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Sport

Deutschland gegen Australien

Erst kraftvoll, dann zerfahren

Klar dominiert - und doch nur knapp gewonnen. Joachim Löws B-Elf ist mit einem Erfolg gegen Australien in den Confed Cup gestartet. Alles Wichtige zum Spiel.

DPA

Leon Goretzka erzielt das 3:1

Von
Montag, 19.06.2017   20:24 Uhr

Die Frage des Spiels: "Die Vorfreude ist groß, die Anspannung da, es kribbelt bei allen", redete sich Torwart Bernd Leno den Testlauf für das nächste große Turnier hochprofessionell schön. Wie ernst aber würde der Weltmeister (die Nummer drei der Fifa-Weltrangliste) den Sommerkick gegen den Asienmeister Australien (Position 48) wirklich nehmen? Bundestrainer Joachim Löw hatte seiner B-Elf beim Start in den Confed Cup zumindest ein Hintertürchen offen gelassen. Er erwarte: "Ehrgeiz und eine gewisse Dynamik". Ein gewisse Dynamik - heißer kannst du dein Team nicht machen.

Ergebnis: 3:2 (2:1). Deutschland startet mit einem Sieg in den Confed Cup 2017. Hier geht's zum Spielbericht.

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Deutschland vs. Australien: Leno macht es spannend

Die Startaufstellung: Allmählich kristallisiert sich so etwas wie eine Stamm-Ersatzelf heraus. Sechs Spieler, die bereits beim Testspiel in Dänemark sowie beim Kantersieg gegen San Marino begonnen hatten, starteten auch am frühen Montagabend in Sotschi ( Joshua Kimmich, Jonas Hector, Julian Draxler, Leon Goretzka, Lars Stindl und Sandro Wagner).

Die erste Hälfte: Begann mit reichlich Dynamik der deutschen Mannschaft. Schon in der fünften Minute übersprintete Julian Brandt auf der rechten Seite seinen Gegenspieler, der mitgelaufene Stindl verwandelte zum 1:0. Auch in der Folge lief viel über rechts, Wagner übersprang mit beeindruckender Dynamik einen Abwehrspieler, setzte seinen Kopfball dann aber knapp vorbei (16. Minute). Der starke Brandt (21./27.) und erneut Wagner (23.) verpassten weitere gute Möglichkeiten. Nach einer dynamischen halben Stunde war das 1:0 extrem schmeichelhaft.

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Lars Stindl trifft zum 1:0

Minimale Dynamik: Die erste Spielhälfte zeigte, warum Australien erstmals seit dem Föderationenwechsel wieder eine WM-Endrunde zu verpassen droht. Deutschland war vor einem "physisch starken Gegner" gewarnt worden, die "Socceroos" kamen allerdings nur selten in die Zweikämpfe, ihre Pressingbemühungen verpufften zudem überwiegend. Aus dem Nichts fiel der Ausgleich: Tomas Rogic, der gewöhnlich in der schottischen Liga für Celtic Glasgow stürmt, traf nach einem unfreiwilligen Doppelpass mit Shkodran Mustafi (41.). Die Freude währte aber nur kurz, weil Draxler wenige Sekunden später per Foulelfmeter doch noch den überfälligen zweiten deutschen Treffer erzielte (43.).

Die Atmosphäre: Ist dieses Stadion jetzt halbvoll oder halbleer? 28.000 Zuschauer sollen es angeblich gewesen sein. Trotzdem sah man viele hell- und mittelblaue Sitzschalen im Fisht Olympic Stadium. Eine Vorschau auf die WM? In jedem Fall etwas für romantische Eremiten.

Die zweite Hälfte: Startete ebenfalls mit viel Dynamik - und einem echten spielerischen Highlight: Kimmichs Traumpass brachte Goretzka in perfekte Position, um im sechsten Länderspiel seinen ersten Länderspieltreffer zu markieren (48.). Erst ein Aussetzer von Bernd Leno ("Es kribbelt bei allen") brachte den Gegner wieder heran, Tomi Juric schob einen Abpraller des Leverkusener Keepers ein (57.). Eine neue Dynamik bekam das Spiel aber nicht mehr, die letzte halbe Stunde kam extrem zerfahren daher. Der eingewechselte Timo Werner traf noch den Pfosten (75.), es blieb aber beim 3:2.

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DFB-Elf in der Einzelkritik: Minuspunkte für Leno

Der Videobeweis: Hatte auch im vierten Turnierspiel wieder seinen großen Auftritt. Juric' Treffer könnte ein Handspiel vorausgegangen sein, die Offiziellen schauten sich sämtliche Zeitlupen an, hatten aber nach einer kurzen Unterbrechung (ZDF-Kommentator Béla Réthy: "Wenn das für mehr Gerechtigkeit sorgt - so what?") nichts zu beanstanden. Tendenziell die richtige Entscheidung - und wieder eine, die die unbefriedigende Erkenntnis produzierte, dass der Fußball auch im neuen Zeitalter all seine Graustufen behalten wird.

