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POLEN

Gekränkte Opfer

Genau 199 Beschwerdebriefe an Zeitungen und Sender weltweit verschickte das Außenministerium in den vergangenen drei Jahren, um sich gegen eine besonders ärgerliche Form von Geschichtsklitterung zu wehren. Tatsächlich werden immer wieder Formulierungen wie "polnisches Konzentrationslager" benutzt, wenn eigentlich ein deutsches KZ im besetzten Polen gemeint ist. Unter den Gerügten sind die "New York Times", "The Economist", "Haaretz", die "Süddeutsche Zeitung", aber auch der SPIEGEL. Vergangene Woche unterlief selbst US-Präsident Barack Obama dieser Fehler, als er dem polnischen Widerstandskämpfer Jan Karski die "Medal of Freedom" verlieh. Karski hatte sich 1942 in ein Deportationslager einschleusen lassen und der Welt einen der ersten Augenzeugenberichte vom Holocaust geliefert. In seiner Laudatio sprach nun auch Obama von einem "polnischen Todeslager". Die Regierung in Warschau reagierte entrüstet. Offenbar sei vielen Zeitgenossen unbekannt, welche Verbrechen die Nazis an der polnischen Zivilbevölkerung begangen haben. Spätestens wenn die Kriegsgeneration ausgestorben sei, so wird in Warschau befürchtet, werde in Vergessenheit geraten, dass die Polen in erster Linie Opfer waren. Das Weiße Haus hat mittlerweile einen Entschuldigungsbrief geschickt.

DER SPIEGEL 23/2012
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