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Huddersfield Town

Die deutschen Terrier

Kein Premier-League-Team hat mehr deutsche Spieler im Kader als Aufsteiger Huddersfield. Auch an der Seitenlinie steht ein Deutscher, der den Klassenerhalt sichern soll - mit dem geringsten Etat der Liga.

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Spieler von Huddersfield Town

Von Philipp Awounou
Samstag, 12.08.2017   13:12 Uhr

Eine der bekanntesten englischen Fußball-Weisheiten hierzulande stammt von Stürmerlegende Gary Lineker, der einst sagte: "Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang dem Ball hinterher, und am Ende gewinnen immer die Deutschen." In der bevorstehenden Premier-League-Saison dürfte Liga-Neuling Huddersfield Town diese These auf eine harte Probe stellen.

Mit einem deutschen Trainergespann und fünf deutschen Profis im Kader gelang dem Traditionsklub aus Yorkshire in der abgelaufenen Spielzeit sensationell der Aufstieg in die höchste englische Spielklasse. Ausgerechnet in der deutschen Paradedisziplin, dem Elfmeterschießen, setzte sich das Team am Ende einer hochdramatischen Playoff-Partie gegen Reading durch. Der finale Schütze: Christopher Schindler. Natürlich, ein Deutscher.

Mittlerweile, knapp drei Monate später, ist die ganz große Aufstiegseuphorie bereits verflogen. Geblieben sind: ein hochmotiviertes Team mit nunmehr sechs Spielern aus der Bundesrepublik sowie der Vater des Erfolgs, Coach David Wagner. Nicht einmal zwei Jahre benötigte der gebürtige Frankfurter, um aus einem abstiegsgefährdeten Zweitligisten ohne Vision einen ambitionierten Aufstiegsaspiranten mit klarer Identität zu formen und Huddersfield Town nach 45 Jahren Abstinenz zurück in die Erstklassigkeit zu führen.

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Huddersfield Town feiert den Aufstieg in die Premier League.

Viel Zeit zum Feiern blieb Wagner, der getreu den britischen Standards auch die Funktion des Team-Managers bekleidet, nicht. Schließlich galt es, einen erstligatauglichen Kader zusammenzustellen. Hierfür stand dem Erfolgscoach ein Budget von rund 50 Millionen Euro zur Verfügung, den hohen Fernsehgeldern in England sei Dank. Bundesliga-Aufsteiger können von derartigen Summen nur träumen - und auch Wagner selbst musste sich erst an die neuen Dimensionen gewöhnen. "Das ist eine Größenordnung, mit der ich das erste Mal hantiere", sagte er im Interview mit dem "Kicker". "Aber es ist der Markt, in dem du dich bewegen darfst, und dementsprechend versuchst du dich dort mit guten Ideen bestmöglich durchzusetzen."

Wagners teuerste "Ideen" heißen Steve Mounié, Tom Ince und Aaron Mooy, für deren Verpflichtung insgesamt über 30 Millionen Euro fällig wurden. Die drei Top-Transfers eint vor allem eines: Sie besitzen keinerlei Premier-League-Erfahrung, wie auch der Großteil des restlichen Kaders. In Wagners Augen ist das kein Problem: "Ich habe Jungs geholt, die hungrig auf die Premier League sind und keinen Wert auf Erfahrung in dieser Liga gelegt. Sie ist zwar wichtig, wird am Ende aber überbewertet."

Bislang gibt der Erfolg den Verantwortlichen recht. Schon zu Zweitligazeiten rekrutierte Wagner - vor allem aus Deutschland - Spieler, die sowohl in England als auch hierzulande kaum einer auf dem Zettel hatte. Elfmeterheld Schindler (1860 München) und Linksverteidiger Chris Löwe (Kaiserslautern) wechselten aus der zweiten Bundesliga auf die Insel, Publikumsliebling Michael Hefele stieß gar aus Liga 3 (Dynamo Dresden) dazu. Elias Kachunga war in Ingolstadt auf dem Abstellgleis gelandet, ehe er bei Huddersfield mit elf Saisontreffern durchstartete. Und Collin Quaner hatte bei Union Berlin auf der Stelle getreten, bevor er im Januar 2017 nach Huddersfield wechselte und sich dort durchsetzte.

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Premier League: Die deutsche Fraktion bei Huddersfield Town

Es verwundert daher nicht, dass sich Wagner und sein Stab auch vor ihrem Erstliga-Debüt nicht um die bisherige Ligazugehörigkeit ihrer einzelnen Spieler scheren. Die Mannschaft ist der Star in Huddersfield, das war schon beim Aufstieg so. Nun, vor dem Saisonstart gegen Crystal Palace, gilt diese Devise umso mehr. Denn trotz aller Anerkennung, die die Arbeit in Huddersfield verdient, geht der Traditionsklub als klarer Abstiegskandidat in die kommende Spielzeit.

