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SCHULE

Die Guten schicken wir weg

Die meisten Schüler können kein richtiges Deutsch, konzentriertes Lernen fällt fast allen furchtbar schwer, manche erscheinen nur zweimal im Jahr. Wer die Sophienschule im Frankfurter Stadtteil Bockenheim besucht, hat häufig seine Zukunft schon verloren. Von Bruno Schrep Von Schrep, Bruno

Wie hoch ist der Frankfurter Fernmeldeturm?" In der Klasse wird es sekundenlang ganz still. "3500 Meter", schätzt schließlich einer. "17 Meter", vermutet ein anderer. "Fast 330 Meter", ruft ein dritter - die richtige Antwort.

"Viele meiner Schüler sind nicht über den Kopf zu erreichen", sagt Rektor Hans Werner Jorda. "Wir probieren ungewöhnliche Methoden."

Um zu demonstrieren, welchen Umfang der Grundriß einer ägyptischen Pyramide hat, führt Jorda die Klasse 7 im Geschichtsunterricht ins Freie: Aus dem Schultor nach links in die Falkstraße bis zur alten Tachometerfabrik, dann wieder links den Weingarten hoch zur Sophienstraße, schließlich die Sophienstraße zurück bis zur Schulturnhalle - "enorm", staunt ein Mädchen, die anderen Schüler nicken anerkennend. Hatten schon was drauf, die alten Ägypter.

In der Frankfurter Sophienschule wird nicht stur nach Lehrplan, sondern nach den Fähigkeiten der Schüler unterrichtet - und die sind aus verschiedenen Gründen begrenzt: Manche haben Mühe, abstrakte Zusammenhänge zu begreifen, viele bringen es nicht fertig, sich über längere Zeit zu konzentrieren, die meisten sprechen und schreiben kein richtiges Deutsch.

Die Hauptschule mitten im Alt-Frankfurter Stadtteil Bockenheim, neun Regelklassen, vier Intensivklassen, ist Auffangstation für Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren, die den Sprung zur Realschule oder ins Gymnasium nicht gepackt haben oder von dort zurückgeschickt wurden, die manchmal kaum leistungsstärker sind als Sonderschüler. In dem wilhelminischen Backsteinbau von anno 1884, benannt nach Sophie von Brabant, sollen sie wenigstens den Hauptschulabschluß schaffen.

Die 220 Schüler stammen aus über 20 Ländern. Bürgerkriegsflüchtlinge aus Bosnien und Afghanistan sind dabei, Asylbewerber aus Ghana und Gabun, Einwanderer aus der Türkei und Griechenland, Aussiedler aus Polen oder Tschechien, Gastarbeiterkinder der dritten und vierten Generation.

In der Klasse 9a gibt Lehrerin Anke Wrigge die Deutscharbeit zurück. Die Schüler sind aufgeregt und gereizt, vom Ergebnis hängt die Deutschnote im Abschlußzeugnis mit ab.

Die Aufgabe war nicht leicht: Die Schüler sollten kurz den Inhalt des Romans "Stern ohne Himmel" zusammenfassen, der im Unterricht und zu Hause gelesen wurde; eine Geschichte über vier deutsche Kinder, die im Zweiten Weltkrieg einen flüchtigen jüdischen Jungen entdecken.

Die drei besten Inhaltsangaben werden vorgelesen, die von Pascal ist nicht dabei. Der Schüler, der fest mit einer Zwei rechnete, hat nur eine Vier bekommen. Wütend springt er auf, schleudert das Heft auf den Boden, haut auf die Schulbank. Lehrerin Wrigge packt ihn am Arm: "Du hast dir Mühe gegeben, aber wichtige Informationen weggelassen." Pascal reißt sich los: "Ach, labern Sie doch, was Sie wollen."

Die Lehrerin setzt sich neben Nurcan. Das türkische Mädchen beherrscht weder Deutsch noch ihre Muttersprache. Mit unendlicher Mühe hat sie den Roman gelesen, mit noch größerer Anstrengung eine Inhaltsangabe zu schreiben versucht:
* Des Buch schreibte die Leoni Ossowski, um das zu erzählen wie
es fuhrner in Krieg war und wie sie sich zu Juden verhalten wie
z. B. fuhrüher in Schule was die schon indie erste Klasse schon
den Juden schlech machen.

