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Dortmunds Sieg in Wolfsburg

Tabellenführer. Ohne Dembélé

Wolfsburg deutlich besiegt, der neue Trainer hat einen gelungenen Einstand gefeiert, Tabellenführer: Borussia Dortmund hat nach dem ersten Spieltag viel Grund zur Freude. Doch das Hauptthema bleibt Ousmane Dembélé.

Getty Images

Dortmund feiert den Sieg in Wolfsburg

Aus Wolfsburg berichtet
Samstag, 19.08.2017   20:53 Uhr

Der Mann des Tages war kein Sieger, kein Torschütze, kein Anwesender. Nach dem souveränen 3:0 (2:0)-Erfolg von Borussia Dortmund beim VfL Wolfsburg wussten alle Hauptdarsteller des BVB, worum es im Nachgang gehen sollte.

Der Klub ist zum Start der Bundesligasaison zwar an die Spitze der Tabelle gestürmt. Aber für mehr Diskussionsstoff sorgt mit Ousmane Dembélé ein Profi, der derzeit nicht für Dortmund auf dem Platz sein will beziehungsweise darf. "Ich kann ihn verstehen. Aber was er macht, ist nicht richtig", sagte Dortmunds Mittelfeldspieler Nuri Sahin über seinen suspendierten Teamkollegen. Dembélé will zum FC Barcelona wechseln. Er muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass Dortmund ohne ihn zumindest gegen schnöde Gegner gut zurechtkommt.

Die Stimmung im Lager des Siegers war gelöst. Den Gastgeber hatten sie vorgeführt, das Spiel dominiert: Wer wollte nach diesem Auswärtssieg noch behaupten, dass der drohende Wechsel von Dembélé für sportliche Probleme sorgen wird? Spieler und Entscheider des Vereins präsentierten sich in Wolfsburg sehr entspannt.

Bongarts/Getty Images

Dembélé (Archivfoto)

Selbst BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke war nicht anzumerken, dass ihn die vielen Debatten um einen wechselwilligen Spieler nerven. "Unsere Freunde in Katalonien", nannte er die Gegenseite vom FC Barcelona: "Entweder sie wollen ihn oder sie sollen es lassen", sagte Watzke. Bei ihm klang auch ein wenig Genugtuung darüber durch, dass Dortmund in Wolfsburg leichtes Spiel hatte. Ob daraus zu schließen ist, dass man auf Dembélé verzichten kann oder dass der VfL für einen Gratmesser zu schwach agiert, darüber lässt sich streiten.

Der Unterschied zwischen Dortmund und Wolfsburg war vor 30.000 Zuschauern enorm. Christian Pulisic (22. Minute), Marc Bartra (27.) und Pierre-Emerick Aubameyang (60.) schossen die Borussia zum Sieg und wurden auf dem Weg zu ihren Treffern kaum gestört. Vor allem Bartra dürfte sich in der Anbahnung des Tores des Tages gewundert haben, warum ihn die Wolfsburger Paul Verhaegh und Jakub Blaszczykowski einfach so gewähren ließen. "Wir hatten nichts entgegenzusetzen und keine Chance", sagte VfL-Profi Daniel Didavi, der so gut wie gar nicht in Erscheinung getreten war. Auf der Gegenseite gab Mario Götze nach seiner langen Spielpause ein Comeback, das aufhorchen ließ. "Ich bin noch nicht bei 100 Prozent", sagte Götze. Er klang mit sich und seiner Leistung aber recht zufrieden.

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Bundesliga-Auftakt: Erfolgreiche Götze-Rückkehr

Das Sehenswerte auf dem Platz und das Diskutable um Dembélé bekamen während der Begegnung eine kuriose Konkurrenz. Der harte Kern der Fans hatte sich vorgenommen, deftigen Protest anzumelden und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) anzufeinden. "Scheiß DFB" sang ein lautstarker Teil der Wolfsburger und Dortmunder Fans im Wechsel. Während der zweiten Hälfte verschwanden zwar Transparente mit der Aufschrift "Fick Dich DFB!" von den Tribünen. Aber die Stimmung gegenüber dem Organisator des deutschen Fußballs blieb feindselig. Spieler und Offizielle hielten sich dazu erwartungsgemäß bedeckt. Wolfsburgs Sportdirektor Olaf Rebbe wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Auch VfL-Stürmer Mario Gomez, in der Regel sehr meinungsfreudig und klar in seinen Worten, mochte die Anfeindungen gegenüber dem DFB nicht kommentieren. "Das geht uns Spieler nichts an", sagte der Nationalstürmer.

Wie viel Kommerzialisierung kann der deutsche Profifußball vertragen? Und wie sollte der BVB mit Dembélé umgehen, dessen Abgang wohl weit über 100 Millionen Euro Ablöse einbringen würde? Beide Fragestellungen überlagerten im Stadion eine nahezu tadellose Vorstellung des Siegers. BVB-Boss Watzke wiederholte in ruhigem Tonfall, dass er gewillt sei, einem Wechsel von Dembélé eine Absage zu erteilen. Er spricht von einem "dicken, fetten Stoppschild", das Borussia Dortmund seinem derzeit suspendierten Spieler entgegenstellen wolle. Den drohenden Wechsel nach Barcelona zu untersagen, wäre aus Sicht des Vereins ein Zeichen von Stärke.

