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DER SPIEGEL

FINANZMINISTERIUMChinesische Mauern

Das Bundesfinanzministerium hat sich beim Verkauf bundeseigener Wohnungen womöglich schlecht beraten lassen. Ende vergangenen Jahres veräußerte das Ministerium knapp 11 500 Wohnungen an den Immobilienkonzern TAG. Der Kaufpreis von rund 470 Millionen Euro erschien Experten äußerst günstig. Das Ministerium ließ sich bei dem Geschäft von der Barclays Bank unterstützen. In einem vertraulichen "Informationsmemorandum", einer Art Verkaufsprospekt, erklärte die Bank, sie handle "hinsichtlich der beabsichtigten Transaktion für den Verkäufer und für niemanden sonst". Nun räumt das Bundesfinanzministerium auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag ein, dass Barclays zugleich auch für den Käufer TAG arbeitete. Die Bank unterstützte die Kapitalerhöhung des Immobilienkonzerns, um den Kauf der Bundesimmobilien zu finanzieren. Das Ministerium stimmte dem doppelten Spiel sogar zu. Man habe der Bank dafür "strikte Vorgaben" gemacht, heißt es in einer Erklärung. "Hierzu gehörten namentlich eine personelle Trennung der Beraterteams und ein Verbot des Informationsaustausches zwischen diesen Teams" - ein Verfahren, das als "Chinese Walls" bekannt ist.

DER SPIEGEL 20/2013
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