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ARCHÄOLOGIE

Tödliche Welle

In diesem Monat will ein Wissenschaftlerteam unter Leitung des australischen Mathematikers Joe Monaghan an der Nordküste Kretas in Sedimentbohrungen nach Spuren einer Katastrophe suchen, die vor 3500 Jahren die blühende Bronzezeitkultur der Minoer auslöschte. Daß das Ende zeitlich mit dem Ausbruch eines Vulkans auf der Insel Santorin zusammenhing, ist den Archäologen seit 60 Jahren klar. Bislang blieb allerdings rätselhaft, wie die Auswirkungen das 120 Kilometer entfernte Kreta so vernichtend hatten treffen können. Der Ascheregen von Santorin, das zeigten geologische Untersuchungen, war überwiegend in der östlichen Ägäis und der westlichen Türkei niedergegangen und hatte Kreta kaum getroffen. Der Mathematiker Monaghan glaubt nun, wie der new scientist schreibt, daß das Ende der Minoer Folge einer bis zu 40 Meter hohen Flutwelle gewesen sei, die, durch die Santorin-Eruption ausgelöst, die Insel Kreta heimsuchte. Im mathematischen Modell hat Monaghan nachgezeichnet, wie groß die Welle gewesen sein muß und wie sie über die Insel hinwegbrandete. Nun sollen zerbrochene Muscheln und Geröll in den Bohrproben aus jener Zeit Monaghans These bestätigen.

DER SPIEGEL 28/1997
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