Erkenntnis des Abends: Bezeichnend war eine Szene in der 29. Minute. Draxler, der am Ende auch zum "Man of the Match" gewählt wurde, ärgerte sich beim Stand von 1:0 maßlos über einen Ball, den er nicht unter Kontrolle gebracht hatte. Kein Zweifel: Die DFB-Elf wollte - und erfüllte zumindest eine Halbzeit lang die hohen Erwartungen des Bundestrainers. Auf der anderen Seite stehen die Nachlässigkeiten in der Chancenverwertung, dazu auch defensive Unkonzentriertheiten, mit denen ein schwacher Gegner unnötig wieder stark gemacht wurde. Zum ersten Mal seit dem Griezmann-Doppelpack im EM-Halbfinale hat Deutschland wieder zwei Gegentore in einem Spiel kassiert. Und nun?

Der Fluch des Confed Cups: Zu gut sollte es am Ende aber vielleicht auch besser gar nicht laufen.

insgesamt 24 Beiträge
herm16 19.06.2017
1. ich könnte
schon wieder brüllen. Da gibt es jetzt einen Videobeweis, lange gefordert, ist auch gut so. Und jetzt, typisch deutsch, wird er in Zweifel gestellt mit Zeitlupe und Analysen
schon wieder brüllen. Da gibt es jetzt einen Videobeweis, lange gefordert, ist auch gut so. Und jetzt, typisch deutsch, wird er in Zweifel gestellt mit Zeitlupe und Analysen
Mister Stone 19.06.2017
2.
Ich habe gesehen, dass Draxler so spielte, als würde er seine ersten Balettschuhe tragen. Das färbt ab. Kaum ein deutscher Spieler außer Goretzka und Kimmich, hat hingehalten, wenn dagegen gehalten wurde. Unser Kapitän: [...]
Ich habe gesehen, dass Draxler so spielte, als würde er seine ersten Balettschuhe tragen. Das färbt ab. Kaum ein deutscher Spieler außer Goretzka und Kimmich, hat hingehalten, wenn dagegen gehalten wurde. Unser Kapitän: Beobachten, Hochspringen, Wegspitzeln, Drehtanzen, Stehen bleiben... B-Note 10:00! Hoffentlich ergibt sich im Team eine Gruppendynamik, die das korrigiert.
Msc 19.06.2017
3.
Was daran liegen könnte, dass man klar sehen konnte, dass der Arm angeschossen und der Schuss abgefälscht worden war. Offenbar entschied sich der Videoschiedsrichter jedoch unerklärlicherweise den dadurch verursachten [...]
Zitat von herm16schon wieder brüllen. Da gibt es jetzt einen Videobeweis, lange gefordert, ist auch gut so. Und jetzt, typisch deutsch, wird er in Zweifel gestellt mit Zeitlupe und Analysen
Was daran liegen könnte, dass man klar sehen konnte, dass der Arm angeschossen und der Schuss abgefälscht worden war. Offenbar entschied sich der Videoschiedsrichter jedoch unerklärlicherweise den dadurch verursachten Abpraller Lenos als neue Situation zu deuten. Was nutzt das beste Fernsehbild, wenn der Videoschiedsrichter die Situation falsch auslegt?
christian.fiedler2601 19.06.2017
4. Bitte nicht mit solchen Torhütern
Klar kannman mal 2 Tore unglücklich bekommen, jedoch die ArtundWeise wie derDeutsch Torwart reagierte war eines Nationaltorwarts unwürdig. DEr gesamte Bewegungsablauf sah etwas amateurhaft aus. ALso der Löw macht ja alles [...]
Klar kannman mal 2 Tore unglücklich bekommen, jedoch die ArtundWeise wie derDeutsch Torwart reagierte war eines Nationaltorwarts unwürdig. DEr gesamte Bewegungsablauf sah etwas amateurhaft aus. ALso der Löw macht ja alles richtig, neue Junge Spieler testen, doch im Tor hat D doch bessere Leute mach Neuer. AUstralien ist und bleibt natürlich eineGurkentruppe im Fissball, das hat wohl jeder gesehen
Nonvaio01 20.06.2017
5. ein guter Kick am spahten nachmittag
das Team hat sehr gut gespielt, als man merkte man muss sich nicht sonderlich anstrengen hat das team auch nicht mehr viel gemacht. Dafuer das das team so zummengewuerfelt ist fand ich das gut. Leno muss sich aber wirklich [...]
das Team hat sehr gut gespielt, als man merkte man muss sich nicht sonderlich anstrengen hat das team auch nicht mehr viel gemacht. Dafuer das das team so zummengewuerfelt ist fand ich das gut. Leno muss sich aber wirklich keine hoffnungen mehr machen, der steht beim naechsten spiel bestimmt nicht mehr im Tor.

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