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DER SPIEGEL

Alfred Gomolka,

49, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern und amtierender Präsident des Bundesrates, hatte beim Parlamentskolloquium über den Umbau des Berliner Reichstags am vorletzten Wochenende erhebliche Sitzbeschwerden. Im historischen Gemäuer an der Spree sah sich Gomolka im zweiten Glied "als Hinterbänkler" plaziert. Wutschnaubend blaffte der Christdemokrat Mitarbeiter von Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth an, ihm gefälligst einen Stuhl in der ersten Reihe frei zu machen: "Ich fühle mich total brüskiert." Als sich die Helfer dazu außerstande sahen, rauschte der Politiker zornesrot und schimpfend aus dem Saal. Dabei hatte Gomolka das Statusproblem selbst heraufbeschworen. Denn das Dienstflugzeug der Bundestagspräsidentin kam verspätet in Berlin an, weil der mitfliegende Gomolka erst beim Abflug in Bonn auf sich warten ließ und dann nach der Landung vergeblich seinen Fahrer suchte. Währenddessen hatten es sich Parlamentarier im Reichstagsgebäude auf den besten Plätzen bequem gemacht.

DER SPIEGEL 9/1992
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