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Sport

Borussia Dortmund in der Kritik

Das wird ihnen eine Leere sein

Nach Krawallen ist Borussia Dortmunds Südtribüne für ein Spiel gesperrt. Das Image des Sympathieträgers mit großartigen Anhängern und besonnener Vereinsführung drohen Fans und Führung des BVB gerade zu verspielen.

DPA
Ein Kommentar von
Montag, 13.02.2017   15:01 Uhr

Es muss eigentlich eine große Freude sein, Fan von Borussia Dortmund zu sein. Die Mannschaft spielt seit Jahren vorne mit, und häufig war ihr Spiel dabei auch noch schön anzusehen. Jürgen Klopp war als Trainer ein Menschen- und Medienfänger, danach kam mit Thomas Tuchel der wohl klügste Fußballanalytiker der Bundesliga. Die Anhänger sind berühmt für ihre leidenschaftliche Unterstützung. Gerade als Antipoden zum FC Bayern galt im Dortmunder Selbstverständnis: Wir sind die Guten, und die besten Fans der Welt haben und sind wir sowieso.

Und jetzt? Seit Wochen produziert der Verein mehr Schlagzeilen als der Spitzenreiter oder ein Abstiegsanwärter. Der Trainer muss um eine fachliche Anerkennung kämpfen, die bei ihm selbstverständlich sein müsste. Dem Geschäftsführer wird vorgeworfen, mit seiner harschen Kritik am Geschäftsmodell des RB Leipzig vermeintlich Gewalt herbeigeredet zu haben. Die Anhänger stehen nach den Angriffen auf Leipziger Fans am Pranger, und selbst der Nimbus der vielgerühmten Südtribüne schwindet nach den "Bullen schlachten" und "Burn-out-Ralle: Häng dich auf"-Plakaten beim Heimspiel gegen RB.

Das "Wir sind die Guten" bröckelt.

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Dortmunder Südtribüne: Von 25.000 auf 0

Der DFB hat die Sperrung der Südtribüne für ein Heimspiel erwirkt, er hat sich bei der Begründung dabei ziemlich ungeschickt angestellt, in dem er auch Schmähgesänge aus anderen Spielen als Begründung für diese ohnehin umstrittene Kollektivstrafe herbeigezogen hat. Das hat es den BVB-Fans relativ leicht gemacht, die bewährte Anti-DFB-Empörung zu wecken und das eigentliche Schuld-Wirkung-Verhältnis umzukehren. Aber die BVB-Fans sind in diesem Fall nicht die Opfer, so sehr es manchen auch schmerzen wird, seine geliebte Borussia an einem Heimspiel-Wochenende vermissen zu müssen, obwohl er persönlich gar nichts getan hat.

Trainer Tuchel im Video: "Die Tribüne schlechthin auf der Welt"

Foto: imago

Ein Imageverlust, der nicht so schnell aufgeholt werden kann

Dass der Verein danach vier Tage Zeit gebraucht hat, um die Sperre zu akzeptieren, obwohl es die einzig vernünftige Entscheidung in dieser Situation ist, spricht dafür, dass in der Geschäftsführung der Ernst der Lage erst langsam erkannt wird. Durch die Ereignisse gegen Leipzig hat der Verein einen Imageverlust erlitten, der nachhaltig sein dürfte. Der Sympathiebonus, den der BVB über Jahre problemlos bei Fußballfans außerhalb Gelsenkirchens abrufen konnte, verflüchtigt sich.

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Ist die Strafe für den BVB berechtigt?

Komplette Sperrung der Südtribüne beim nächsten Heimspiel: Der DFB hat gegen Borussia Dortmund ein Exempel statuiert. Zurecht?

Beim BVB ist vieles in Unordnung geraten. Sportlich ist der Kader immer noch eine Feinkostabteilung des Fußballs, gespickt mit atemberaubenden Talenten, trotzdem gibt es Vorstellungen wie das armselige 1:2 am Wochenende beim Tabellenletzten Darmstadt 98. Der BVB schwankt zwischen höchsten Ansprüchen auf der einen Seite und dem Aufbau einer jungen, neuen Mannschaft auf der anderen Seite, zwischen Galaauftritten gegen Real Madrid und fußballerischem Pumpernickel gegen Eintracht Frankfurt.

