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Sport

Bayern-Aus gegen Real Madrid

In Trümmern

Bayern München hadert nach dem Aus im CL-Viertelfinale mit Viktor Kassai, vor allem Karl-Heinz Rummenigge findet harte Worte für den Schiedsrichter. Die Mannschaft trauert, jetzt bleibt nur noch der Trostpreis.

Foto: DPA
Aus Madrid berichtet Florian Kinast
Mittwoch, 19.04.2017   17:25 Uhr

Das 2:4 der Bayern nach 120 Minuten gegen den ewigen Rivalen Real Madrid war ein Spektakel, das das Zeug zum Champions-League-Klassiker hatte, von dem man noch lange sprechen wird. In Madrid, und auch in München. Ein hochklassiges, atemberaubendes und zumindest bis zur 109. Minute völlig offenes Spiel, das jede Menge Diskussionsstoff lieferte.

Bevor das große Hadern anstand, war es erst an Karl-Heinz Rummenigge, der Leistung der Mannschaft zu huldigen. "Ein großes Kompliment für dieses große Spiel, ich kann nur den Hut ziehen", sagte der Vorstandschef und pries die Moral der beiden angeschlagenen Innenverteidiger Jérôme Boateng und Mats Hummels, die über die Schmerzgrenze hinaus kämpften, bis ihnen die Kräfte ausgingen und Real Madrid in der Verlängerung drei Mal traf.

Tatsächlich hatten die Bayern nach dem desolaten 1:2 im Hinspiel stark gespielt, mit viel Leidenschaft und großem Willen. Doch es reichte nicht ganz, und so berichtete Rummenigge, als er aus der Kabine kam: "Die Mannschaft liegt in Trümmern."

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Champions League: Elfmeter, Eigentor, Dreierpack

Damit waren nicht nur Hummels und Boateng gemeint oder Manuel Neuer, der sich am Ende der Partie den Fuß brach und lange ausfallen wird. Sondern das gesamte Team, weil die Spieler in der Kabine erstmals die Bilder von den gravierenden Fehlentscheidungen von Schiedsrichter Viktor Kassai und seiner Assistenten sahen. Die zweite Gelbe Karte gegen Arturo Vidal, der im Duell mit Asensio den Ball gespielt hatte und zumindest in dieser Szene zu Unrecht vom Feld musste, erzürnte die Gemüter ebenso wie die beiden Treffer zum 2:2 (105. Minute) und 3:2 (109.) von Cristiano Ronaldo aus Abseitsposition. "Wenn so ein Spitzenspiel von solchen Fehlentscheidungen entschieden wird, dann ist das für mich Wahnsinn", klagte Arjen Robben, und Thomas Müller sagte: "Dass so in das Spiel eingegriffen und das Ergebnis durch solche Sachen beeinflusst wird, ist schon brutal. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden."

Klare Worte fand dafür später auf dem Bankett im Mannschaftshotel noch einmal Rummenigge, der schimpfte: "Ich habe heute eine wahnsinnige Wut wie selten in mir. Wir sind beschissen worden." Neben ihm saß wie versteinert Carlo Ancelotti, der wirkte, als könne er nur mit Müh und Not die Fassung bewahren.

Schon gleich nach Abpfiff war der Bayern-Trainer zu Kassai gegangen und hatte ihm gallig gesagt: "Good job." Später auf der Pressekonferenz forderte Ancelotti die Einführung des Videobeweises, der aber zudem ergeben hätte, dass auch Robert Lewandowski vor dem Eigentor von Sergio Ramos zum 2:1 (78.) im aktiven Abseits stand. Dann wäre es gar nicht erst zur Verlängerung gekommen.

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Trotz der großen Leidenschaft, mit denen die Bayern spielten, trotz der Wut über die ungerechte Behandlung durch den Schiedsrichter: Über die 210 Minuten in Hin- und Rückspiel gesehen kam Real Madrid verdient weiter. Viel mehr als über den Schiedsrichter zu schimpfen, muss sich die Mannschaft fragen, warum sie nicht schon im Hinspiel so beherzt auftrat. Und auch die Entscheidungen von Ancelotti müssen hinterfragt werden.

Etwa, warum er in beiden Spielen Xabi Alonso vom Platz nahm. Im Hinspiel sorgte seine Auswechslung nach dem Platzverweis von Javi Martinez für evidente Lücken im defensiven Mittelfeld. Und im Rückspiel wäre es sinnvoller gewesen, statt Alonso den gefährdeten Vidal aus dem Verkehr zu ziehen, da der übermütige Chilene nach einem rüden Check gegen Casemiro bereits nach 49 Minuten am Rande eines Platzverweises stand.

Wie schon vergangene Saison im Halbfinale gegen Atlético Madrid waren es Nuancen, die über den Ausgang des Duells entschieden. Kleine Details, die auch diesmal wieder gegen die Bayern sprachen. Das wussten die Beteiligten auch. Leichter machte das den Abend auch nicht mehr.

