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29.11.2012
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Fragwürdiges Überholmanöver

Vettel darf seinen Titel behalten

Von Ralf Bach
AP

Formel-1-Fahrer Vettel: Keine gelben Flaggen missachtet

"Sebastian Vettel ist Weltmeister 2012": Auf SPIEGEL ONLINE bezieht Bernie Ecclestone klar Position in der Diskussion um das Überholmanöver des Deutschen. Alles regelkonform - so sieht es auch die Fia. Ferrari fordert dagegen, dass die Automobilbehörde das Rennen untersuchen soll.

Sebastian Vettel hat beim Rennen in Sao Paulo keine gelben Flaggen missachtet und wird seinen WM-Titel behalten. Das wurde SPIEGEL ONLINE am Vormittag aus Kreisen der Automobilbehörde Fia bestätigt, die für Reglement und Wertung der Formel-1-Weltmeisterschaft verantwortlich sind. Noch am Nachmittag soll es dazu eine offizielle Stellungnahme geben.

Auch Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone (82) bezieht gegenüber SPIEGEL ONLINE deutlich Stellung. "Ich bin nicht für das Reglement verantwortlich, das liegt allein in den Händen der Fia. Aber alles, was ich sagen kann, ist: Die Rennleitung war in jeder Phase während des Rennens über alles informiert. Sie haben klare Entscheidungen getroffen. Es gab auch keinen Protest nach dem Rennen in der dafür vorgeschriebenen Zeit." Deshalb sei für ihn klar: "Es wird nichts passieren. Sebastian Vettel ist Weltmeister 2012."

Damit sind alle Spekulationen beendet, die besagen, dass Vettel eventuell seinen Titel wegen zweier fragwürdiger Überholmanöver am grünen Tisch noch verlieren könnte. Aus Fia-Kreisen erfuhr SPIEGEL ONLINE: Dieses Szenario stand nie zur Debatte. Das Thema sei lediglich vom Management des Vizeweltmeisters Fernando Alonso aufgebracht worden.

Bilder zeigen, dass ein Marshall eine grüne Flagge schwenkt

Beim Rennen in Brasilien war Vettel gleich zweimal unter Verdacht geraten, bei gelben Flaggen überholt zu haben. In Runde vier fuhr er an Toro-Rosso-Pilot Jean-Eric Vergne vorbei, in Runde acht passierte der Weltmeister Kamui Kobayashi. Angeblich unter gelber Flagge. Beim Überholmanöver von Vergne ist auf dem Video zu sehen, dass auf Vettels Lenkrad-Display das gelbe Licht aufleuchtet, das Gefahr signalisiert. Allerdings zeigen die Bilder auch, dass ein Marshall auf der linken Seite eine grüne Flagge schwenkt, bevor Vettel zum Manöver ansetzte. Damit durfte Vettel überholen.

Der Weltmeister selbst will sich nicht zu dem Thema äußern. Das sei einzig und allein Sache der Fia. Ferrari hatte zunächst bei der Rennleitung kurz angefragt, ob Regelverstöße vorlagen, bekam aber ein klares Nein zur Antwort und gab sich damit zunächst zufrieden. Nun teilte das Team aber via Twitter mit, dass man die Fia schriftlich aufgefordert habe, Vettels Überholmanöver zu prüfen.

Zuvor war ein Ferrari-Sprecher mit den Worten zitiert worden: "Wir sehen uns das Material an. Alles, was die Glaubwürdigkeit dieser Weltmeisterschaft gefährdet, muss untersucht werden." Von diesem Satz distanzierte sich aber wiederum Ferraris Teamführung, wohl aufgrund der Wortwahl: Denn bei näherer Betrachtung könnte der Satz auch gegen Ferrari ausgelegt werden. Mit dem Getriebewechsel nach dem Qualifying von Ferrari-Pilot Felipe Massa beim GP der USA sorgte Ferrari für schlechte Stimmung.

