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Sport

Ferrari-Pleite in Singapur

Falsche Taktik, wieder mal

Schlechtes Timing, falsche Reifenwahl - beim Rennen in Singapur hat sich Ferrari erneut verkalkuliert, Sebastian Vettel verlor wichtige Punkte im WM-Kampf. Die Schwärmerei des Rivalen Hamilton dürfte den Frust noch erhöhen.

Getty Images

Sebastian Vettel

Von
Sonntag, 16.09.2018   19:05 Uhr

Fehlentscheidung des Rennens: In der 15. Runde wurde Sebastian Vettel als erster der Top-Piloten zum Reifenwechsel gerufen. Ferrari setzte, im Gegensatz zu Mercedes und Red Bull, auf ultraweiche Reifen. Eine Entscheidung, die sich als Fehler erweisen sollte. Als Vettel mit neuen Reifen aus der Box kam, steckte er direkt im Verkehr fest. Prompt setzten sich Hamilton und Verstappen ab. "Ich hatte keine Chance, wir waren schon wieder zu spät", funkte Vettel verärgert in die Box. "Und diese Reifen werden auch nicht bis zum Ende halten."

Die Ausgangslage: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hatte im Qualifying den Marina Bay Street Circuit in der Rekordzeit von 1:36,015 Minuten absolviert und den Niederländer Max Verstappen im Red Bull sowie Sebastian Vettel deutlich auf die Plätze verwiesen. "Es war einfach nur perfekt. Diese Runde fühlte sich wie Magie an", hatte Hamilton gesagt. Vettel wird das anders gesehen haben: Um Hamilton doch noch den Titel streitig zu machen, wäre die Pole Position wichtig gewesen. So ging Vettel von Position drei und mit 30 Punkten Rückstand in der Fahrerwertung ins Rennen.

Die Startaufstellung (Top Ten): Hamilton - Verstappen - Vettel - Bottas - Räikkönen - Ricciardo - Perez - Grosjean - Ocon - Hulkenberg

Das Ergebnis: Hamilton hat auch den Großen Preis von Singapur gewonnen, Zweiter wurde Max Verstappen. Ferrari-Pilot Vettel musste sich mit Rang drei begnügen und hat in der WM-Gesamtwertung sechs Runden vor Saisonende 40 Punkte Rückstand. "Was für ein Wochenende, was für ein Rennen", sagte Hamilton. "Ich fühle mich gesegnet. Ich hatte Kontrolle, ich konnte Druck machen, wenn es nötig war." Hier lesen Sie den Rennbericht.

Safety-Car: Wann immer die Formel 1 in Singapur gastiert, bedeutet das Arbeit für Bernd Mayländer und das Safety-Car. Es ist ein Nachtrennen, der Kurs ist eng, es kracht eigentlich immer. In jedem der bisher elf Rennen auf dem Marina Bay Street Circuit musste das Safety-Car ausrücken - das dritte Mal in Folge in der ersten Runde. So gefährlich ist kein anderer Grand Prix. Im letzten Jahr war das Rennen für Vettel schon nach sechs Sekunden nach einem Crash mit Kimi Räikkönen und Verstappen gelaufen. Auch diesmal dauerte es nicht lange, ehe das Safety-Car auf die Strecke musste.

Die Startphase: Hamilton kam beim Start gut weg, Verstappen hielt zunächst Vettel auf Abstand. Doch die Startaufstellung überstand nicht einmal Runde eins. Dann beförderte Force-India-Pilot Sergio Pérez seinen Teamkollegen Esteban Ocon in die Mauer, das Aus für den Franzosen. Noch bevor die Sicherung auf der Strecke war, zog Vettel an Verstappen vorbei auf Platz zwei.

Rosa gegen Rosa: "Ich wurde von Sergio übel getroffen, wirklich übel", sagte Ocon nach dem Unfall der beiden rosafarbenen Force-India-Autos über das Fahrer-Mikro. Kollege Pérez murmelte kleinlaut eine Entschuldigung. Ocon klang ungehalten, und man konnte ihn verstehen. Denn es war ein vermeidbarer Crash. Und er passt zur Situation beim Rennstall: Insolvenz angemeldet, im August die Übernahme durch den Milliardär Lawrence Stroll (Vater vom Formel-1-Piloten Lance Stroll), Namensänderung, WM-Punkte weg.

Pérez - Klappe, die zweite: Es war nicht das Rennen des Sergio Pérez. Erst der Crash mit seinem Teamkollegen Ocon und später ließ sich der Mexikaner auch noch auf ein zähes Dauerduell mit dem Williams-Piloten Sergej Sirotkin ein. Der Höhepunkt: Bei einem Überholmanöver fuhr Pérez ihm die Seite - Durchfahrtstrafe und nur Rang 16 in der Rennstatistik.

Zieleinfahrt: So wie die Top-Fahrer gestartet waren, so kamen sie auch ins Ziel. Hamilton vor Verstappen und Vettel. Nico Hülkenberg im Renault fuhr als Zehnter gerade noch in die Punkte.

Ausblick: Noch sind sechs Rennen zu fahren, weiter geht es in zwei Wochen mit dem Großen Preis von Russland. Der Rückstand von Vettel auf den Führenden Hamilton beträgt 40 Punkte - der fünfte WM-Titel des Ferarri-Fahrers ist in weite Ferne gerückt. Kleiner Hoffnungsschimmer: Zwei Mal konnte der WM-Führende nach dem Grand Prix in Singapur bis zum Ende der Saison noch abgefangen werden. 2010 und 2012 war das - und es war jeweils Vettel, dem das gelang.

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