Robben gab sich noch am Abend Mühe, nach vorne zu schauen, in Richtung Mainz und Dortmund, die kommenden Gegner am Samstag in der Bundesliga und am Mittwoch im DFB-Pokal. "Wir müssen jetzt versuchen, Meister zu werden und den Pokal zu gewinnen", sagte er, dann hielt er kurz inne und sagte ernüchtert: "Mehr ist jetzt nicht mehr drin." Das Double, nicht mehr als nur noch ein Trostpflaster, nach diesem dramatischen Abend, an dem die Triple-Träume so unglücklich zerplatzt waren. Die beiden Titel sind aber auch Pflicht, damit die Saison noch ein halbwegs versöhnliches Ende nimmt.

Gegen ein Uhr nachts stand der Mannschaftsbus des FC Bayern auf der Paseo de la Castellana, der sechsspurigen Hauptstraße, die am Stadion vorbei führt. Vor dem Bus hatten sich zwei Real-Fans aufgebaut und triumphierend mit ihren Schals gewedelt, und erst als sie der eskortierende Motorradpolizist mit drohenden Handbewegungen wegscheuchte, hatte der Bus freie Fahrt. Es war das letzte Mal für diese Saison, dass den Bayern Madrilenen im Weg standen. Ab sofort nehmen die Münchner Kurs auf den Trostpreis.

insgesamt 75 Beiträge
sonntag500 19.04.2017
1. Rummenigge:
Nun, jetzt merkt er mal, wie es anderen Mannschaften ergeht, wenn man vom "Bayern-Dusel" redet. Heute hatte den Real Madrid.
Nun, jetzt merkt er mal, wie es anderen Mannschaften ergeht, wenn man vom "Bayern-Dusel" redet. Heute hatte den Real Madrid.
FrankDr 19.04.2017
2.
Real Madrid ist zu gut, um zwei Abseitstore mit zu kompensieren. Wenn im Gegenzug Lewandowski vor dem 3:1 frei vorm Tor fälschlicherweise wegen Abseits zurückgepfiffen wird, kann man es schade finden, dass die Fans um einen [...]
Real Madrid ist zu gut, um zwei Abseitstore mit zu kompensieren. Wenn im Gegenzug Lewandowski vor dem 3:1 frei vorm Tor fälschlicherweise wegen Abseits zurückgepfiffen wird, kann man es schade finden, dass die Fans um einen faires, spannendes Ende gebracht wurden. Auf dem Niveau kann man soviele Fehlentscheidungen nicht mehr reinspielen
vhn 19.04.2017
3. Besser als gedacht
Man kann sich erhobenen Hauptes aus der CL verabschieden. Nach dem Hinspiel hätte wohl kaum jemand mit Verlängerung gerechnet. Und dann Verlängerung wieder mit zehn Mann. So gut wie aussichtslos gegen den Titelverteidiger [...]
Man kann sich erhobenen Hauptes aus der CL verabschieden. Nach dem Hinspiel hätte wohl kaum jemand mit Verlängerung gerechnet. Und dann Verlängerung wieder mit zehn Mann. So gut wie aussichtslos gegen den Titelverteidiger auswärts. Also, gut gekämpft. Chapeau. Mehr war unter diesen Umständen nicht drin...
fullspeed 19.04.2017
4. Ancelotti...
...trifft die Hauptschuld am Ausscheiden. Jeder hat gesehen, dass Vidal kurz vor dem Platzverweis stand. Da hätte der Trainer unbedingt wechseln müssen!! Mit 10 Mann im Bernabeu ist fast unmöglich weiterzukommen. Alles auf den [...]
...trifft die Hauptschuld am Ausscheiden. Jeder hat gesehen, dass Vidal kurz vor dem Platzverweis stand. Da hätte der Trainer unbedingt wechseln müssen!! Mit 10 Mann im Bernabeu ist fast unmöglich weiterzukommen. Alles auf den Kasai zu schieben ist einfach, obwohl er eine der schlechtesten Leistungen eines Schiri der letzten Jahre in der CL gezeigt hat.
gnarze 19.04.2017
5. Trostpreis?
Ein mögliches Double ist kein Trostpreis sondern das Ergebnis einer sehr guten Saison, der CL-Titel ist nur das Sahnehäubchen, das nur mit sehr viel Glück errungen werden kann. Vielmehr Sorgen muss man sich darüber machen, [...]
Ein mögliches Double ist kein Trostpreis sondern das Ergebnis einer sehr guten Saison, der CL-Titel ist nur das Sahnehäubchen, das nur mit sehr viel Glück errungen werden kann. Vielmehr Sorgen muss man sich darüber machen, dass die Hälfte der Mannschaft wieder einmal in der Crunshtime verletzt ausfällt.
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2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
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1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
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