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Sport

Ricciardos Formel-1-Sieg in China

Spielerisch zurück in der Spur

Pannen, Pech - und dramatische Schlussrunden: In der Formel 1 geht der Große Preis von China an Daniel Ricciardo. Der Red-Bull-Pilot sagt: "Ich scheine nie die langweiligen Rennen zu gewinnen." Stimmt.

Getty Images

Daniel Ricciardo

Aus Shanghai berichtet Christian Menath
Sonntag, 15.04.2018   19:39 Uhr

Dieses dritte Rennen der Saison 2018 - es war ein dramatisches Rennen, gespickt mit spannenden Strategien, actionreichen Manövern und Emotionen fast jeder Art. Gleich zwei Extreme zeigten sich nach dem Rennen in der Garage von Red Bull Racing: Einmal war da der breit grinsende Sieger Daniel Ricciardo. Auf der anderen Seite Max Verstappen, nach einem stürmischen Grand Prix unzufrieden mit sich selbst.

Im Team von Mercedes dagegen ließen nahezu alle um Lewis Hamilton die Köpfe ein wenig hängen: Der Rennstall um den amtierenden Weltmeister hatte in China zum ersten Mal seit Jahren keine dominante Rolle gespielt.

Diese Rolle hatten in Shanghai zunächst Ferrari und Sebastian Vettel mit der Pole Position und einem guten Start übernommen, bis der vom Start Führende eine Runde später als Valtteri Bottas zum Reifenwechsel in die Box kam und sich der Ferrari am Ausgang hinter dem Mercedes einreihen musste.

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Ricciardos Erfolg in China: Red Bull meldet sich zurück

Es war eine Kollision im Nachwuchsteam von Red Bull, Toro Rosso, die endgültig alles auf den Kopf stellte: Die Rennleitung schickte das Safety Car auf die Strecke, Red Bull erkannte die Gelegenheit und stoppte Ricciardo und Verstappen erneut in einer Runde.

Beide bekamen neue Softreifen, damit stand Red Bulls Duo beim Re-Start deutlich besser da als jeder Ferrari und Mercedes, die mit bereits angefahrenen Medium-Gummis unterwegs waren. "Das war hektisch. Alles ging so schnell. Aber es waren entscheidende Manöver", sagte Ricciardo.

Es folgte eine dramatische Schlussphase, in der Verstappen und Ricciardo zeigten, was wirklich im Red-Bull-Team steckt. Fast schon spielerisch zogen die Piloten an der Konkurrenz vorbei, vor allem Ricciardo stellte einmal mehr seine Fähigkeiten unter Beweis.

"Am Sieg geschnüffelt"

"Sobald ich einmal am Sieg geschnüffelt hatte, wollte ich ihn nicht mehr loslassen. Ich scheine einfach nie die langweiligen Rennen zu gewinnen", sagte Ricciardo nach dem sechsten Sieg seiner Formel-1-Karriere. "Das war echt unerwartet. Noch vor 24 Stunden dachte ich, dass wir vielleicht von ganz hinten starten müssen." Damit spielte der 28-Jährige auf einen Motorschaden vor dem Qualifying an, den die Red-Bull-Crew erst in letzter Minute behoben hatte.

Während Ricciardo also strahlte, musste sich sein Teamkollege Verstappen viel Kritik anhören. Erst hatte er es bei einem artistischen Überholversuch gegen Hamilton übertrieben und war von der Strecke abgekommen. Dann kollidierte der Niederländer bei seinem versuchten Comeback in der Spitzkehre auch noch mit Vettel im Kampf um Platz zwei.

"Im ersten Moment hatte ich schon einen Hals. Es ist nicht schön, wenn man einen Schlag von hinten bekommt und umgedreht wird", sagte der schlussendlich achtplatzierte Vettel im Anschluss.

Deutlichere Kritik erntete Verstappen von Nico Rosberg. "Das kann man so nicht machen. Verstappen muss sich langsam auch mal selbst ein bisschen in Frage stellen", sagte der Weltmeister von 2016: "Es waren jetzt drei Rennen und er hat ungefähr fünf kapitale Böcke geschossen."

Verstappen gestand den Fehler ein: "Ich habe schon mit Seb gesprochen. Es war meine Schuld. Da haben die Reifen blockiert. Ich hätte schon noch eine Runde warten können. Aber das am Ende des Rennens zu sagen, ist natürlich immer leicht." Motorsportberater Helmut Marko nahm den Niederländer in Schutz: "Der Doppelsieg wäre möglich gewesen, aber Max war eine Spur zu ungestüm. Ich würde sagen, dass es ein Rennunfall war. Etwas am Limit."

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Regelrecht erschüttert waren die Silberpfeile nach den 56 Runden von Shanghai. "Es ist enttäuschend. Das heutige Ergebnis fühlt sich weniger wie ein gewonnenes Podium an, sondern eher wie ein verlorener Sieg", sagte der zweitplatzierte Bottas. Hamilton wurde noch deutlicher: "Der Samstag und der Sonntag fühlten sich für mich wie eine Katastrophe an. Ich hatte seit gestern einfach nicht die Pace und kämpfte mit dem Auto", sagte der Weltmeister.

"Tatsache ist, dass uns heute in jeder Phase die Pace gefehlt hat", stellte Teamchef Toto Wolff fest. Jetzt gelte es hart zu arbeiten und zu kämpfen, um Mercedes wieder auf Siegkurs zu bringen. Es wäre das erste Mal in diesem Jahr.

insgesamt 1 Beitrag
Alias iacta sunt 17.04.2018
1. wenn das eine Spur zu viel war,
dann wird klar, dass diese gefährdende Fahrweise von den Teamchefs Helm. Marco bei Red Bull gewünscht wird, mind. toleriert. Deshalb sollte da auch das Team bestraft werden, denn diese Leute gefährden dadurch auch anderen [...]
dann wird klar, dass diese gefährdende Fahrweise von den Teamchefs Helm. Marco bei Red Bull gewünscht wird, mind. toleriert. Deshalb sollte da auch das Team bestraft werden, denn diese Leute gefährden dadurch auch anderen Fahrer.

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