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Sport

Videobeweis beim Confed Cup

"Eine Minute ist schon rasend schnell"

Beim Confed Cup sorgt der Einsatz des Videoschiedsrichters für Diskussionen. Wann darf er eingreifen? Wer hat das letzte Wort? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

AFP

Chiles Arturo Vidal (r.) diskutiert mit Schiedsrichter Damir Skomina

Montag, 19.06.2017   17:00 Uhr

Sportlich mag man vom Confed Cup halten, was man will, dass der Wettbewerb in diesem Jahr aber auf jeden Fall seinen interessanten Momente hat, liegt am Videobeweis.

In Russland wird die neue Technik getestet, in der Bundesliga ist sie ab der kommenden Saison im Einsatz. Die Deutsche Fußball Liga rechnet im Schnitt mit zwei bis drei Situationen, bei denen der Videobeweis zum Einsatz kommen wird - pro Spieltag. Beim Confed Cup ist die Quote derzeit deutlich höher, schon nach drei Partien gibt es reichlich Diskussionsstoff, jeweils ging es um die Frage: Abseits - oder nicht?

Laut Regelbuch der Fifa ist das Einsatzgebiet der Videoschiedsrichter grundsätzlich auf vier Szenarien begrenzt, in denen der Unparteiische um die Unterstützung von drei Experten, die in einem separaten Raum an fünf Monitoren die TV-Bilder sichten, ersuchen kann:

In den Confed-Cup-Partien zwischen Portugal und Mexiko (2:2) sowie Kamerun und Chile (0:2) kam es am Sonntag gleich zu vier Situationen, in denen der Videoschiedsrichter den Spielverlauf maßgeblich beeinflusste. Für den Europameister hatte André Gomes nach 20 Minuten getroffen, die portugiesischen Spieler jubelten, als Schiedsrichter Nestor Pitana signalisierte, dass er die Szene vom Videoassistenten überprüfen lassen möchte. Nach 56 Sekunden Wartezeit stand dann fest: Das Tor gilt nicht, bei der Hereingabe zuvor standen gleich mehrere Portugiesen deutlich im Abseits.

Als Cédric Soares kurz vor Ende zum 2:1 traf, waren die portugiesischen Spieler schon vorsichtiger und warteten die finale Entscheidung ab, um mit ihren Feierlichkeiten zu beginnen. Und das durften sie dann auch, nach Sichtung der Fernsehbilder konnte kein Regelverstoß festgestellt werden. Allerdings dauerte es gut zwei Minuten, bis die Portugiesen Gewissheit hatten.

Finale Entscheidung liegt beim Schiedsrichter auf dem Platz

Zu lang, war der Tenor in den Sozialen Netzwerken. Der ehemalige Bundesligaschiedsrichter Knut Kircher sieht das anders. "Ich finde, eine Minute ist schon rasend schnell", sagte der 48-Jährige dem SPIEGEL. Immerhin müsse dem Videoschiedsrichter eine mögliche Regelwidrigkeit in Realgeschwindigkeit auffallen, dessen technischer Assistent daraufhin "die Kameraeinstellung wählen und vor- und zurückspulen, um die richtige Stelle aus dem richtigen Winkel zu finden. Bei Abseits können dann noch Kalibrierungslinien eingebaut werden." Anschließend nimmt auch noch die Begründung seiner Entscheidung gegenüber dem Schiedsrichter auf dem Feld einige Augenblicke in Anspruch.

Wie auch im Austausch mit seinen Linienrichtern obliegt die finale Entscheidung ausnahmslos dem Unparteiischen auf dem Rasen. Von außen überstimmt werden kann er nicht. Für besonders knifflige Fälle stehe ihm ein Bildschirm am Spielfeldrand bereit, erklärt Kircher, der aber einschränkte: "Erst die Praxis wird uns lehren, wie oft der Monitor zum Einsatz kommt."

Auch in der zweiten Begegnung am Sonntag fiel dem Videoreferee eine Hauptrolle zu. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit steckte Chiles Arturo Vidal auf Eduardo Vargas durch, der im Anschluss Kameruns Keeper überwand. Auch die Chilenen freuten sich zu früh. Die Unparteiischen vor den Bildschirmen wollten gesehen haben, dass der Hoffenheimer Vargas im Moment des Zuspiels Zentimeter im Abseits gestanden hatte. In Szenen, die auch mit technischen Hilfsmitteln nicht zweifelsfrei aufzuklären sind, soll nach Fifa-Vorschriften jedoch eigentlich die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters Bestand haben.

Unmittelbar vor dem Abpfiff hatte Chile dann ein zweites Mal bange Augenblicke zu überstehen. Im Nachschuss erhöhte Vargas auf 2:0, doch ein Linienrichter hatte wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung die Fahne gehoben. Nach Konsultation des Videoschiedsrichters wurde die Entscheidung schließlich zurückgenommen, der Treffer zählte.

