war ja alles überbewertet. Das ist völliger Quatsch!

SPIEGEL: Deckt das Geschäftsmodell von Facebook überhaupt dessen Bewertung von 88 Milliarden Dollar Mitte vergangener Woche ab?

Middelhoff: Auf jeden Fall. Eine erfahrene Investmentbank wie Goldman Sachs, die das Geschäftsmodell genauestens unter die Lupe genommen hat, liegt wohl nicht so daneben.

SPIEGEL: Dennoch - erleben wir gerade eine zweite Internetblase?

Middelhoff: Wenn ich mir etwa Googles Zahlen anschaue, dann ist dort die Börsenbewertung absolut richtig. Bei Facebook ist der Charme des unbekümmerten Start-ups endgültig verlorengegangen. Nun muss man sich die strategischen Ziele genau ansehen und schauen, was akquiriert wird. Es werden zu den jetzigen Internetgiganten noch weitere große Firmen hinzukommen.

DER SPIEGEL 22/2012
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