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Sport

Serien-Europameister DFB

22 Frauen und am Ende gewinnt Deutschland

Sechsmal in Folge waren die deutschen Frauen zuletzt Fußballeuropameister. Reißt jetzt die Serie des DFB-Teams? Auf die "Siegermentalität" sollte man sich jedenfalls nicht verlassen.

Getty Images
Von
Montag, 17.07.2017   15:16 Uhr

Wenn die deutsche Auswahl am Montag gegen Schweden (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) in die Europameisterschaft der Frauen startet, könnte sich der DFB-Fan eigentlich entspannt zurücklehnen. Immerhin hat Deutschland zuletzt sechsmal in Folge den EM-Titel geholt und gilt bei jedem Turnier routinemäßig als Top-Favorit.

Wie ist diese Erfolgsserie zu erklären? Eines der gängigsten Argumente: Die Deutschen sind eine Turniermannschaft™. Sie besitzen die mystische Zutat, nach der Frankreich bereits eine Generation lang sucht: Sie haben die Siegermentalität™. Beim vorigen Mal, als die deutschen Frauen die EM nicht für sich entscheiden konnten, war Bill Clinton gerade ein paar Monate Präsident der Vereinigten Staaten und "What is Love" von Haddaway führte die Charts an.

Die aktuellen Ausfälle von Alexandra Popp, Melanie Leupolz und Simone Laudehr - sind sie unter diesen Vorzeichen mehr als eine Randnotiz?

Willensstärke wird nicht mit der Muttermilch aufgesogen

Ein Blick zurück: 2013, beim bisher letzten EM-Turnier in Schweden war das DFB-Team verunsichert gewesen durch das Viertelfinalaus bei der Heim-WM 2011. Die Möglichkeit des Scheiterns schien auch bei der EM real. Schließlich mussten mit Verena Faißt, Viola Odebrecht, Kim Kulig, Popp, Linda Bresonik und Babett Peter gleich sechs Stammspielerinnen verletzt absagen.

Silvia Neid setzte dann notgedrungen auf junge Talente wie Dzsenifer Marozsán, Leonie Maier oder Melanie Leupolz, die über sich hinauswuchsen, allen Widerständen zum Trotz das Finale erreichten und tatsächlich den Titel gewannen. Warum also sollten diesmal nicht Lina Magull oder Sara Däbritz Aufsehen erregen mit all ihrem Talent und ihrer Finesse?

Ausgeschlossen ist das keineswegs. Doch sollte man nicht verkennen, dass Willensstärke nicht mit der Muttermilch aufgesogen wird und man französische Nervenschwäche ebenso wenig abonnieren kann wie englisches Versagen vom Elfmeterpunkt.

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Fußball-EM der Frauen: Mission Titelverteidigung

Das Team von 2013 hatte nicht gerade brilliert. Gerade mal sechs Tore brachte es im gesamten Turnier zustande. Das große Plus der Deutschen war eine vor Erfahrung und Führungsstärke nur so strotzende Defensive mit Kapitänin Nadine Angerer im Tor sowie Saskia Bartusiak und Annike Krahn in der Innenverteidigung. Gleich zwei Elfmeter parierte Angerer in der regulären Spielzeit des Finals gegen Norwegen, so reichte der Treffer von Anja Mittag zum Titelgewinn.

Und das war nur der offensichtliche Einfluss, den Angerer auf den Turnierverlauf nahm. Eine Anekdote aus der Biografie der ehemaligen Torhüterin spricht Bände. Nach der 1:0-Niederlage gegen Norwegen in der Gruppenphase steckte sie im Mannschaftsbus mit Bartusiak, Krahn und Célia Okoyino da Mbabi (heute Sasic) die Köpfe zusammen. Bundestrainerin Silvia Neid verwies sie mit den Worten "Lass uns bitte mal eben in Ruhe, wir regeln das gerade" auf ihren Platz.

Als Neid die Spielerinnen nach dem Abendessen auf die Zimmer entlassen wollte, schalteten sich Bartusiak und Angerer ein. Sie hatten anderes im Sinn und initiierten eine Teambesprechung, bei der sich nach und nach alle von der Seele redeten, woran es bislang haperte. Der Abend schweißte die Truppe zusammen und löste die Blockaden. Im Gegensatz zu den Motivationsarmbändchen kam der Impuls aus dem Kreis der Mannschaft selbst und war kein Gimmick des Betreuerstabs.

Wie wird Marozsán mit der Kapitänsrolle umgehen?

