TÜRKEI
Goldenes Zeitalter
Es ist eine Ankündigung ganz nach dem Geschmack von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan - und sie fällt zusammen mit der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, Istanbul als Olympia-Stadt für 2020 in die engere Wahl zu ziehen: Serdar Inan, einer der größten Bauunternehmer der Türkei, will vor Istanbul eine künstliche Insel im Schwarzen Meer aufschütten lassen. "Havva adasi" ("Evas Insel") soll mit einem Durchmesser von drei Kilometern groß genug sein, um 300 000 Menschen Platz zu verschaffen. Die Kosten, so Inan, lägen bei 30 Milliarden Dollar. Als Füllmaterial will er den Aushub verwenden, der beim geplanten Bau eines neuen Kanals zwischen dem Marmarameer und dem Schwarzen Meer anfällt - ein Kanal, der "kleiner Bruder des Bosporus" genannt wird und zu Erdogans Lieblingsprojekten zählt. Wann der Kanal gegraben und die Insel aufgeschüttet wird, ist allerdings ungewiss; andere Bauvorhaben wie Istanbuls dritter Großflughafen und eine dritte Bosporusbrücke befinden sich in der Planungsphase. Der Marmaray-Eisenbahntunnel, der Asien und Europa verbindet, ist dagegen fast fertiggestellt, er soll 2013 in Betrieb gehen. Die Megaprojekte sind Ausdruck des gestiegenen Selbstbewusstseins der türkischen Regierung: Während Europas Süden und Südosten weiter in die Rezession rutschen, hält der Boom in der Türkei an, im vergangenen Jahr lag das Wirtschaftswachstum bei 8,5 Prozent. Für den Unternehmer Inan jedenfalls sind die Vorhaben ein Beweis dafür, dass den Türken ein "goldenes Zeitalter" bevorstehe: "Evas Insel" werde ihr "Licht über die Welt verbreiten".