Bundesliga-Noten

Selbst nach 20 Spieltagen ist noch nicht ganz klar, was diese Saison für Borussia Dortmund sein soll: Eine Spielzeit mit der Pflicht zur Champions-League-Qualifikation oder eine Umbruchsaison nach dem Abgang der großen drei, Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrich Mchitarjan. Die Signale aus der Vereinsführung vom medial omnipräsenten Hans-Joachim Watzke dazu sind widersprüchlich - was dem Trainer die Arbeit nicht erleichtert.

Borussia Dortmund hat eine so schwierige Situation länger nicht erlebt, selbst die letzte Klopp-Spielzeit 2014/2015, als der Verein zwischenzeitlich gar in Abstiegsnot war, kannte nicht so unterschiedliche Baustellen. Vor zwei Jahren ging es allein um eine sportliche Misere. Diesmal geht es um die Marke Borussia Dortmund.

insgesamt 201 Beiträge
spiegelklammer 13.02.2017
1. Punkteabzug ....
so wie es mit den Mannschaften aus dem Osten gemacht würde, das wäre eine Strafe, aber so ....
so wie es mit den Mannschaften aus dem Osten gemacht würde, das wäre eine Strafe, aber so ....
Grummelchen321 13.02.2017
2. Es
ändert sich am Grundproblem mit den Ultras und Hools nichts.Ich gehe wegen den Spinnern schon seit Jahren nicht mehr ins Stadion.Mit Kindern schon gar nicht.Sollen die sich ein Beispiel an den Idioten nehmen.Und was ist um [...]
ändert sich am Grundproblem mit den Ultras und Hools nichts.Ich gehe wegen den Spinnern schon seit Jahren nicht mehr ins Stadion.Mit Kindern schon gar nicht.Sollen die sich ein Beispiel an den Idioten nehmen.Und was ist um gotteswillen an einem Bengalo so toll.Ausser das er Rauch verursacht ,die Sicht behindert und Menschen gefährdet sich schwere Brandverletzungen zu zuziehen.
Seraphan 13.02.2017
3. Wie man's macht, macht man's verkehrt
Ich kann die Kritik am Verein nicht nachvollziehen. Der Verein hat das gute Recht, die Akzeptanz der Strafe zu diskutieren. Letzendlich hat er sie, und damit eine sofortige Konsequenz für beteiligte Fans, und die, die [...]
Ich kann die Kritik am Verein nicht nachvollziehen. Der Verein hat das gute Recht, die Akzeptanz der Strafe zu diskutieren. Letzendlich hat er sie, und damit eine sofortige Konsequenz für beteiligte Fans, und die, die möglicherweise intervenierend eingreifen könnten, akzeptiert. Damit verhindert er auch weitere Verhandlungen, durch die die zeitliche Distanz zwischen "Tat" und Konsequenz eine Verwässerung der Strafe bewirkt hätten.
linksrechtsmitte 13.02.2017
4. Um Gottes Willen
... bitte nicht Gelsenkirchen und Dortmund verwechseln!
... bitte nicht Gelsenkirchen und Dortmund verwechseln!
robana 13.02.2017
5. Aussperren
Solange solche "Fans" nicht - GNADENLOS - lebenslänglich Stadionverbot bekommen wird sich wohl kaum etwas ändern. Für solche Menschen kann es nur null Toleranz geben. Der normale Fan wird sich immer weiter zurück [...]
Solange solche "Fans" nicht - GNADENLOS - lebenslänglich Stadionverbot bekommen wird sich wohl kaum etwas ändern. Für solche Menschen kann es nur null Toleranz geben. Der normale Fan wird sich immer weiter zurück ziehen, was den Vereinen - im Endeffekt - noch mehr schaden wird.
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