Ein fehlerfreier Satz ist nicht dabei, trotzdem hat ihr die Lehrerin eine Vier minus gegeben. "Zunächst einmal bin ich froh", schrieb sie an den Rand, "daß du nicht aufgegeben hast."

Pedros, der Schulsprecher, lieferte nur ein leeres Blatt ab. Er kam zu spät, hatte dann keine Lust mehr, sich zu quälen. Güven schrieb ebenfalls keine Zeile. "Ein so schwieriges Buch kann ich nicht mal auf türkisch lesen", erklärt er der Lehrerin. Seine Note hat sich Güven schon bei der Abgabe selbst auf den Arbeitsbogen geschrieben: "6".

Jens, der die Haare kurz geschoren trägt, gehört zu den knapp 20 deutschen Schülern. "Deutsche Kartoffel" frotzeln ihn die Mitschüler. Bei Streit wird es gehässig: "Du Nazi." Jens wehrt sich: "Halt''s Maul, du Türke." Fremdenfeindlichkeit, Haß auf ethnische Minderheiten sind jedoch eher selten. Die Schüler wissen, daß sie mehr eint als trennt: Wer die Vielvölkerschule besucht, hat häufig seine Zukunft verloren, bevor sie richtig angefangen hat. "Die wirklich Guten schicken wir weg", erklärt der Schulleiter - entsprechend gering sind die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz (siehe Kasten Seite 98).

Wer an der Sophienschule unterrichtet, muß seinen Beruf sehr lieben. Die Lehrer, zehn Frauen und zehn Männer, werden von außen kaum unterstützt. Zu Elternabenden kommen manchmal nur drei oder vier Mütter oder Väter. Manche Familien wurden durch Bürgerkriegswirren auseinandergerissen, viele sind zerrüttet. Oft sind die Eltern geschieden oder leben getrennt.

Magdalenas Vater wartet unruhig vor dem Rektorzimmer. Drinnen sitzt seine 14jährige Tochter. Das Mädchen hat Angst. Die Schule besuchte sie im letzten halben Jahr nur an zwei Tagen, obwohl sie morgens stets pünktlich die Wohnung verließ.

"Ich weiß nicht, wo sie hingeht, ich weiß nicht, was sie macht", klagt der Vater. Der polnische Aussiedler, seit Jahren arbeitslos, muß noch vier weitere Kinder versorgen: zwei Töchter und zwei Söhne. Die Ehefrau hat sich vor sechs Jahren das Leben genommen.

Dem Schulleiter ist klar, wie Magdalena ihre Tage verbringt, Klassenkameradinnen haben es ihm berichtet. Die 14jährige, die wie 17 aussieht, fährt morgens zur Konstabler Wache, zieht in einer öffentlichen Toilette einen Minirock und hochhackige Schuhe an, packt die Alltagsklamotten in ein Schließfach, steht kurz darauf auf dem Straßenstrich im Frankfurter Bahnhofsviertel.

"Und was jetzt?" fragt der Rektor. "Kommst du wieder zur Schule?" "Bitte nicht", fleht Magdalena, die sich vor den Mitschülern schämt. Sie will unbedingt auf eine andere Schule. Der Rektor verspricht, das zu versuchen. "Und bitte nichts zu meinem Vater sagen."

"Wir sind die Sozialstation von Bockenheim", sagt Rektor Jorda. Die Schule ist für viele Jugendliche einzige feste Größe in ihrem Leben, Heimat, Treffpunkt, Zuhause. In den Pausen und nach Schulschluß drücken sich ehemalige Schüler am Zaun herum, die keinen Job haben, nicht wissen, wie sie ihre Zeit totschlagen sollen, stundenlang auf die früheren Kumpel warten.

Sabit müßte eigentlich auch da draußen stehen. Statt dessen sitzt er in einer der Intensivklassen für Neuankömmlinge und hantiert hastig und ungeschickt mit einem Lineal. "Du hattest wohl noch nie eines in der Hand?" fragt Lehrer Michael Gutacker und versucht, ihm die Hand zu führen. Der Schüler nickt verlegen, wird noch nervöser. Seine Schulzeit, höchstens drei, vier Jahre, liegt lange zurück.

Sabit ist mindestens 25 Jahre alt. Er ist Kurde, floh erst vor kurzem aus der Osttürkei. Sein Paß weist ihn als 15jährigen aus, darüber muß er selber lachen. Als Vormund hat sich ein älterer Bruder gemeldet.

