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Theater

Eingesperrt mit einem Irren

Mit großem Erfolg spielt der Schauspieler Thomas Franke, 41, im Bonner Kulturzentrum Brotfabrik das Theaterstück "Das Modell" für jeweils einen Zuschauer.

SPIEGEL: Warum verausgaben Sie sich für nur eine Person?

Franke: Mich und meinen Regisseur Rainer Ortmann reizte die Idee, dem Zuschauer einen extremen Theaterabend zu bieten, eine Art von emotionalem Bungee-Jumping. Das Ein-Mann-Publikum fühlt sich eingesperrt mit einem Irren und ist gefesselt von seiner Geschichte.

SPIEGEL: Andere Theater bemühen sich um ein voll besetztes Haus. Wie finanziert sich Ihre Aufführung?

Franke: Die Stadt Bonn hat unser Projekt mit 3500 Mark bezuschußt. Die Eintrittskarte kostet 35 Mark. Geplant waren 30 Abende, inzwischen liegen 148 Vorstellungen hinter mir. "Das Modell" gilt als Kultstück, die Leute reisen aus Berlin, Hamburg und München an.

SPIEGEL: Wovon handelt das Stück?

Franke: Es basiert auf einer gruseligen Geschichte des amerikanischen Autors Howard Phillips Lovecraft und erzählt von einem Maler, seinem Freund, von Geistern und Monstern. Der Zuschauer sitzt in einem düsteren Keller, er muß die Bedrohung und die peinsame Intimität aushalten.

SPIEGEL: Und schafft er das?

Franke: Manche Menschen fühlen sich wie in einem Horrorfilm und brechen in Tränen aus. Viele sehen das Stück aber auch als Krimi, Komödie oder spannendes Psychogramm.

SPIEGEL: Dieses Theater in der Kellergruft ist offenbar nichts für Leute mit schwachen Nerven.

Franke: Hinausgerannt ist bislang noch keiner. Denn letztlich wissen die Besucher: Das ist ein Spiel, und der Typ, der da vorn mit einem Skalpell herumfuchtelt, will mir nicht an den Kragen.

SPIEGEL: Und woher wissen Sie, daß kein Zuschauer auf Sie losgeht?

Franke: Damit ich nicht einem Verrückten gegenübersitze, melden sich die Leute über die Brotfabrik an. Vor der Aufführung treffe ich mich mit jedem auf ein Bier. Trotzdem: Ich bin froh, daß ich auch normale Fernsehrollen und klassische Strindberg-Rollen spiele. Sonst wäre es doch zu schaurig.

DER SPIEGEL 11/1996
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