Schrift:
Ansicht Home:
Sport

25 Jahre Premier League

Was England der Bundesliga voraus hat

Sie hat die Entwicklung des Weltfußballs revolutioniert: Vor 25 Jahren wurde die Premier League gegründet. Sie brachte viel Kommerz - und ein funktionierendes Produkt, mit dem die Bundesliga nicht mithalten kann.

AFP

Arsenals Rob Holding (2.v.r.) gegen Chelsea

Von
Samstag, 12.08.2017   22:00 Uhr

Eigentlich wollten fünf große Vereine nur aus der englischen Solidargemeinschaft austeigen, um lukrativere Fernsehverträge abzuschließen. 1992 spalteten sich Manchester United, Liverpool, Arsenal, Tottenham Hotspur und Everton von der 104 Jahre alten Football League ab und gründeten mit gleichgesinnten Klubs die neue Premier League. Diese egoistische Maßnahme sollte den Fußball und die Weise, in der mit ihm Geld verdient wird, für immer verändern.

1991 stand es um den englischen Klubfußball nicht gut. Nach der Tragödie im Brüsseler Heysel-Stadion mit 39 Toten waren die englischen Vereine fünf Jahre lang von der Teilnahme an Europapokalwettbewerben ausgeschlossen gewesen. Zuschauerkatastrophen hatte es in den achtziger Jahren aber auch in England selbst gegeben. Bei einem Tribünenbrand in Bradford starben 1985 56 Zuschauer, in Sheffield 1989 96 Menschen, als die Polizei Fans in schon überfüllte Blöcke des Hillsborough-Stadions ließ.

Die folgenden Reformen legten den Grundstein für die rasante Entwicklung des Fußballs in den neunziger Jahren. Stehplätze wurden abgeschafft, Stadien modernisiert, Eintrittspreise erhöht. Vor allem aber traf die Gründung der Premier League zusammen mit dem Durchbruch des Pay-TV, das der Medienmogul Rupert Murdoch bis dahin vergeblich profitabel machen wollte.

Fotostrecke

Englische Transferrekorde: Höher, schneller, teurer

Murdochs Pay-TV-Sender Sky kaufte die Fernsehrechte an der neuen Liga, die Vereine hatten auf einmal viel mehr Geld, und Murdoch hatte auf einmal viel mehr Abonnenten. Dieses symbiotische Verhältnis sollte zum Muster der Kommerzialisierung des Fußballs auf der ganzen Welt werden.

Heute ist die Premier League die meistgesehene Sportliga des Planeten. Ihr Erfolg ist untrennbar mit dem Fernsehen verknüpft, aber die Stadien sind trotz teils horrender Eintrittspreise ebenfalls gut gefüllt - wenn auch mit einer deutlich wohlhabenderen Klientel als früher.

Ärmere Menschen und Kinder zählen zu den Verlierern der durch die Premier League ausgelösten Entwicklungen. Das gilt auch für viele Klubs, die sich beim Versuch, in die Liga zu gelangen oder dort zu bleiben, finanziell übernommen haben und in die Insolvenz mussten. Die Premier League selbst aber, das lässt sich nicht bestreiten, funktioniert als sportlicher Wettbewerb besser als je zuvor.

Keine Liga ist so umkämpft wie die Premier League

Es gibt heute keine andere Liga in Europa, in der der Meistertitel so umkämpft ist wie in England. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Basis des "Soccer Power Index" zum Beispiel gibt in der Premier League fünf Klubs eine mindestens zehnprozentige Chance auf den Titel. Zum Vergleich: In der Bundesliga haben nur zwei Mannschaften über zwei Prozent Chance (Bayern mit 72 Prozent, Dortmund mit 17 Prozent).

Es gibt Gründe für die große Ausgeglichenheit. Das TV-Geld (2,2 Milliarden Euro pro Jahr) wird zu großen Teilen solidarisch unter den Klubs aufgeteilt. Außerdem sind die Einnahmen im europäischen Vergleich so hoch, dass auch kleinere Premier-League-Teams auf dem Transfermarkt um gute Spieler mitbieten können.

Die Ausgeglichenheit in der Liga hat in den vergangenen zehn Jahren sogar noch zugenommen. Im gleichen Zeitraum aber ist der Erfolg der englischen Teams in der Champions League deutlich hinter dem der spanischen Klubs und des FC Bayern zurückgeblieben. Das liegt daran, dass Madrid, Barcelona und München Kader haben, mit denen sie sich vor keinem Premier-League-Team verstecken müssten.

Die Stars im März oder April schonen? Keine Chance!

Es ist aber auch damit zu erklären, dass die starke Belastung der englischen Klubs in vier Wettbewerben in der Rückrunde stets ihren Tribut fordert. Kein Premier-League-Vertreter kann es sich leisten, seine Stars im März oder April für den Europapokal zu schonen - und warum sollte er auch? Die nationale Liga ist in Relation zur Champions League sportlich und finanziell nirgendwo so wichtig wie in England.

Hat also die Premier League ihre Mitglieder zu den besten Klubs der Welt gemacht? Nein, auch wenn es so aussah, als zwischen 2005 und 2012 acht Premier-League-Vertreter ein Champions-League-Endspiel erreichten. Die Liga ist aber ein nationaler Wettbewerb mit hoher Leistungsdichte und vielen Fans auf der ganzen Welt.