"Wir könnten eine Handwurzeluntersuchung beantragen", räumt Lehrer Gutacker ein. Das Kollegium hat jedoch anders entschieden: "Die Schule ist Sabits einzige Chance."

Auch die schüchterne Nicole, von den Lehrern liebevoll "unser Nicolsche" genannt, ist nicht mehr schulpflichtig, müßte längst entlassen sein. Doch die 18jährige, die zweimal sitzenblieb, wiederholt gerade die neunte Klasse.

Nicole begreift die einfachsten Rechenaufgaben nicht, quält sich mit Selbstvorwürfen: "Das ist ganz allein nur meine Schuld." Zum Ende des Schuljahres soll sie endlich ihren Hauptschulabschluß kriegen. Danach beginnt sie als Verkäuferin in einer Bäckerei. "Für uns ein großer Erfolg", bilanziert Schulleiter Jorda, "die Mühe hat sich gelohnt."

Am Finger einer Hand zählt der Rektor Vergleichsfälle auf. Christian kam im Alter von 11 Jahren von der Sonderschule, galt als hoffnungsloser Versager und als verhaltensgestört dazu. Lehrer und Schüler fürchteten seine Wutanfälle, einmal warf er einen Stuhl aus dem Fenster.

Heute schreibt Christian die besten Aufsätze, steht in fast allen Fächern auf einer Zwei. Er besucht die Zehnte, die Vorzeigeklasse der Schule, deren Abschlußzeugnis einem Realschulabschluß entspricht.

Oder Salome. Das Mädchen aus Iran, das monatelang wegen eines vom Vater erzwungenen Heimaturlaubs den Unterricht verpaßt hatte, holte den Rückstand spielend auf. Sie organisiert die Schülerzeitung mit, beteiligt sich in fast allen Arbeitsgruppen.

Nach Unterrichtsende ist sie kaum zu bewegen, die Schule zu verlassen. Oft wartet sie am Ausgang auf ihre Lehrerin, begleitet die Pädagogin bis zu deren Haustür. Salomes größter Wunsch: ein Wechsel aufs Gymnasium.

Große Pause. Obwohl der Schulhof nicht verlassen werden darf, schleichen sich ein paar Mutige raus, verdrücken sich in den Toreinfahrten der Nachbarhäuser. Zwei Schüler haben Spraydosen dabei, sprühen Graffiti-Tags an die Wände. Einer haut mit einem geklauten Hammer Fliesen kaputt.

Im Jungenklo rauchen 10 bis 15 Jungen und Mädchen ihre Zigaretten, viele sind unter 14. Ein Film über Gefahren des Tabakkonsums, der im Unterricht gezeigt wurde, hat keinen Eindruck hinterlassen.

Jens und ein paar Kumpel bieten auf eigene Rechnung selbstbelegte Brötchen an, zum Stückpreis von einer Mark. Das Geschäft lohnt sich aus ihrer Sicht doppelt: Weil sie die Vorräte kaufen müssen, dürfen sie früher raus aus dem Unterricht.

"Wieviel sind 8,600 Tonnen geteilt durch vier, Raschid?" fragt Mathematiklehrer Erich Winter. Der Junge, der einen Fußballdreß mit der Aufschrift "Eintracht" trägt, denkt kurz nach: "20." Ein paar, die mitarbeiten und es besser wissen, lachen, manche hören überhaupt nicht zu.

Beim Mathematikunterricht in der Klasse 5 kämpft Winter unverdrossen gegen lärmendes Desinteresse. Das Multiplizieren und Dividieren von Gewichten mit mehreren Zahlen hinter dem Komma, das er an der Tafel zu erklären versucht, ist vielen Schülern zu kompliziert oder zu langweilig.

Einige der 11- und 12jährigen bewerfen sich mit Bleistiften. Zwei Mädchen hauen sich gegenseitig die Schulbücher auf den Kopf. Ein Junge rennt ständig wie aufgezogen zum Waschbecken, dreht das Wasser an und aus. "Der nächste, der stört, geht vor die Tür", droht Winter.

Auch Anna, 11, und Manjolia, 12, gucken kaum zur Tafel, obwohl beide in Mathematik auf Fünf stehen. Manjolia, die aus Mazedonien stammt, probiert neue Frisuren aus, steckt sich ihre langen Haare mal in diese, mal in jene Richtung. Anna, eine Italienerin, tuschelt mit ihrem Nachbarn.

