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25.02.2013
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Adrian Sutil vor F1-Comeback

"Ich möchte mein Leben in den Griff kriegen"

Von
Getty Images

Während Sebastian Vettel seinen WM-Titel verteidigte, stand Adrian Sutil vor Gericht: 2012 war ein Jahr zum Vergessen für den Formel-1-Piloten. Nun testet er für seinen alten Rennstall Force India und hängt alle Gesetzten ab. Die Geschichte eines unverhofften Comebacks.

Wenn es bei Adrian Sutil mit der Sportlerkarriere nicht geklappt hätte, dann wäre der Rennfahrer wohl Pianist geworden. Der Sohn einer Musikerfamilie spielt ausgezeichnet Klavier und hat in seiner Kindheit damit sogar Preise gewonnen. Sein Vater war Bratschist bei den Münchner Philharmonikern. Im vergangenen Jahr hatte Sutil erstmals seit langem wieder viel Zeit für die Musik, er bekam keinen Startplatz. Doch im Hinterkopf war immer nur ein Gedanke: Der Wunsch nach dem Formel-1-Comeback.

Als er am vergangenen Donnerstag aus dem Cockpit seines Force India VJM06 stieg, war er diesem Wunsch einen großen Schritt näher. Die 78 Testfahrt-Runden in Barcelona liefen gut, besser als bei seinen direkten Konkurrenten. Und sogar besser als bei Paul Di Resta, der etatmäßigen Nummer eins. Doch Sutil will mehr. "Ich bin Rennfahrer, kein Testfahrer, also will ich Rennen fahren. Testfahrer? ich weiß nicht, ob es das Richtige für mich ist", sagte er nach den Runden.

Dabei schien seine Karriere im April 2011 eigentlich vorbei. Nach einem Zwischenfall in einer Shanghaier Discothek verlängerte sein Rennstall Force India den Vertrag mit ihm nicht. Sutil war mit einem Luxemburger Unternehmer und Anteilseigner am damaligen Renault-Team aneinandergeraten, hatte ihn am Hals verletzt und wurde wegen Körperverletzung verurteilt. 200.000 Euro Geldstrafe und 18 Monate auf Bewährung: Der heute 30-Jährige nahm das Urteil an - und ist nun vorbestraft.

Platz vier - sein bisher bestes Ergebnis

Trotzdem, so sieht es nun aus, setzt ihn sein ehemaliges Team in der kommenden Saison wieder als Pilot ins Cockpit. Eine mutige Entscheidung, die aufgrund der Rennstall-Historie aber wenig verwundert: Sutil war von Anfang an dabeigewesen. "Sie kennen mich besser als jedes andere Team hier. Ich bin sechs Jahre für sie gefahren - sie wissen, was ich kann", sagte der Rennfahrer in Barcelona.

Durch einen neuen Geldgeber wurde das damalige Spyker-Team, mit dem er seit 2007 in der Formel 1 fuhr, im Jahr 2008 zu Force India. Nach dem Weggang von Giancarlo Fisichella war Sutil plötzlich die neue Nummer eins und wurde im ersten Rennen nach diesem unfreiwilligen Aufstieg gleich Vierter, sein bisher bestes Ergebnis in der Formel 1 überhaupt.

Sutil galt als großes Talent. Im Alter von 14 Jahren setzte er sich erstmals hinters Steuer einer Kart-Maschine, sein älterer Bruder hatte ihn damals mitgenommen. 2002 fuhr er in der schweizerischen Formel Ford: zehn Rennen, zehnmal von der Pole-Position, zehn Siege. Kurz darauf wechselte er in die Formel-3-Euroserie und wurde Teamkollege von Lewis Hamilton. Der Brite holte den Titel, Sutil wurde Vizemeister. Es war der Beginn einer Freundschaft.

Comeback oder Zeit für Musik

Auch Hamilton war am 17. April 2011 in der Disco. Er hatte gerade den Großen Preis von China gewonnen, es war seine Siegesfeier. Von der Auseinandersetzung will der damalige McLaren-Mercedes-Pilot nichts mitbekommen haben, den Gerichtstermin sagte er aus beruflichen Gründen ab. Später bezeichnete ihn der angeklagte Sutil als Feigling und beendete die Freundschaft.

Auch mit der Verbindung zu Force India war vorerst Schluss. Der "Straftäter" war für den Rennstall nicht mehr tragbar - und wurde 2012 durch Nico Hülkenberg ersetzt. Sutil verpasste den letzten freien Cockpit-Platz bei Williams, statt für ihn entschied sich das Team für Bruno Senna. Ein Comeback in der Formel 1 schien ausgeschlossen.

Ein Jahr später hat sich der Deutsche zurückgekämpft. Er sagt von sich selbst, er sei erwachsener geworden. "Ich hoffe, dass die Menschen diese fünf Sekunden von Shanghai nicht so bewerten, dass sie mein Wesen wiedergeben. Sie sollen nicht für die Ewigkeit sein. Ich möchte mein Leben in den Griff kriegen." Eine Chance dazu wird Sutil nun aller Voraussicht nach erhalten. Die Testfahrt-Ergebnisse überzeugten. Er könnte schon bald wieder das sein, was vor einem Jahr wohl kaum noch einer für möglich gehalten hätte: Formel-1-Pilot. Sollte sich sein Rennstall am Ende doch gegen ihn entscheiden, dann hat Sutil wieder Zeit für die Musik. Und könnte im Winter den nächsten Angriff starten.

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Formel-1-Weltmeister (ab zwei Titeln)

Fahrer Anzahl Titel
Michael Schumacher 7 (1994, 1995, 2000-2004)
Juan Manuel Fangio 5 (1951, 1954-1957)
Alain Prost 4 (1985, 1986, 1989, 1993)
Sebastian Vettel 4 (2010-2013)
Jack Brabham 3 (1959, 1960, 1966)
Jackie Stewart 3 (1969, 1971, 1973)
Niki Lauda 3 (1975, 1977, 1984)
Nelson Piquet 3 (1981, 1983, 1987)
Ayrton Senna 3 (1988, 1990, 1991)
Alberto Ascari 2 (1952, 1953)
Jim Clark 2 (1963, 1965)
Graham Hill 2 (1962, 1968)
Emerson Fittipaldi 2 (1972, 1974)
Mika Häkkinen 2 (1998, 1999)
Fernando Alonso 2 (2005, 2006)

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