Massa musste durch den technisch völlig unbegründeten Wechsel fünf Startplätze nach hinten und sorgte so dafür, dass sein Teamkollege und WM-Anwärter Fernando Alonso nicht nur einen Startplatz gewann, sondern auf der befahreneren Seite der Startgeraden losfahren konnte - ein großer Vorteil bei der Beschleunigung zur ersten Kurve.

Der Getriebewechsel entsprach zwar dem Reglement, sorgte aber für viel Aufruhr und Diskussion. Die vom Ferrari-Sprecher erwähnte Glaubwürdigkeit der Formel 1 litt gewaltig. Und in Paragraf 151c der Fia-Regeln heißt es sinngemäß: "Wer dem Image des Sports schadet, kann mit Geldstrafe oder Punktabzug bestraft werden."

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 58 Beiträge
1. Unglaublich
BoMoUAE 29.11.2012
Unglaublich unsportlich. Pfui Ferrari - pfui Alonso.
Unglaublich unsportlich. Pfui Ferrari - pfui Alonso.
2.
franz- 29.11.2012
Ganz schlechte Verlierer !
Ganz schlechte Verlierer !
3. Die FIA ist keine Behörde
herr_grün 29.11.2012
Es ist immer wieder herrlich zu lesen, dass Zusammenschlüsse und Rechtskonstrukte wie FIA, FIFA usw. von einigen Medien zu "Behörden" erklärt werden. Es sind Verbände, nichts weiter. Aber "Behörde" hört [...]
Zitat von sysop"Sebastian Vettel ist Weltmeister 2012": Auf SPIEGEL ONLINE bezieht Bernie Ecclestone klar Position in der Diskussion um das Überholmanöver des Deutschen. Alles regelkonform - so sieht es auch die Fia. Ferrari fordert dagegen, dass die Automobilbehörde das Rennen untersuchen soll. Fragwürdiges Überholmanöver: Vettel behält seinen Titel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/formel1/fragwuerdiges-ueberholmanoever-vettel-behaelt-seinen-titel-a-869985.html)
Es ist immer wieder herrlich zu lesen, dass Zusammenschlüsse und Rechtskonstrukte wie FIA, FIFA usw. von einigen Medien zu "Behörden" erklärt werden. Es sind Verbände, nichts weiter. Aber "Behörde" hört sich halt offizieller an, was? Dasselbe gilt für die sogenannten Sport- und Verbands-"Gerichte" - auch hier wird oft der Eindruck erweckt, es seien tatsächlich rechtsprechende Institutionen auf selber Ebene mit den staatlichen Gerichtbarkeiten. Dabei sind sie nichts anderes als Schiedsstellen, deren Entscheidungen sich einzelne Verbands- oder sonstige Mitglieder aufgrund von Vereinbarungen und Verträgen freiwillig unterworfen haben. Ich würde mir an dieser Stelle Wünschen, dass Sportjournalisten weniger ver- als aufklären.
4. Tatsache ist dass Vettel mit Gelb im Cockpit überholt hat
mercadante 29.11.2012
ES wundert dass Ecclestone das Basta Wort im Mund nimmt , noch bevor den Vorfall ernsthaft untersucht wurde , ist vielleicht zu viel Liebe durch den Magen gegangen als vor kurzem zusammen Mittaggegessen haben ?
ES wundert dass Ecclestone das Basta Wort im Mund nimmt , noch bevor den Vorfall ernsthaft untersucht wurde , ist vielleicht zu viel Liebe durch den Magen gegangen als vor kurzem zusammen Mittaggegessen haben ?
5. ...
champagnero 29.11.2012
Was für miese Würste. Auf der Strecke hats nicht gereicht. Und jetzt diese Tour. Wie bei der WM 2006. Wie bei Gladbach gegen Inter. Wie bei Materazzi gegen Zidane. usw. usf.
Was für miese Würste. Auf der Strecke hats nicht gereicht. Und jetzt diese Tour. Wie bei der WM 2006. Wie bei Gladbach gegen Inter. Wie bei Materazzi gegen Zidane. usw. usf.
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