20 Minuten später stehen Anna und Manjolia gespannt und konzentriert im Musiksaal. Jede hat ein Mikrofon in der Hand, beide warten auf ein Zeichen von Musiklehrer Hans-Jürgen Maas.

Maas sitzt an einem Mischpult, legt eine Platte der Rap-Gruppe "Tic Tac Toe" auf. Er schaltet die Stimmen der Band weg, läßt nur die Instrumentalbegleitung laufen. Statt dessen singen jetzt Anna und Manjolia, und zwar kaum schlechter als die Originale. Sie verbiegen sich auch im rhythmischen Stakkato ihrer Vorbilder, schneiden deren Grimassen.

"Ich find'' dich Scheiße" heißt das Lied. Den Text kennen die Mädchen, die im Fach Deutsch große Defizite haben, auswendig: "Auf die Schnelle, auf die Schnelle, machste hier ''ne Riesenwelle, eingebildet, arrogant, find''st dich auch noch interessant."

Von der Sehnsucht, einmal etwas Besonderes zu sein, sich zumindest äußerlich abzuheben, und wenn es nur vom Banknachbar ist, profitiert auch Englischlehrer Bernd Brieskorn. Dabei nimmt er trockene Grammatik durch: die Steigerungsformen von Eigenschaftswörtern.

Doch schon nach wenigen Minuten arbeiten fast alle Schüler mit. Viele melden sich lautstark, fast jeder will unbedingt an die Reihe kommen. Grund: Die Beispiele im Englischbuch drehen sich um Mode: "What about Mary''s clothes? Are they more beautiful than Peggy''s clothes?"

Die Kinder, die alle Textil- und Schuhmarken samt Anschaffungspreis auswendig kennen, die genau wissen, was jeder in der Klasse trägt, gucken sich genau an, machen aus dem Unterricht ein Spiel: "Hassan''s trousers are more expensive than Anton''s trousers." "Loretta''s shirt is nicer than Tatjana''s shirt." "Eugen''s shoes are cheeper than Jahir''s shoes."

Nach der zweiten großen Pause wabert weißer, beißend riechender Nebel durchs Treppenhaus. Lehrer und Schüler flüchten hustend ins Freie oder in die Klassenräume. "Es brennt", ruft jemand aus dem dritten Stock.

Schüler der Klasse 8, die eigentlich schon freihatten, haben den großen Industriefeuerlöscher im Keller aus der Verankerung gelöst und in Gang gesetzt. Sechs Kilogramm Löschpulver legen sich wie Schnee auf Treppen, Fußböden, Fensterbänke.

Hausmeister Dieter Trams, der die Säuberungsaktion überwacht, wundert sich nicht. "Die Disziplin läßt ständig nach", schimpft er, "hier wird es täglich ruppiger."

Mit beiden Armen deutet der Hausmeister in Richtung Straße: "Wenn man rübergeht ins Oberstufengymnasium, glaubt man, in ein Sanatorium zu kommen."

Die meisten älteren Schüler tragen ein Messer. Wer keins besitzt, hat zumindest eine Dose Reizgas in der Tasche. Doch auf dem Schulhof kommt es höchstens mal zu einer Prügelei. "Die richtigen Kämpfe finden außerhalb statt", weiß der Schulleiter.

Die Gewalt drinnen entlädt sich in der Sprache. Zwischen der Deutschlehrerin Ulrike Bertermann und einer Schülerin entwickelte sich folgender Dialog:

"Komm bitte vom Fenster weg, wir wollen anfangen."

"Lassen Sie mich in Ruhe."

"Setz dich jetzt endlich, du störst."

"Blöde Fotze."

Kein Grund zum Schulverweis, befand das Frankfurter Schulamt. Ein Beamter empfahl vielmehr, "andere pädagogische Maßnahmen" zu ergreifen.

Unter den Schülern herrscht ohnehin ein rüder Ton. "Fuck Carlos, gezeichnet Pedro", steht an einer Bretterbude im Schulhof. Ausdrücke wie "Nutte" oder "Wichser" sind als umgangssprachliche Normalität akzeptiert. Viele kennen Kraftausdrücke der jeweils anderen Sprache. Italiener fluchen auf türkisch, Türken auf serbokroatisch.

Abdul aus Afghanistan hat es kürzlich übertrieben. "Du Hurentochter, ich ficke deine Mutter", beleidigte er auf arabisch ausgerechnet Asadeh, die einzige Kopftuchträgerin der Schule. Das streng religiös erzogene Mädchen war tagelang völlig verstört. Abdul muß nachsitzen.

