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Sport

Dembélé-Nachfolger

So gut passt Yarmolenko zum BVB

Er ist erfahren, torgefährlich und soll eines der größten Talente im Weltfußball ersetzen: Andriy Yarmolenko ist Dortmunds Dembélé-Nachfolger. Kann er den Franzosen vergessen machen?

AFP
Von
Dienstag, 29.08.2017   17:32 Uhr

Um 14.44 Uhr am Montag verkündete Borussia Dortmund bei Twitter offiziell den Abgang von Ousmane Dembélé zum FC Barcelona. Dembélés Nachfolger war zu diesem Zeitpunkt schon verpflichtet worden. Neun Minuten vorher, um 14.35 Uhr, hatte der BVB die Verpflichtung von Andriy Yarmolenko bekannt gemacht.

Yarmolenko, 27, kam für angeblich 30 Millionen Euro von Dynamo Kiew, nie spielte der Ukrainer für eine andere Profimannschaft. Wie Dembélé wird er zumeist auf der rechten Außenbahn eingesetzt. Dennoch sollte man einen Fehler nicht begehen: In Yarmolenko einen direkten Dembélé-Ersatz sehen.

Auf dem Rasen bewegt sich Yarmolenko anders als sein Vorgänger: tororientierter und ein bisschen schwerfälliger. Anders als Dembélé, der sich oft im Mittelfeldzentrum Bälle abholte, sich in Richtung Tor drehte und losdribbelte, also Angriffe der Borussia in Richtung Strafraum trug, fühlt sich Yarmolenko weniger verantwortlich für die Entfaltung eines Spielzugs.

Absetzen, Abschluss, Tor

Wo Dembélé über das Spielfeld tänzelte, ein Haken nach rechts, einer nach links, und an Bundesligaprofis vorüberzog als seien sie Schulkinder auf dem Pausenhof, wartet Yarmolenko meist darauf, dass ihm der Ball serviert wird. Er treibt sich meist im Angriffsdrittel herum, nahe der Abwehrlinie des Gegners, um dort Flanken in den Strafraum zu schlagen, Steilpässe zu spielen oder selbst abzuschließen.

Yarmolenko fehlt die grazile Eleganz, die Dembélé auszeichnet. Er misst elf Zentimeter mehr als der Franzose, bringt dazu einiges mehr auf die Waage. Dennoch ist Yarmolenko weder ein Brecher noch langsam. Er fühlt sich wohl mit dem Ball am Fuß, liebt Übersteiger, um dann aus dem Stand an seinem Gegenspieler vorbeizusprinten. Im Vergleich mit Dembélé setzt er zudem öfter auch ohne Ball zu Läufen in den Rücken der Abwehr an, um so Räume für Mitspieler zu öffnen oder zum Abschluss zu kommen. Diese Laufwege zeichnen Yarmolenko aus: vom Verteidiger absetzen, Abschluss, Tor.

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BVB-Zugang Andriy Yarmolenko: Bye, Bye Kiew

Zum BVB unter Neu-Coach Peter Bosz passt das ausgezeichnet. Unter dem Niederländer spielen die Dortmunder in einer 4-3-3-Formation, in der den Außenstürmern gemeinsam mit den beiden Achtern im Mittelfeld eine Schlüsselrolle im eigenen Ballbesitz zukommt.

Beim 2:0 gegen Hertha BSC war zu beobachten, wie etwa Linksaußen Maximilian Philipp und der linke Achter Mario Götze immer wieder bewusst die Wege kreuzten: Philipp zog von außen in Richtung Zentrum, Götze diagonal in Richtung Außenposition, beides geschah meist synchron. So wurde den Berliner Verteidigern die Zuordnung erschwert, und dem Angriffsspiel des BVB Dynamik verliehen. Auf dem rechten Flügel waren die Mechanismen ähnlich.

Auf beiden Flügeln wäre eine Rolle für Yarmolenko denkbar. Links, wo bislang, solange Marco Reus verletzt fehlt, Zugang Philipp gesetzt ist, hätte er mit Götze einen hervorragenden Partner für Kombinationen, mit seinem starken linken Fuß könnte er dann Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang bedienen oder auf nachrückende Mittelfeldspieler ablegen. Rechtsaußen dürfte Juwel Christian Pulisic seinen Stammplatz sicher haben. Zugleich wollen die BVB-Verantwortlichen den 18-Jährigen nicht verheizen, Yarmolenko könnte also auch hier auf Spielzeit kommen.

In Kiew sah man ihn nach Ballverlusten stehen bleiben

Klar ist, dass Yarmolenko nicht für die Bank geholt wurde. Dortmund habe den Spieler "schon seit langer Zeit verfolgt", so Sportdirektor Michael Zorc, erst mit den Dembélé-Millionen war der Transfer zu finanzieren. Im Offensivbereich zählt Yarmolenko mit seinen 339 Pflichtspielen direkt zu den erfahrensten Profis beim BVB. Anders als Pulisic, Philipp oder Alexander Isak dürfte sein Marktwert nicht mehr steigen. Yarmolenko kommt als Soforthilfe. Das Zeug dafür hat er.

