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Auschwitz

Eine Beleidigung unserer Toten

Szymon Szurmiej, 72, Vorsitzender des Koordinationskomitees der Jüdischen Organisationen in Polen, über die Errichtung eines Supermarkts vor dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz

SPIEGEL: Vor dem Tor des Museums in Auschwitz errichtet eine polnische Firma mit einem deutschen Teilhaber einen Supermarkt. Was sagen die Juden in Polen dazu?

Szurmiej: Daß sich ein Deutscher daran beteiligt, ist besonders geschmacklos. Rein rechtlich mag ja alles in bester Ordnung sein, alle haben das Projekt genehmigt, das Kulturministerium, der Bürgermeister der Stadt, sogar der Direktor des Museums in Auschwitz.

SPIEGEL: Haben die jüdischen Organisationen in Polen und das Internationale Auschwitzkomitee gegen dieses Vorhaben nicht protestiert?

Szurmiej: Uns hat kein Mensch gefragt, das ist ja der Skandal. Wir hätten sofort scharf dagegen protestiert. Es ist doch einfach undenkbar, daß direkt vor der größten Todesfabrik aller Zeiten, wo Millionen Menschen ins Gas getrieben wurden, ein Supermarkt errichtet wird. Das ist eine Beleidigung des Andenkens unserer Toten. Vielleicht wollen die morgen in den Todesbaracken Roulettetische aufstellen.

SPIEGEL: Der Direktor des Museums in Auschwitz erklärt, der Supermarkt stehe an einem Ort, wo es immer schon Läden gab.

Szurmiej: Das macht die Sache nicht besser. Ich frage mich, was eine sogenannte Schutzzone für einen Sinn haben soll, die rund ums Lager eingerichtet wurde, um diesen Ort des Grauens zu einer würdigen Gedenkstätte zu machen. Hier einen Supermarkt errichten zu wollen verrät eine Gefühllosigkeit, die mir Angst bereitet.

DER SPIEGEL 11/1996
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