Letzte Stunde. Physiklehrer Torsten Griebsch rempelt Saban an, so daß der ein paar Meter zurücktaumelt. "Siehst du", lacht der Lehrer, "Körper können doch andere Körper verdrängen."

Es ist nicht leicht, die Klasse 7b für das Thema "Körper und ihre Eigenschaften" zu begeistern. Einer schläft. Griebsch nimmt ihm die Arme von der Bank, zieht ihn sanft hoch. Einer brabbelt ständig dazwischen. Griebsch schleicht sich hinter ihn, hält ihm den Mund zu. Zum Schluß schreiben alle brav: "Jeder Körper besteht aus Stoff." "Jeder Körper nimmt einen Raum ein." "Es gibt feste Körper, Flüssigkeiten, Gase."

Kein Lehrer ist so beliebt wie Griebsch. Der Pädagoge aus Ostdeutschland, gerade mal 31 Jahre alt, wird akzeptiert und respektiert wie ein älterer Bruder. Er schüchtert nicht ein, droht nicht mal - und setzt trotzdem Grenzen. "Irre cool", urteilen die Schüler.

Als Griebsch vor einem Jahr von Halle nach Frankfurt versetzt wurde, hatte er Bammel vor den Großstadtkindern, vor den vielen ausländischen Schülern. Und er fürchtete die unausgesprochene Frage der Kollegen: Wird er''s packen, dieser Ossi? Griebsch schaffte es, seine Ängste und Vorurteile beiseite zu schieben. Er näherte sich den Schülern offen und unbefangen - so entstand ein Solidarpakt von Außenseitern.

Den größten Erfolg, den die Schule nach Meinung ihrer Schüler je errang, erstritt die Arbeitsgemeinschaft Fußball: Beim Turnier aller fünf Frankfurter Hauptschulen holten die Kicker kürzlich den Siegerpokal, der in einer Glasvitrine zur Schau gestellt wird.

Zum Fußballtraining im Sportunterricht haben zwei türkische Schüler das Nationaltrikot ihres Heimatlandes übergezogen. Ein Italienerjunge läuft stolz im gestreiften Hemd von Juventus Turin auf. In keinem anderen Fach wird so begeistert mitgemacht: Die Jungen rennen, grätschen, dribbeln bis zur Erschöpfung.

Sie wissen, daß die Schule nur einen Prominenten hervorgebracht hat, und der kickte einst in ihrer Arbeitsgemeinschaft: Manfred Binz, genannt "Manni", früher Profi bei Eintracht Frankfurt und sogar Libero in der deutschen Nationalmannschaft, heute noch aktiv beim italienischen Zweitligameister Brescia Calcio.

Als Schüler war Binz kein Vorbild. Er bekam oft Streit, drohte dem Hausmeister Prügel an, hatte in vielen Fächern schlechte Noten. "Doch beim Fußball konnten wir von ihm lernen", erinnert sich sein früherer Sportlehrer.

Das Trainingsspiel in der Turnhalle endet nach einer Stunde 20 : 17, die Schüler würden am liebsten weiterspielen. Ein zweiter Manni Binz ist nicht unter ihnen.

Des Buch schreibte die Leoni Ossowski, um das zu erzählen wie

es fuhrner in Krieg war und wie sie sich zu Juden verhalten wie z.

B. fuhrüher in Schule was die schon indie erste Klasse schon den

Juden schlech machen.

Zur Hilfsschule der Nation

ist die Hauptschule verkommen, einstmals geschätzte Bildungsstätte für die Masse aller mittelmäßigen Schüler. Doch seit auch das Handwerk seinen Nachwuchs vorzugsweise von der Realschule und vom Gymnasium rekrutiert, ist der Niedergang nicht mehr aufzuhalten. Die über 6000 Hauptschulen in Deutschland werden immer häufiger zum Auffangbecken für Lernschwache, sozial Benachteiligte und Flüchtlinge aus aller Welt. In der Frankfurter Sophienschule, die eine Ausländerquote von fast 90 Prozent aufweist, mühen sich Schüler aus über 20 Nationen um einen Hauptschulabschluß, der bei der Lehrstellensuche meist wenig wert ist.


* Dritter von links: Rektor Hans Werner Jorda.

DER SPIEGEL 28/1997
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