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DER SPIEGEL

GESTORBENHermann Axen

75. Unermüdlich pflegte er seinen Ruf als eloquenter Unterhändler auf internationalem Parkett. Im SED-Zentralkomitee zuständig für internationale Politik, verhalf der heimliche Außenminister der DDR dem nach Anerkennung heischenden Staat in den siebziger Jahren zum diplomatischen Durchbruch. Schon mit 16 Jahren war Axen dem Kommunistischen Jugendverband beigetreten, die Nazis sperrten ihn zunächst für drei Jahre im Zuchthaus Zwickau ein und deportierten ihn nach seiner erneuten Verhaftung in Frankreich in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Daß Axen Jude war, verschwieg die SED - und er selbst war für die antizionistische Linie der DDR-Außenpolitik mitverantwortlich. Zu einer geistigen Wende war der frühere Chefredakteur des Neuen Deutschland und intellektuelle Kopf in der Altherren-Riege des Politbüros nicht mehr fähig. Zum Zusammenbruch der DDR sei es nur gekommen, verkündete Axen nach der Wende, weil die Sowjetunion "zu früh aufgegeben" habe. Zwar wurde er unter dem Vorwurf von Korruption und Amtsmißbrauch kurzzeitig inhaftiert, doch zum Prozeß kam es nicht mehr. Hermann Axen starb am vorvergangenen Samstag in Berlin an Herzversagen.

DER SPIEGEL 9/1992
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