Der souveräne Sieg unter dem neuen BVB-Trainer Peter Bosz war ein dezenter Hinweis darauf, dass es in dieser Saison auch ohne Dembélé gehen könnte.

VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund 0:3 (0:2)

Tore: 0:1 Pulisic (22.), 0:2 Bartra (27.), 0:3 Aubameyang (60.)
Wolfsburg: Casteels - Verhaegh, Knoche, Uduokhai, Gerhardt - Bazoer (59. Guilavogui), Camacho - Blaszczykowski (43. Dimata), Didavi (69. Arnold), Hinds - Gomez.
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Bartra, Zagadou (78. Passlack) - Sahin - Castro, Götze (61. Dahoud) - Pulisic (86. Kagawa), Aubameyang, Philipp.
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen)
Gelbe Karten: -

insgesamt 32 Beiträge
ge1234 19.08.2017
1. Nun ja...
Zitat: "Er [Dembélé] muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass Dortmund ohne ihn zumindest gegen schnöde Gegner gut zurechtkommt". Ich vermute mal. dass ihm das ziemlich am A.... vorbeigeht. Ansonsten läßt sich über [...]
Zitat: "Er [Dembélé] muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass Dortmund ohne ihn zumindest gegen schnöde Gegner gut zurechtkommt". Ich vermute mal. dass ihm das ziemlich am A.... vorbeigeht. Ansonsten läßt sich über die Leistung des BVB wenig sagen, dafür waren die Wolfsburger dann doch zu schlecht. Einzig Bartras Treffer war tatsächlich sehenswert!
gibmichdiekirsche 19.08.2017
2.
Och, der Treffer von Pulisic aus dem Fußgelenk war auch ganz nett anzusehen. Und die Kombination vor dem 3:0 ebenfalls. Sicher waren die Wölfe schlecht, aber das liegt gelegentlich auch am Gegner, der halt nix Besseres [...]
Zitat von ge1234Zitat: "Er [Dembélé] muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass Dortmund ohne ihn zumindest gegen schnöde Gegner gut zurechtkommt". Ich vermute mal. dass ihm das ziemlich am A.... vorbeigeht. Ansonsten läßt sich über die Leistung des BVB wenig sagen, dafür waren die Wolfsburger dann doch zu schlecht. Einzig Bartras Treffer war tatsächlich sehenswert!
Och, der Treffer von Pulisic aus dem Fußgelenk war auch ganz nett anzusehen. Und die Kombination vor dem 3:0 ebenfalls. Sicher waren die Wölfe schlecht, aber das liegt gelegentlich auch am Gegner, der halt nix Besseres zulässt. Gemessen daran war die Leistung Bayer 04 gestern wirklich stärker und sehenswerter...
experte1305 19.08.2017
3. Das Spiel gegen Wolfsburg,
einen klaren Abstiegskandidaten, kann ja wirklich kein Maßstab sein!
einen klaren Abstiegskandidaten, kann ja wirklich kein Maßstab sein!
hausfeen 19.08.2017
4. Der Begriff "Tabellenführer" sollte am ersten Spieltag ...
... nur eingeschränkt verwendet werden.
... nur eingeschränkt verwendet werden.
briancornway 20.08.2017
5. Es geht auch ohne
Wenn ich mich nicht irre, hat auch Liverpool ohne Coutinho gewonnen. Gut für den BVB, dass Pulisic sich gerade klar bekannt hat. Wie wäre es, wenn Dortmund, Liverpool und Monaco sich einfach dem Momentum verweigerten und [...]
Zitat von gibmichdiekirscheOch, der Treffer von Pulisic aus dem Fußgelenk war auch ganz nett anzusehen. Und die Kombination vor dem 3:0 ebenfalls. Sicher waren die Wölfe schlecht, aber das liegt gelegentlich auch am Gegner, der halt nix Besseres zulässt. Gemessen daran war die Leistung Bayer 04 gestern wirklich stärker und sehenswerter...
Wenn ich mich nicht irre, hat auch Liverpool ohne Coutinho gewonnen. Gut für den BVB, dass Pulisic sich gerade klar bekannt hat. Wie wäre es, wenn Dortmund, Liverpool und Monaco sich einfach dem Momentum verweigerten und ihre Spieler nächstes Jahr für höchstens die Hälfte der aktuell kolportierten Beträge gehen liessen ? Könnte irgendein Management es sich erlauben, nicht nach diesem Geldregen zu greifen ? Bei Symbolfiguren vielleicht, aber kaum bei Talenten, die auch für solche Gelegenheiten geholt wurden. Ich hoffe sehr, dass in dieser Dreiecks-Dramödie alle das bekommen, was sie wollen.

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