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Bayern-Zugang Corentin Tolisso

Das ist der teuerste Bundesliga-Einkauf

Außerhalb Frankreichs kennen ihn nur Insider, aber Corentin Tolisso ist dem FC Bayern 41,5 Millionen Euro wert. Was man über den Nachfolger für Xabi Alonso wissen muss.

Foto: FC Bayern.TV
Donnerstag, 15.06.2017   16:11 Uhr

Am vergangenen Dienstag saß Corentin Tolisso beim Länderspiel zwischen Frankreich und England in Paris noch 90 Minuten auf der französischen Ersatzbank, am Mittwoch absolvierte er beim FC Bayern München den Medizincheck und unterschrieb einen Vertrag bis 2022. Der 22-Jährige kommt vom französischen Erstligisten Olympique Lyon und ist nach Niklas Süle, Sebastian Rudy (beide aus Hoffenheim) und Serge Gnabry (Bremen) der vierte Zugang des Rekordmeisters.

Vor allem aber ist Tolisso die teuerste Verpflichtung der Bayern-Historie. Wie die Franzosen auf ihrer Homepage bestätigten, zahlen die Bayern für ihn 41,5 Millionen Euro. Mit Bonuszahlungen könnte die Summe sogar noch auf bis zu 47,5 Millionen Euro steigen. Damit kostet Tolisso mehr als Javi Martínez, der bislang teuerste Einkauf der Vereins- und Bundesligageschichte. Der Spanier kam 2012 für 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao. Für wen geben die Bayern so viel Geld aus?

Wer ist Corentin Tolisso?

Tolisso, tätowierte Arme, etwa 1,80 Meter groß, wurde im Umland von Lyon geboren. Die Familie seines Vater stammt aus Togo. Dort versuchte man, ihn für die Nationalmannschaft zu gewinnen, aber Tolisso entschied sich für die Auswahl seines Geburtslands.

Im März dieses Jahres gab er beim Freundschaftsspiel gegen Spanien sein Debüt im französischen Nationaltrikot, weitere Länderspiele kamen bisher nicht dazu. Dafür durchlief er die Jugendnationalmannschaften von der U19 bis zur U21. In Lyon und der französischen Nationalmannschaft trug der Mittelfeldspieler die Rückennummer acht - bei Bayern wird die allerdings schon von Martínez belegt.

Welche Rolle spielte er in Lyon?

Bereits als 13-Jähriger wechselte Tolisso zu Olympique. Sein Debüt in der Ligue 1 gab er am ersten Spieltag der Saison 2013/14, schaffte allerdings noch nicht sofort den Durchbruch. Das änderte sich zu Beginn der darauffolgenden Saison. Verletzungsbedingte Ausfälle von Stammspielern spülten ihn eher glücklich in die Startelf, Tolisso machte seine Sache aber so gut, dass er fortan Stammkraft war. Er absolvierte alle Ligaspiele, spielte nur zweimal nicht über die kompletten 90 Minuten.

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Bayerns Zugang Corentin Tolisso

Ist er die Rekordablösesumme wert?

Die vergangene Spielzeit war bereits seine dritte als Stammspieler. Als Kapitän Maxime Gonalons nach einer roten Karte vier Spiele fehlte, übernahm Tolisso sogar vorübergehend die Kapitänsbinde. Mit Lyon wurde er Tabellenvierter und kam bis ins Halbfinale der Europa League. Wettbewerbsübergreifend kam er auf 47 Einsätze, dabei erzielte er 14 Treffer selbst und bereitete sieben Tore vor.

Was zeichnet ihn aus?

Auffällig ist vor allem die enorme Torgefahr, die Tolisso aus dem zentralen Mittelfeld entwickelt. Kein Spieler auf seiner Position hat in den großen fünf europäischen Ligen in der vergangenen Saison mehr Treffer erzielt als er. Tolisso ist laufstark, passsicher und hat eine gute Spielübersicht. Seine Stärke sind Spielaufbau und -kontrolle, er verteilt die Bälle an die Mitspieler und zieht dann selbst zum Tor.

Er selbst sieht sich allerdings eher im defensiven als im offensiven Mittelfeld, was auch besser zu den Bedürfnissen der Bayern passt. Seine Zweikampfquote ist für das defensive Mittelfeld noch ausbaufähig, aber Tolissos Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. "Er hat Qualitäten, die deutlich über dem Durchschnitt liegen und er wird immer besser", sagte Lyons Trainer Bruno Genesio über ihn.

Warum haben ihn die Bayern verpflichtet?

Nach dem Karriereende von Xabi Alonso gibt es bei den Bayern im Mittelfeld eine Lücke. Hinzu kommt, dass Javi Martínez und Joshua Kimmich wohl für die Abwehr eingeplant werden. Tolisso soll diesen Engpass beheben. Er ist flexibel einsetzbar, seine Stammposition ist zwar das zentrale Mittelfeld, gelegentlich kam er in Lyon aber auch als offensiver Mittelfeldspieler oder Außenverteidiger zum Einsatz. Tolisso ist noch nicht der ausgereifte Star, den sich viele Bayern-Fans wünschen, aber er bringt für sein junges Alter schon enorm viel Erfahrung mit. Insgesamt 116 Mal spielte er in Frankreichs erster Liga, hinzu kommen sechs Einsätze in der Champions League.