Der Gesamtetat des Teams ist der mit Abstand niedrigste der Liga. Hinsichtlich der individuellen Qualität und der infrastrukturellen Voraussetzungen verfügt Huddersfield bei Weitem nicht über die Möglichkeiten der meisten anderen Teams. Nur eine klare fußballerische Identität und eine entsprechende Philosophie in Verein und Mannschaft könnten diese Defizite aufwiegen.

Diesbezüglich scheint man bei den "Terriers", wie sie auf der Insel genannt werden, auf einem guten Weg. Passend zum Rufnamen des Teams installierte Wagner ein dynamisches, aggressives Spielsystem, das aus einer kompakten Defensive heraus auf schnelles Umschalten nach Ballgewinn setzt. Ein System, das einem Abstiegskandidaten im Duell mit den Topteams der Liga gut zu Gesicht stehen dürfte. Einen ersten Härtetest bestand die Elf schon in der vergangenen Spielzeit, als man Manchester City im FA Cup ein respektables 0:0 abringen konnte. Was geschieht, wenn diese Mechanismen nicht greifen (und der Gegner ernst macht), zeigte jedoch das Wiederholungsspiel: Huddersfield verlor 1:5.

Nicht nur aufgrund dieses Ergebnisses ist anzunehmen, dass den Helden von Huddersfield eine harte Saison bevorsteht. Die Premier League ist die derzeit stärkste Liga der Welt, und sich dort als Underdog zu behaupten schwierig, selbst für "Terriers". Doch wenn es der SV Darmstadt 98 schafft, sich zwei Jahre lang in der Bundesliga zu halten, dann ist für Huddersfield Town auf der Insel Ähnliches möglich.

Und schließlich sind da ja noch die Deutschen. Inklusive Neuzugang Danny Williams, ehemals für Freiburg und Hoffenheim aktiv, beschäftigt Huddersfield nun sechs Spieler aus der Bundesrepublik, mehr als je ein Premier-League-Klub zuvor. Und laut Gary Lineker gewinnen am Ende nun mal die Deutschen.

insgesamt 4 Beiträge
andreasm.bn 12.08.2017
1. dürfte schwer werden,...
ich drücke ihnen trotzdem die Daumen ganz feste, mehr noch als Kloppo!
ich drücke ihnen trotzdem die Daumen ganz feste, mehr noch als Kloppo!
patsche2712 12.08.2017
2. Ich...
...bin mir ziemlich sicher das wir Wagner in absehbarer Zeit auf der Bank eines Bundesligisten sehen werden. Er reiht sich perfekt in die neue Riege junger talentierter deutscher Trainer wie Nagelsmann und Tedesco ein.
...bin mir ziemlich sicher das wir Wagner in absehbarer Zeit auf der Bank eines Bundesligisten sehen werden. Er reiht sich perfekt in die neue Riege junger talentierter deutscher Trainer wie Nagelsmann und Tedesco ein.
andromeda793624 13.08.2017
3.
Was will er denn in der Bundesliga? Er wird in England dann auch interessanter. Es macht für ihn mehr Sinn in England zu größeren Klubs zu wechseln.
Zitat von patsche2712...bin mir ziemlich sicher das wir Wagner in absehbarer Zeit auf der Bank eines Bundesligisten sehen werden. Er reiht sich perfekt in die neue Riege junger talentierter deutscher Trainer wie Nagelsmann und Tedesco ein.
Was will er denn in der Bundesliga? Er wird in England dann auch interessanter. Es macht für ihn mehr Sinn in England zu größeren Klubs zu wechseln.
Marlo 14.08.2017
4. @2
Warum soll er in die Bundesliga? Er kann zb einen Club wie Southampton oder West Ham übernehmen und sich so steigern. Zudem wird er bei einem mittleren PL Club wesentlich mehr verdienen als bei einem Bundesligisten. Der PL [...]
Warum soll er in die Bundesliga? Er kann zb einen Club wie Southampton oder West Ham übernehmen und sich so steigern. Zudem wird er bei einem mittleren PL Club wesentlich mehr verdienen als bei einem Bundesligisten. Der PL gehört die Zukunft. Die besten Trainer werden dort sein bzw. sind es bereits wie Mourinho, Guardiola, Conte, Pochettino, Klopp, Wenger oder Koemann

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