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GESTORBEN

Helmut Leherbauer

64."Schwarzer Prinz des Surrealismus" taufte André Breton den Wiener Nachwuchs-Kollegen. Maître Leherb, wie sich Leherbauer schon in jungen Jahren umbenannte, protestierte in seinen Werken gegen Unabänderliches wie die Vergänglichkeit: In den sechziger Jahren veranschaulichte er seine "Theorie der Zeitzerstörung", indem er sich mit einem Messer die Brust einritzte und ein Zifferblatt auf die Wunde klebte oder tote Tauben auf Kleiderständer montierte. Von 1980 an arbeitete Leherb, der bisweilen tagelang schwieg und nur schriftlich auf Notizzetteln kommunizierte, unterstützt von seiner Frau Lotte an seinem monumentalen Fayencewerk "Die Kontinente" für die Wirtschaftsuniversität in Wien. Seinen Wunsch, den "Surrealismus zu leben", bewies Leherbauer auch mit seinen zwei weißen Mäusen Peter und Paul, die ihn als seine "Sekretäre" in einem Holzkäfig überallhin begleiteten. Maus Paul soll nachts auf dem Ohr des schlafenden Künstlers logiert haben. Helmut Leherbauer, der sich selbst gern als "mit der Gabe des göttlichen Irrsinns ausgestattet" bezeichnete, starb vorletzten Sonnabend in Wien an den Folgen eines Schlaganfalls.

DER SPIEGEL 28/1997
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