War Bayern der einzige Interessent?

Andere Top-Klubs hatten sich auch um ihn bemüht. Laut Kicker-Informationen lag Tolisso ein Angebot vom FC Chelsea vor, auch mit Manchester City wurde er schon in Verbindung gebracht. 2016 wäre er allerdings fast beim SSC Neapel gelandet. Mit den Italienern war er sich schon einig, doch dann kamen ihm vor der Unterschrift Zweifel, die vor allem mit der Stadt zusammenhingen. "Irgendetwas hat in Tolisso Ängste vor der Stadt Neapel hervorgerufen. Hierzulande sieht man die Serie 'Gomorrha', und ich gehe davon aus, dass dies ihn beeinflusst hat", sagte sein Berater Frederic Guerra einem italienischen Radiosender.

Die Serie dreht sich um das organisierte Verbrechen rund um Neapel und wirft kein gutes Licht auf die drittgrößte Stadt Italiens. "Man hat ihn in dem Glauben gelassen, dass das Leben in der Stadt nicht einfach sei, und so hat er seine Meinung geändert", sagte Guerra. Über München gibt es keine Mafiaserien, die Angst und Schrecken verbreiten. Möglicherweise hat das auch Tolisso überzeugt.

ehh

insgesamt 26 Beiträge
genaumeinding 15.06.2017
1. Granaten, wohin das Auge reicht
Das klingt nach Pippi Langstrumpf. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wenn man sich keine Granaten leisten kann, dann definiert man einfach die die man kauft zu Granaten um. Herr Sanchez aus Yportugal war ja [...]
Das klingt nach Pippi Langstrumpf. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wenn man sich keine Granaten leisten kann, dann definiert man einfach die die man kauft zu Granaten um. Herr Sanchez aus Yportugal war ja offensichtlich die Obergranate.
Freifrau von Hase 15.06.2017
2. @1
Ja ja....kauft der BVB Talente, dann heißt es "Dort entsteht etwas Großes". Macht Bayern das auch, dann ist natürlich alles schlecht. Was machen die Herren Mor und Isak eigentlich gerade? Urlaub vom Urlaub auf der [...]
Ja ja....kauft der BVB Talente, dann heißt es "Dort entsteht etwas Großes". Macht Bayern das auch, dann ist natürlich alles schlecht. Was machen die Herren Mor und Isak eigentlich gerade? Urlaub vom Urlaub auf der Bank? Im übrigen würden sich die Bayern einen Alexis Sánchez schon leisten können. Sie müssten nur mal eben ihr gesamtes Gehaltsgefüge sprengen. Der von Ihnen erwähnte Spieler heißt übrigens Sanches.
C-Hochwald 15.06.2017
3. Ein guter Grund mehr,
daß ZDF sich ab 2018 nicht mehr an der CL beteiligt. Diese Summen für Sportentertainment sind Unfug. Wer das sehen will, soll mit Eintrittskarten und Bezahlfernsehen sein Vergnügen selbst finanzieren.
daß ZDF sich ab 2018 nicht mehr an der CL beteiligt. Diese Summen für Sportentertainment sind Unfug. Wer das sehen will, soll mit Eintrittskarten und Bezahlfernsehen sein Vergnügen selbst finanzieren.
Marlo 15.06.2017
4.
Außerhalb von Frankreich kennen ihn nur Insider? Jeder, der sich mit Fußball wirklich auskennt, sollte ihn kennen. Zudem war Lyon dieses Jahr im Halbfinale der Euroleague. Auch wird ihn ganz sicher jeder Fifa Spieler kennen. [...]
Außerhalb von Frankreich kennen ihn nur Insider? Jeder, der sich mit Fußball wirklich auskennt, sollte ihn kennen. Zudem war Lyon dieses Jahr im Halbfinale der Euroleague. Auch wird ihn ganz sicher jeder Fifa Spieler kennen. Einfach mal mehr internationalen Fußball schauen. Es gibt nicht nur Bundesliga.
Dennis111 15.06.2017
5. Bayern
Schon lustig dass die Bayern-Hater bei einem Bayernneuzugang immer das negative herauspicken. Kauf Bayern einen jungen Spieler aus Buli, ist man beleidigt, weil man den armen anderen Vereinen schon die jungen Spieler weggkauft. [...]
Schon lustig dass die Bayern-Hater bei einem Bayernneuzugang immer das negative herauspicken. Kauf Bayern einen jungen Spieler aus Buli, ist man beleidigt, weil man den armen anderen Vereinen schon die jungen Spieler weggkauft. Kauft Bayern einen Stammspieler aus der Buli heißt, man würde die Konkurrenz schwächen. Einige meinen das sogar bei Gnabry/Bremen Kauft Bayern im Ausland heißt es, man spiele ja nur noch mit Ausländern, verliere Identität. Egal ob Jung, Alt, Deutscher, Ausländer, teuer, billig, es ist immer schlecht. Jeder Verein kauft immer die bestmöglichen Spieler und bei jedem Verein gibt es Fehleinkäufe. Kein Verein spielt nur mit Spieler, die 5km ums Stadion geboren wurden.

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