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DER SPIEGEL

Kannst du Rechtschreibung?

Christian Stang lehrt fehlerfreies Schreiben an der Universität Regensburg. Die 50 häufigsten Irrtümer hat er zu einem Quizbuch verarbeitet. Wir stellen sieben Stolperfallen vor.
1. Am Montag morgen ist die Welt noch in Ordnung – aber nicht die Rechtschreibung, oder?
a) Doch, man schreibt: Am Montag morgen ...
b) Nein, man schreibt: Am Montagmorgen ...
c) Unsinn! Man schreibt: Am Montag Morgen ...

2. Können Sie aus dem Stehgreif die Frage beantworten, ob dieser Satz korrekt geschrieben ist?
a) Ja, der Satz ist korrekt.
Stehgreif schreibt man mit h.
b) Nein, der Satz ist falsch.
Stegreif schreibt man ohne h.

3. Wie schreibt man das Wort, das den letzten Tag des Jahres bezeichnet?
a) Natürlich mit i, also Silvester.
b) Schmarrn, wie der Bayer sagt – natürlich mit y, also Sylvester.

4. Sigrid, meine Frau, und ich sind stolze Besitzer eines Smartphones. Wie viele Personen haben nun ein Smartphone?
a) 2 Personen
b) 3 Personen

5. Sind Sie sich 100%ig sicher, dass 100%ig so geschrieben wird?
a) Ja, daran habe ich keinen Zweifel.
b) Nein, vor dem Prozentzeichen steht ein Bindestrich: 100-%ig.
c) Nein, nach dem Prozentzeichen steht ein Bindestrich: 100%-ig.
d) Nein, vor und nach dem Prozentzeichen steht ein Bindestrich: 100-%-ig.

6. Der Mensch ist ein Faultier: Da werden die Wörter "auf" und "das" zu "auf's" verschmolzen, aus "durch" und "das" wird " durch's" gemacht – und aus "für" und "das" wird "für's". Korrekt?
a) Ja, der Apostroph kommt bei auf's, durch's und für's zum Einsatz.
b) Nein, bei den Wörtern aufs, durchs und fürs hat er nichts verloren.

7. Gerhard Schröder ist Bundeskanzler a. D.. Aus inhaltlicher Sicht gibt es grünes Licht, doch wie sieht es mit den beiden Punkten am Satzende aus?
a) Das ist richtig! Der erste Punkt kennzeichnet das Ende der Abkürzung, der zweite Punkt steht für den Satzschluss.
b) Das ist falsch! Es genügt ein Punkt am Ende.

Christian Stang: "Als das Känguru sein h verlor – 50 Fragen und Antworten zur deutschen Rechtschreibung". praesens; 105 Seiten; 14,40 Euro.

Lösungen: 1b Man schreibt: Am Montagmorgen ist die Welt noch in Ordnung. Tageszeiten, die mit einem Wochentag verbunden sind, schreibt man groß und zusammen: am Dienstagvormittag, am Mittwochnachmittag, am Sonntagabend. Keine Regel ohne Ausnahme: am Donnerstag früh schreibt man getrennt – und das Wörtchen früh begnügt sich mit einem Kleinbuchstaben. 2b Mit stehen hat das Wort Stegreif nichts zu tun. Das Wort Stegreif leitet sich aus dem althochdeutschen Wort stegareif ab und bedeutet Steigbügel. Heutzutage taucht das Wort Stegreif nur noch in der Fügung "aus dem Stegreif" auf. 3a Das Wort Silvester geht auf den Tagesheiligen des 31. Dezembers, Papst Silvester I., zurück. Daher die Schreibung mit i. 4a Bei der Kommasetzung ist es in bestimmten Fällen wichtig, zwischen einer Apposition (Beifügung) und einer Aufzählung zu unterscheiden: Sigrid (1. Person), meine Frau (Apposition), und ich (2. Person) sind stolze Besitzer eines Smartphones. Aber: Sigrid (1. Person), meine Frau (2. Person) und ich (3. Person) sind stolze Besitzer eines Smartphones. 5a Korrekt ist die Schreibung 100%ig. Wenn eine Ziffer mit einer Nachsilbe wie -er, -(s)tel oder -ig verbunden wird, wird kein Bindestrich gesetzt: (ein) 68er, (das) 10tel, (das) 80stel, 100%ig. 6b Verschmelzungen aus Präposition und Artikel werden in der Regel ohne Apostroph geschrieben. Es heißt also aufs, durchs, fürs und ins, hinterm, vorm, übern und vorn – um gleich noch einige weitere Beispiele mit ins Boot zu holen. 7b Beim Zusammentreffen von Abkürzungs- und Schlusspunkt wird nur ein Punkt gesetzt.

UniSPIEGEL 4/2018
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