Für Steffi Jones ist es nun das erste Großturnier als Bundestrainerin, seit sie das mit Olympiagold verzierte Team im vergangenen Jahr von Neid übernahm. Weder Angerer noch deren Kapitänsnachfolgerin Bartusiak sind noch aktiv. Auch Krahn, Sasic, Nadine Keßler und Melanie Behringer haben sich mittlerweile vom Fußball beziehungsweise der Nationalelf verabschiedet. Das Siegergen™ müssen nun andere vererben.

Eine der ersten Amtshandlungen von Jones war es, Marozsán zur Spielführerin zu ernennen. Ein Amt, das die Finaltorschützin von Rio zuvor nicht mal auf Klubebene ausgefüllt hatte. Mit ihrem Wechsel von Frankfurt ins Ausland konnte Marozsán weiter an Reife gewinnen. Mit Olympique Lyon holte sie Meisterschaft, Pokalsieg und die Champions League. Doch eine Frage drängt sich auf: Kann sie auch wachrütteln, wenn es nicht läuft?

Jones hat viel verändert im Vergleich zu ihrer Vorgängerin. Sie führte neue Spielsysteme ein und testete frisches Personal. Nach vorne dürfte Deutschland deutlich mehr Gefahr entfachen als das Team von 2013. Trotz aller Experimentierfreude geht die deutsche Elf mit einer blütenweißen Qualifikationsbilanz von acht Siegen aus acht Spielen, 35 geschossenen Toren und keinem einzigen Gegentreffer ins Turnier. Das könnte sich allerdings noch als Problem erweisen.

Die Innenverteidigung ist dünn besetzt und die EM hält andere Kaliber bereit als die Qualifikation. Ein Gegentor ist schnell kassiert, wie der Lapsus von Keeperin Almuth Schult im jüngsten Test gegen Brasilien vor Augen führte. Spätestens im Viertelfinale darf mit heftigem Gegenwind gerechnet werden. Wird die Nationalelf dagegenhalten? Die EM könnte sich als Feuertaufe erweisen.

insgesamt 15 Beiträge
stoffi 17.07.2017
1. Unsere Mädels
werden das Ding schon wieder schaukeln. Ich freue mich schon auf die Spiele
werden das Ding schon wieder schaukeln. Ich freue mich schon auf die Spiele
ge1234 17.07.2017
2. 22 Frauen...
.... und am Ende gewinnt Deutschland! Mit richtigem Fußball hat das Ganze trotzdem nichts zu tun, medial gepushter Hype hin oder her!
.... und am Ende gewinnt Deutschland! Mit richtigem Fußball hat das Ganze trotzdem nichts zu tun, medial gepushter Hype hin oder her!
stoffi 17.07.2017
3.
So ein Quatsch. Männerfussball ist zwar etwas schneller, aber ansonsten können es die Mädels auch mit den Jungs aufnehmen.
Zitat von ge1234.... und am Ende gewinnt Deutschland! Mit richtigem Fußball hat das Ganze trotzdem nichts zu tun, medial gepushter Hype hin oder her!
So ein Quatsch. Männerfussball ist zwar etwas schneller, aber ansonsten können es die Mädels auch mit den Jungs aufnehmen.
cave68 17.07.2017
4.
etwas schneller? die Unterschiede sind schon enorm und Vergleiche daher unsinnig. Es mit den Männern aufnehmen?..nenene. Ich gönne ja jedem seine Fans und Anhängerschaft aber für mich ist es im Endeffekt auch nur ein [...]
Zitat von stoffiSo ein Quatsch. Männerfussball ist zwar etwas schneller, aber ansonsten können es die Mädels auch mit den Jungs aufnehmen.
etwas schneller? die Unterschiede sind schon enorm und Vergleiche daher unsinnig. Es mit den Männern aufnehmen?..nenene. Ich gönne ja jedem seine Fans und Anhängerschaft aber für mich ist es im Endeffekt auch nur ein Hype....man schaue sich nur mal die Zuschauerzahlen in der Frauen-Bundesliga an....
widower+2 17.07.2017
5. Richtiger Fußball?
Ist dann der 100-Meter-Lauf der Frauen bei den Olympischen Spielen auch gar keine richtige Leichtathletik? Oder Frauentennis gar kein Tennis? Diese Vergleiche tauchen komischerweise nur beim Fußball auf, obwohl das [...]
Zitat von ge1234.... und am Ende gewinnt Deutschland! Mit richtigem Fußball hat das Ganze trotzdem nichts zu tun, medial gepushter Hype hin oder her!
Ist dann der 100-Meter-Lauf der Frauen bei den Olympischen Spielen auch gar keine richtige Leichtathletik? Oder Frauentennis gar kein Tennis? Diese Vergleiche tauchen komischerweise nur beim Fußball auf, obwohl das Leistungsgefälle zwischen Männern und Frauen zwar eklatant, aber auch nicht größer ist als in anderen Sportarten.

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