Genau so sähe sich auch die Bundesliga gerne, die allerdings durch die erdrückende Bayern-Dominanz die einseitigste unter Europas großen Ligen ist. Das macht es einfach, Bayern München weltweit zu vermarkten - aber sehr schwer, die Bundesliga in Gänze als aufregendes Produkt zu bewerben.

In dieser Hinsicht ist die Geschichte der Premier League eine Erfolgsgeschichte, deren Ende bisher nicht abzusehen ist.

insgesamt 82 Beiträge
Wolfgang Porcher 12.08.2017
1. Erfolg?
der Hauptunterschied ist in England sind die Besitzer der Vereine russische Milliardäre und Oelscheichs. was soll das in sportlicher Betrachtung positiv sein? Verträge haben dort wie hier keinen Wert, das sollte mal besser [...]
der Hauptunterschied ist in England sind die Besitzer der Vereine russische Milliardäre und Oelscheichs. was soll das in sportlicher Betrachtung positiv sein? Verträge haben dort wie hier keinen Wert, das sollte mal besser auf den Tisch kommen und zwar europaweit. Wer einen Vertrag hat, der hat ihn auch zu erfüllen, dann hört das hirnlose und geschmacklose Transfer geschmiert endlich auf. Und nicht mehr als 3 Ausländer je Spiel im Einsatz, damit das Nationale nicht ganz verendet.
monosyllabic 12.08.2017
2. Nationalmannschaft
Wenn man die Nationalmannschaft als Gradmesser des Erfolgs miteinbezieht erscheint die Sache in einem anderen Licht.
Wenn man die Nationalmannschaft als Gradmesser des Erfolgs miteinbezieht erscheint die Sache in einem anderen Licht.
vollzeitpoltiker 12.08.2017
3. Einseitigste unter Europas großen Ligen ?*
Natürlich ist es mit Bayern sehr einseitig in Deutschland, aber zu behaupten es wäre einseitiger als in anderen Ländern finde ich schon übertrieben Denn hinter Bayern und Dortmund ist das Niveau doch sehr hoch und [...]
Natürlich ist es mit Bayern sehr einseitig in Deutschland, aber zu behaupten es wäre einseitiger als in anderen Ländern finde ich schon übertrieben Denn hinter Bayern und Dortmund ist das Niveau doch sehr hoch und ausgeglichen im Vergleich zu anderen Ländern Ein FC Barcelona gewinnt ein Liga Spiel auch mit seiner zweiten Mannschaft locker
Bueckstueck 12.08.2017
4.
Das ist Quatsch. Wie würde es dir gefallen, wenn du als Angestellter wie ein Sklave eine festgeschriebene Zeit abarbeiten müsstest? Es gilt auch im Fussball die Freiheit der Arbeitsplatzwahl. Die Laufzeiten gibt es letztlich [...]
Zitat von Wolfgang Porcherder Hauptunterschied ist in England sind die Besitzer der Vereine russische Milliardäre und Oelscheichs. was soll das in sportlicher Betrachtung positiv sein? Verträge haben dort wie hier keinen Wert, das sollte mal besser auf den Tisch kommen und zwar europaweit. Wer einen Vertrag hat, der hat ihn auch zu erfüllen, dann hört das hirnlose und geschmacklose Transfer geschmiert endlich auf. Und nicht mehr als 3 Ausländer je Spiel im Einsatz, damit das Nationale nicht ganz verendet.
Das ist Quatsch. Wie würde es dir gefallen, wenn du als Angestellter wie ein Sklave eine festgeschriebene Zeit abarbeiten müsstest? Es gilt auch im Fussball die Freiheit der Arbeitsplatzwahl. Die Laufzeiten gibt es letztlich nur um Ablösesummen zu kassieren. Du kannst allenfalls fordern, dass auch für Fussballer uneingeschränkt die dreimonatige Kündigungsfrist beider Seiten gilt. Dann gibt es kaum Ablösespielchen mehr...
Bueckstueck 12.08.2017
5.
Es geht aber nicht um Nationalmannschaften. Wieso nicht der legitime Hinweis auf den mangelhaften Erfolg im internationalen Clubfussball? Das wurde ja im Artikel angesprochen und begründet - man kann eben nicht national die [...]
Zitat von monosyllabicWenn man die Nationalmannschaft als Gradmesser des Erfolgs miteinbezieht erscheint die Sache in einem anderen Licht.
Es geht aber nicht um Nationalmannschaften. Wieso nicht der legitime Hinweis auf den mangelhaften Erfolg im internationalen Clubfussball? Das wurde ja im Artikel angesprochen und begründet - man kann eben nicht national die Frucht bis auf den letzten Tropfen ausquetschen und international noch dick im Geschäft dabei sein...

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Die englischen Meister seit 2000

Jahr Verein
2017 FC Chelsea
2016 Leicester City
2015 FC Chelsea
2014 Manchester City
2013 Manchester United
2012 Manchester City
2011 Manchester United
2010 FC Chelsea
2009 Manchester United
2008 Manchester United
2007 Manchester United
2006 FC Chelsea
2005 FC Chelsea
2004 FC Arsenal
2003 Manchester United
2002 FC Arsenal
2001 Manchester United
2000 Manchester United

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP