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Drogen

Verkäufer gesucht

Deutschlands Apotheker wehren sich gegen Pläne der Gesundheitsminister der Länder, nach denen sie künftig Haschisch an Kunden über 16 Jahre verkaufen dürfen. Am Freitag vergangener Woche beschlossen die Minister, Cannabis-Produkte in einem fünfjährigen Modellversuch über Apotheken rezeptfrei zu vertreiben. Ziel sei es, so die schleswig-holsteinische Gesundheitsministerin Heide Moser (SPD), "den Haschisch-Markt strikt vom Markt für harte Drogen wie Heroin und Kokain zu trennen".

Dagegen macht nun die Bundesvereinigung der Apothekerverbände Front: "Wir wollen unsere Kunden gesund machen, nicht süchtig", erklärt Apothekerpräsident Klaus Stürzbecher. Den befristeten und auf ein Bundesland beschränkten Testlauf werde er nicht boykottieren, "aber wir lassen uns auch nicht benutzen, um die Sucht flächendeckend zu legalisieren".

Mit ihren Plänen wollten die Gesundheitsminister, so Stürzbecher, weiche Drogen als Genußmittel wie Alkohol oder Tabak verharmlosen und Apotheken als Abgabestelle für Rauschmittel mißbrauchen. Dann könne man aus der Apotheke "auch gleich einen Schnapsladen machen". Ministerin Moser will ihre Pläne am Widerstand der Apotheker jedoch nicht scheitern lassen: Wenn die sich weigern sollten, werde sie andere Verkäufer suchen - beispielsweise Tabakhändler.

DER SPIEGEL 48/1995
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