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DER SPIEGEL

Folter mit Schubert

Daß sich Hollywood-Spitzenstars zu einer Theaterproduktion zusammenfinden, ist sogar am Broadway eine Rarität. Dem Regisseur Mike Nichols ist es gelungen: Er inszeniert mit Glenn Close, Gene Hackman und Richard Dreyfuss (die dafür eine Wochengage von jeweils 20 000 Dollar bekommen) das Schauspiel "Der Tod und das Mädchen" von dem chilenischen Autor Ariel Dorfman. Der Einsatz gilt einem grausamen Werk: Eine Chilenin begegnet durch Zufall jenem sadistischen Arzt wieder, unter dessen Leitung sie einst in den Folterkellern des Pinochet-Regimes brutal mißhandelt wurde. Die Erkennungsmelodie des Täters, die er stets zu seinen Gewaltakten spielen ließ, verrät ihn: Schuberts "Der Tod und das Mädchen". Die Frau nimmt den Arzt gefangen und macht ihm einen Selbstjustiz-Prozeß, ihr Anwalts-Ehemann spielt als Verteidiger mit. Auch hierzulande ist Dorfmans Psychodrama begehrt: Nach der Erstaufführung, im März in Wien, wollen es etwa ein Dutzend Bühnen spielen.

DER SPIEGEL 9/1992
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