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DER SPIEGEL

GESTORBENAngela Carter

51. Sie war die vielleicht originellste englische Schriftstellerin ihrer Generation. Unbefangen verschmolz sie die verschiedensten literarischen Traditionen: Schauerroman und Märchen, Detektivgeschichte und Science-fiction. Schon die Titel ihrer Romane verraten, wie etwa "Die infernalischen Traummaschinen des Doktor Hoffman" (1972), die Lust am Bizarren. Geboren 1940 als Tochter eines Journalisten, studierte Angela Carter nach einem Zeitungsvolontariat Literatur. Bevor sie 30 war, hatte sie, mit wachsender Resonanz, vier Romane veröffentlicht. Ein zweijähriger Japan-Aufenthalt, den sie mit einem ihrer ersten Literaturpreise finanzierte, schärfte ihren ironischen Blick für die Rituale der patriarchalischen Gesellschaft: Auch als feministische Kulturkritikerin führte Angela Carter eine glänzende Feder. Nichts lag ihr freilich ferner als ideologische Scheuklappen. Sie betonte die subversive Seite der Sinnlichkeit und provozierte in einer berühmt gewordenen De-Sade-Studie gesinnungsstarke Mitstreiterinnen mit der These, der ausschweifende Marquis habe die Pornographie in den Dienst der Frauen gestellt. Mit 43 Jahren wurde sie Mutter eines Sohnes.Angela Carter starb am vorvergangenen Sonntag in London an Lungenkrebs. *ÜBERSCHRIFT: BERUFLICHES

DER SPIEGEL 9/1992
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