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Ex-Fifa-Präsident

Blatter vermutet Komplott gegen sich

Früher als bisher angenommen hat die Fifa eine Vereinbarung mit einer US-Kanzlei geschlossen. Wie der SPIEGEL berichtet, hatte Ex-Präsident Joseph Blatter davon keine Kenntnis - und wittert nun ein Komplott.

DPA

Joseph Blatter

Von
Freitag, 11.08.2017   18:06 Uhr

Der Fußballweltverband Fifa stand offenbar schon viel früher mit dem Justizministerium der USA in Kontakt als bisher bekannt. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, sei bereits im Januar 2015 eine Vereinbarung zwischen der Fifa und der US-amerikanischen Rechtsanwaltskanzlei Quinn Emanuel geschlossen worden. Die einzige Aufgabe der Juristen laut Vertrag: die Interessen der Fifa gegenüber dem Justizministerium zu verteidigen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Bislang hieß es, die Zusammenarbeit mit Quinn Emanuel sei eine Folge der Festnahmen von Fifa-Funktionären auf Anweisung der US-Behörden und der Durchsuchung der Fifa-Zentrale in Zürich im Mai 2015 gewesen. Erst damals sei bekannt geworden, dass das amerikanische Justizministerium gegen die Fifa vorgehe.

An dieser Darstellung gibt es aufgrund des Vertrags, der dem SPIEGEL vorliegt, nun erhebliche Zweifel. Verfasst hat die Vereinbarung ein Anwalt von Quinn Emanuel, Empfänger war Fifa-Chefjurist Marco Villiger. Unterzeichnet haben der damalige Finanzchef Markus Kattner sowie Generalsekretär Jérôme Valcke. Alle drei Fifa-Funktionäre waren enge Vertraute des damaligen Präsidenten Sepp Blatter.

Blatter vermutet ein Komplott gegen sich. Er erklärte gegenüber dem SPIEGEL, nichts von einer derartigen Kooperation gewusst zu haben. "Ich kann mir nichts Gescheiteres vorstellen, als dass man einen unbequemen Präsidenten loswerden wollte", sagte er. Und weiter: "Ganz sicher hätte ich davon wissen müssen. Man hätte mich informieren müssen." Blatter fügte an, er habe schon immer an ein Komplott geglaubt: "Aber doch nicht intern. Ich glaubte doch an meine Leute." Blatter wurde im Oktober 2015 seines Amtes erhoben, nachdem die Schweizer Bundesanwaltschaft Ermittlungen wegen Untreue gegen ihn aufgenommen hatte. Der 81-Jährige bestreitet alle Vorwürfe.

Video: SPIEGEL-Redakteur Tim Röhn trifft Joseph Blatter in dessen Haus

Foto: SPIEGEL ONLINE

Auf Anfrage des SPIEGEL äußerten sich weder Villiger noch Valcke zu dem Vertrag. Kattner erklärte, er könne sich an den Vertrag nicht erinnern, und kritisierte Villiger: "Ich frage mich, was damals die Motivation war, einen solchen Vertrag abzuschließen."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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