Trotzdem könnte es Anpassungsschwierigkeiten geben. In Kiew sah man Yarmolenko nach Ballverlusten schon mal stehen bleiben, die Hände in die Hüften gestemmt. Das machte in den seltensten Fällen etwas aus, zu überlegen war Dynamo üblicherweise seinen Gegnern. Beim BVB ist das Abschalten nach Ballverlust allerdings verpönt. Unter Trainer Bosz ist das reflexhafte Druckausüben ebenso elementar wie zuvor bei dessen Vorgängern Thomas Tuchel und Jürgen Klopp.

Und dann ist da noch die Frage, wie leicht Yarmolenko der Übergang in die Bundesliga fallen wird, in der das Tempo deutlich höher ist, die Gangart härter als in der ukrainischen Premier Liga. "Sowohl auf Vereinsebene als auch in Diensten der ukrainischen Nationalmannschaft" stehe Yarmolenko für "Fußball auf Top-Niveau", wird Sportdirektor Zorc in der Mitteilung des BVB zitiert. Auftritte Yarmolenkos auf den ganz großen Bühnen, bei WM- und EM-Endrunden und der Champions League, die in Erinnerung geblieben sind, gibt es allerdings nur wenige.

insgesamt 16 Beiträge
philemajo 29.08.2017
1. Kein Vergleich!
Der Autor versucht sich an einem Vergleich, der aber auch nicht ganz fair ist. Yarmolenko ist eben auch bei weitem nicht die Preisklasse eines Dembelé. Für das Geld gibt es eher einen Arnautowitsch oder Wimmer. Würde mich für [...]
Der Autor versucht sich an einem Vergleich, der aber auch nicht ganz fair ist. Yarmolenko ist eben auch bei weitem nicht die Preisklasse eines Dembelé. Für das Geld gibt es eher einen Arnautowitsch oder Wimmer. Würde mich für den BVB freuen, wenn er direkt voll einschlagen würde. Dass aber in Zeiten, in denen für jeden schon zweistellige Millionensummen geboten werden, der sich allein die Schuhe zubinden kann, bisher ein Yarmolenko in den anderen europäischen Ligen nicht mal andiskutiert wurde, lässt ein paar Fragezeichen bestehen ...
Skakesbier 29.08.2017
2. Viel zu viel
Geld für einen Spieler, der in einer miserablen Liga ein Einäugiger unter Blinden ist. Schön, daß der BvB 0:12 sein Geld sooo sinnlos verplempert!
Geld für einen Spieler, der in einer miserablen Liga ein Einäugiger unter Blinden ist. Schön, daß der BvB 0:12 sein Geld sooo sinnlos verplempert!
Markus Frei 29.08.2017
3. Gute Wahl
Man könnte meinen das Dembele den BVB über Jahre geprägt hat und für das Spiel des BVB unverzichtbar war, zumindest wenn man das hier liest. Ja, Dembele ist ein Ausnahmetalent aber sicher kein Superstar und für das Spiel des [...]
Man könnte meinen das Dembele den BVB über Jahre geprägt hat und für das Spiel des BVB unverzichtbar war, zumindest wenn man das hier liest. Ja, Dembele ist ein Ausnahmetalent aber sicher kein Superstar und für das Spiel des BVB nicht entscheidend, das zeigen auch die Spiele ohne Ihn. Ich denke sogar das Dembele ein ganz großes Problem im Charakterbereich hat, man wird sehen wie das in Barcelona weitergeht. Die Verpflichtung von Yarmolenko ist Clever, der kann verschiedene Positionen spielen, haut auch mal dazwischen, enorm viel Erfahrung für das Alter und mit 30 Mio für heutige Verhältnisse ein Schnäppchen. Aber eins ist auch klar, ein Ersatz für Dembele ist er sicher nicht, das ist ein völlig anderer Spielertyp. Aber etwas mehr Kontinuität kann der BVB sehr gut gebrauchen.
thegambler 29.08.2017
4.
Die vorherigen Kommentare sind schon drollig. Der BVB hat die letzten Jahre immer ein gutes Näßchen gehabt, was neue Spieler angeht und dass sich niemand für Yarolenko interessiert hat stimmt auch nicht. Es hat sich u.a. auch [...]
Die vorherigen Kommentare sind schon drollig. Der BVB hat die letzten Jahre immer ein gutes Näßchen gehabt, was neue Spieler angeht und dass sich niemand für Yarolenko interessiert hat stimmt auch nicht. Es hat sich u.a. auch Barca über ihn schlau gemacht, ihn dann aber nicht geholt. Vielleicht haben sie ihn als zu schwach befunden, vielleicht gab es aber auch keine Freigabe von Dynamo, das weiß ich nicht. Aber Fakt ist ganz so schlecht scheint er nicht zu sein, wahrscheinlich zu schlecht für einen ganz großen Verein, aber bis der BVB da ist wird auch noch ne Menge Zeit vergehen. Aber meckern und schlecht reden ist sicher immer einfacher.
sa7ra9 29.08.2017
5.
Ach hätten Watzke und Co. doch nur Ihre Telefonnummer gehabt Herr Kommentator .
Ach hätten Watzke und Co. doch nur Ihre Telefonnummer gehabt Herr Kommentator .

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