Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Freiburgs Remis gegen Dortmund

Sechs Jahre, 13 Spiele, ein Punkt

Zwölf Bundesligaspiele hatte Borussia Dortmund gegen Freiburg zuletzt gewonnen. Nun aber reichte es für den BVB in Überzahl nur zu einem 0:0. Im Mittelpunkt standen der Videobeweis und Sorgen um Marcel Schmelzer.

AFP
Aus Freiburg berichtet Philipp Winterhalter
Samstag, 09.09.2017   22:06 Uhr

Es war nur ein Punkt, aber die Freiburger Fans feierten ihn ausgelassen. Schließlich hatten sie sechs Spielzeiten lang darauf gewartet. Die vergangenen zwölf Duelle gegen Borussia Dortmund hatte der SC allesamt verloren. In all den Jahren hatte Freiburg versucht, etwas gegen einen BVB zu reißen, der einfach zu gut war. Zu gut jedenfalls für einen Klub wie den SC Freiburg, der sich selbst mal als Mittelfeld-Truppe, mal als geborenen Abstiegskandidaten einstuft.

Nun, am Samstag, blieb es durch das torlose Unentschieden bei der nicht eben glanzvollen Gesamtbilanz von 5:38 Toren aus Sicht der Freiburger - in nun 13 Spielen. Im Dortmunder Lager herrschte großer Ärger. Eine individuell exzellent besetzte Mannschaft des BVB war eine geschlagene Stunde lang zu elft gewesen und hatte es trotzdem nicht geschafft, eine Mannschaft zu knacken, die sich in einer Art Handballtaktik zu zehnt um den eigenen Strafraum geschart hatte. Und so war die Punkteteilung zwischen spielbestimmenden Dortmundern und kämpferischen Freiburgern letztlich keine schreiende Ungerechtigkeit.

"Wenn man eine Stunde lang ein Mann mehr ist, dann muss man gewinnen", sagte Peter Bosz. Der BVB-Coach wirkte überhaupt ein wenig ratlos. Denn das gleiche Team, das seine Fans bisher in drei Pflichtspielen ohne Gegentor in Verzückung versetzt hatte, präsentierte sich in Freiburg als träger, uninspirierter Haufen, dem es nicht gelang, genug Tempo aufzubauen, um den Abwehrpanzer dann vielleicht doch zu knacken.

Schmelzer droht länger auszufallen

"Wir haben heute außerordentlich gut verteidigt", sagte SC-Verteidiger Christian Günter, der sich im Übrigen über Sinn und Unsinn des Videobeweises nicht in epischer Breite auslassen wollte. Dabei war dieser am Samstag eines der Hauptgesprächsthemen.

Denn Schiedsrichter Benjamin Cortus hatte nach einem rüden Foul von Freiburgs Yoric Ravet an BVB-Kapitän Marcel Schmelzer Gelb gezeigt, um sich drei Minuten später auf Initiative des Video-Schiedsrichters korrigieren zu müssen und einen Platzverweis auszusprechen. Berechtigterweise, zumal sich Schmelzer allem Anschein nach eine schwere Sprunggelenksverletzung bei dem Foul zugezogen hat. "Das sieht nicht gut aus", sagte Bosz, und sein Kollege Christian Streich sprach Genesungswünsche aus: "Das tut uns sehr leid."

Dass es so lange dauerte, bis der Sünder nach einer Entscheidung via TV-Bildern vom Platz musste, erzürnte die Freiburger Fans möglicherweise weniger als die falsche Annahme, es sei gar kein so schlimmes Foul gewesen. So oder so: Im zweiten Durchgang formten viele Besucher auf der Haupttribüne nach jeder strittigen Szene voller Sarkasmus ein Rechteck, um so den erneuten Fernsehbeweis zu fordern.

Glück für Freiburg: Aubameyangs Treffer zählt nicht

Streich, dessen Team am ersten Spieltag gegen Frankfurt ein Tor infolge einer Entscheidung des Videoassistenten aberkannt worden war, wollte jedoch nicht gegen die Regelneuerung argumentieren. "Das muss sich noch einspielen, es gibt gute Gründe dafür, aber auch dagegen." Grundsätzlich sei aber "alles, was mehr Gerechtigkeit bringen soll, erst mal zu begrüßen".

Streich konnte sich den Großmut leisten, denn der unsichere Referee traf letztlich auch noch eine Entscheidung zugunsten des SC, den er vorher in vielen kleinen strittigen Szenen nicht unbedingt übervorteilt hatte. Und diese Szene war folgenschwerer als der Kleinkram zuvor: Denn in der 80. Minute wurde einem Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang die Anerkennung versagt. Nach einem Duell zwischen Freiburgs Florian Niederlechner und Sokratis blieb der Grieche liegen. Der Referee pfiff - Sekunden später traf der Dortmunder Stürmer.