Dass das Schiedsrichtergespann auf dem Platz an Autorität einbüßt, wenn es von den Videoreferees korrigiert wird, glaubt Kircher indes nicht: "Der Schiedsrichter wird eher gestärkt, wenn er sagt: Ich lass' es noch einmal durch die Monitore laufen - und danach ist die Entscheidung korrekt."

lst/ehh/fpf

insgesamt 8 Beiträge
jjxx77 19.06.2017
1. Abeitsregel einfach bescheuert!
Selbst ein Videobeweis kann den Unsinn der Abseitsregel nicht entschärfen, daher forder ich: Abseits abschaffen, wenn der Ball die Mittellinie überschritten hat - Weniger spielentscheidende Fehlentscheidungen Selbst im [...]
Selbst ein Videobeweis kann den Unsinn der Abseitsregel nicht entschärfen, daher forder ich: Abseits abschaffen, wenn der Ball die Mittellinie überschritten hat - Weniger spielentscheidende Fehlentscheidungen Selbst im Profifußball mit Top-Schiedsrichtern werden mitunter Meisterschaften durch Fehlpfiffe entschieden, in unteren Ligen ist das noch viel schlimmer, teilweise gibt es dort keine Linienrichter! - Mehr Raum für Kombinationsfußball und mehr Tore Es kann der komplette Raum bis zur Grundlinie zum Kombinieren genutzt werden (und nicht nur der Raum bis zum hintersten Verteidiger) und zu jeder Zeit in alle Richtungen kombiniert werden. Damit wird der Fußball attraktiver, es fallen mehr Tore und Mauerfußball a la Griechenland 2004 wird nicht mehr zum Erfolg führen. - Mut zur Veränderung statt blindem Verharren auf Traditionen Natürlich kann man unsicher werden, wenn eine so alte Regel geändert werden soll. Aber beim Hockey ging die Abschaffung des Abseits viel reibungsloser als vorher gedacht. Gegenargumente, es würde nur noch mit hohen Bällen zu vorne stehenbleibenden Stürmern gespielt werden, halte ich für abwegig. Heutzutage greifen die Mannschaften mit allen 10 Feldspielern an und verteidigen auch mit 10 Feldspielern. Keine Mannschaft kann es sich erlauben, Spieler davon auszunehmen. Warum nicht einfach mal unvoreingenommen ausprobieren?
thrust26 19.06.2017
2. Naja
https://www.11freunde.de/video/fussball-ohne-abseits-das-experiment
https://www.11freunde.de/video/fussball-ohne-abseits-das-experiment
mr-mucki 19.06.2017
3. Probleme bei der FIFA Definition
Zunächst ist festzuhalten, dass alle VB Entscheidungen richtig waren. So weit so gut. Das eine Wartezeit entsteht war auch zu erwarten. Aber die waren Probleme kommen noch, denn die 4 Situationen in denen der Beweis gebraucht [...]
Zunächst ist festzuhalten, dass alle VB Entscheidungen richtig waren. So weit so gut. Das eine Wartezeit entsteht war auch zu erwarten. Aber die waren Probleme kommen noch, denn die 4 Situationen in denen der Beweis gebraucht werden kann, betrachten keine Nicht- Pfiffe des Hauptschiris. Bsp: Foul im Starfraum an einem Stürmer durch einen Verteidiger, der Schiri pfeift nicht. Der VB kommt nicht zum Einsatz, laut FIFA Definition. Oder Tätlichkeit eines Spielers, der Schiri sieht es nicht. Der VB kommt nicht zum Einsatz. Oder Spieler wird angespielt und steht nicht im Abseits. Er wäre frei durch und könnte auf das Tor zu laufen. Linienrichter winkt Abseits, Schiri folgt dem. VB kommt nicht zum Einsatz. Das werden die Aufreger der Zukunft sein. Darum plädiere ich für die Hockey- Lösung. Jeder Trainer darf zweimal pro Partie bei strittigen Situationen den VB fordern, egal in welcher Situation. Das würde es gerechter machen.
ziooyong 19.06.2017
4. Lamentieren
Die deutschen Spieler haben auch den Videobeweis gefordert und haben einsehen müssen, dass der Schiri recht hatte. Vielleicht hört die Dauerlamentiererei auf und auch wird man zugeben müssen, dass nach mehreren Videobeweisen [...]
Die deutschen Spieler haben auch den Videobeweis gefordert und haben einsehen müssen, dass der Schiri recht hatte. Vielleicht hört die Dauerlamentiererei auf und auch wird man zugeben müssen, dass nach mehreren Videobeweisen zugunsten des Schiris, dass die Entscheidungen richtig waren und es sich zweimal überlegt einen Videobeweis zu fordern. Sind Fußballer lernfähig, wir werden es sehen.
lofi 19.06.2017
5.
Bin immer noch kein Freund des VB. Torjubel nach einer Minute, Kalibrierungslinien. Wollen wir das wirklich? Die Videoschiris kommen mir vor wie die Punktrichter beim Boxen. Und fie sehen auch nicht immer das Gleiche
Bin immer noch kein Freund des VB. Torjubel nach einer Minute, Kalibrierungslinien. Wollen wir das wirklich? Die Videoschiris kommen mir vor wie die Punktrichter beim Boxen. Und fie sehen auch nicht immer das Gleiche

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