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DER SPIEGEL

ReligionDas Kreuz mit dem Kreuz

Eigentlich wollte Tarek Carls nur seinen Frust rauslassen. In einem Interview wurde der Student gefragt, was er von dem umstrittenen Erlass halte, in bayerischen Behörden Kreuze aufzuhängen. Carls ist Studierendensprecher der Uni Regensburg, zudem Mitglied der liberalen Hochschulgruppe. Ein Mann mit einer Meinung. Wehren müsste man sich, sagte er, mit zivilem Ungehorsam. Notfalls würde er Kreuze wieder abhängen. Entrüstung schlug ihm danach entgegen, auch Wut.
"Ein Shitstorm der Kreuzbefürworter folgte, weil sie meinen arabischen Vornamen hörten und dachten, ein Muslim wettert gegen Christen", sagt Carls. Er war schockiert. Dann startete er eine Onlinepetition, er wollte etwas tun. Kein #Kreuzzwang in öffentlichen Institutionen! nannte er die Aktion. Innerhalb weniger Tage unterzeichneten mehr als 52000 Menschen.
Zeitgleich sprachen sich die Universitäten Erlangen, Regensburg und Bamberg dagegen aus, Kreuze aufzuhängen. Auch die Direktorin des Neuen Museums in Nürnberg kündigte zivilen Ungehorsam an. "Es beruhigt mich zu sehen, dass ich nicht allein bin", sagt Carls. Privat habe er übrigens nichts gegen ein Kreuz an der Wand: Carls selbst ist Protestant und engagierte sich jahrelang ehrenamtlich in der Kirche als Jugendbetreuer.

UniSPIEGEL 4/2018
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