Pannen
Prophet Wissmann
Noch kein Tag des neuen Jahres ist vergangen ohne schlechte Nachrichten über Konjunktur und Arbeitsmarkt. Nur einer, so scheint es, verkündet unverdrossen den Aufschwung: Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann findet, die "aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland" gebe "Grund, zufrieden zu sein". Ein Wachstum von "rund drei Prozent" erwartet der Christdemokrat, und "auch am Arbeitsmarkt" sieht er "Lichtblicke".
Der frohen Botschaft teilhaftig werden die Bezieher des jüngsten Heftes der Schriftenreihe "Aktuelle Fragen der Politik", herausgegeben von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Pech für Wissmann und schlagender Beleg für die rasche Vergänglichkeit ökonomischer Prognosen: Der jetzt gedruckte Artikel ist die Abschrift eines Vortrags, den der Minister Anfang Juni letzten Jahres gehalten hat. Die Wirtschaftsdaten stammen aus dem Frühjahrsgutachten vom April. Korrigieren läßt sich der Flop nicht mehr, aber, so ein Wissmann-Sprecher, "mit der Stiftung werden wir natürlich ein paar deutliche Worte reden".