Das Tor galt natürlich nicht, diese Tatsachenentscheidung des Referees war unumkehrbar. Und so konnte Streich nach dem Spiel zufrieden zurückblicken: Wenn man 60 Minuten "gegen so ein Top-Team" in Unterzahl spiele und nicht verliere, dann sei "der Punkt auch verdient". Kollege Bosz war zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg zum Flughafen. Und nicht nur wegen des Ergebnisses schlechter gelaunt als Streich. Zwar konnte Schmelzer zusammen mit der Mannschaft zurück nach Dortmund reisen - dennoch dürfte er wohl länger ausfallen.

SC Freiburg - Borussia Dortmund 0:0
Freiburg: Schwolow - Kübler, Lienhart, Söyüncü, Günter - Sierro (43. Frantz), Abrashi - Ravet, Terrazzino (89. Stenzel) - Haberer - Kleindienst (65. Niederlechner)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Bartra (18. Toprak), Schmelzer (31. Zagadou) - Sahin - Castro, Götze (79. Yarmolenko) - Pulisic, Aubameyang, Philipp
Schiedsrichter: Benjamin Cortus
Gelbe Karten: keine
Rote Karte: Ravet (29.)
Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)

insgesamt 54 Beiträge
spon_2937981 09.09.2017
1.
Schätze, nun weiß man auch in Dortmund um die Bedeutung des Rehagelschen Sprichworts: 'Geld schießt keine Tore.' Das Dembele-Geld aufm Konto legt halt die Bälle nicht in den Lauf von Aubameyang...
Schätze, nun weiß man auch in Dortmund um die Bedeutung des Rehagelschen Sprichworts: 'Geld schießt keine Tore.' Das Dembele-Geld aufm Konto legt halt die Bälle nicht in den Lauf von Aubameyang...
skeptikerjörg 09.09.2017
2. Das war gar nichts BVB
Kopflos, planlos, mittellos! Leider muss ich das so klar über meinen BVB heute sagen. Gegen 10 Freiburger sprangen gerade mal 2 Torchancen heraus, die nicht genutzt wurden. Das alte Leiden gegen defensiv stehende Gegner, es [...]
Kopflos, planlos, mittellos! Leider muss ich das so klar über meinen BVB heute sagen. Gegen 10 Freiburger sprangen gerade mal 2 Torchancen heraus, die nicht genutzt wurden. Das alte Leiden gegen defensiv stehende Gegner, es fehlen die spielerischen Mittel, um solch ein Bollwerk auseinander zu spielen. Immer wieder durchs Zentrum, ohne Tempo, die Pässe unpräzise, zu wenig Bewegung in der vorderen Reihe, Auba aus dem Spiel genommen. Da nutzen 85% Ballbesitz wenig, wenn der Zug zum Tor fehlt. Genau die gleichen Spiele gab es auch unter Tuchel schon, aber so krass wie heute? Das System Bosz funktioniert, wenn der Gegner den Gefallen tut und offensiv wird, steht er so tief und kompakt, wie Freiburg heute, ist es stumpf. Hoffentlich haben es nicht so viele Trainer gesehen. Spaß beiseite, so schlecht kann man es nicht jede Woche spielen. Gute Besserung an Schmelzer und Bartra. Bis Mittwoch wird es wohl nicht reichen.
bodo_von_niebergall 10.09.2017
3.
Wie sagte doch bezeichnenderweise der Kommentator: eine atemlose Harmlosgkeit des so hochgelobten Dortmunder hochgeschwinden Angriffswirbels; kaum Pässe in die Tiefe des sich neu erfundenen neuen Mittelfeldstrategen Sahin; ein [...]
Wie sagte doch bezeichnenderweise der Kommentator: eine atemlose Harmlosgkeit des so hochgelobten Dortmunder hochgeschwinden Angriffswirbels; kaum Pässe in die Tiefe des sich neu erfundenen neuen Mittelfeldstrategen Sahin; ein einziges handballmässiges Quergeschiebe vor dem gegnerischen Strafraum, eingeflochten mit zahlreichen Rückpässen; keine Idee des Zaubermittelfeldes; was war eigentlich mit dem Gegenpressing ? - wenn ich 82 % Ballbesitz habe, bin ich mit meinem System und Latein schnell am Ende - gelle Herr Bosz? Wer kam eigentlich auf die Idee, den durch Reisestrapazen seiner Schnelligkeit und Spritzigkeit beraubten Pulisic in die Startelf zu setzen? - der junge Mann war nach Honduras mehr im Flugzeug als im Bett und wirkte auf dem Spielfeld mehr als kraft-, saft- und ideenlos ; Bosz, der Meister der Beständigkeit, der Kontinuität, der Langeweile, Mittelmässigkeit; Gegner der Veränderung, keine Ideen für Neues, für Rotation, für frische Kräfte; - er wird sein blaues Wunder in Wembley gegen Tottenham erleben, sein Amargedon ! Und noch etwas fiel mir auf: habe MG bei seinem Abgang in Nahaufnahme gesehen: OMG was ist dem sein Gesicht aufgedunsen - wie krank sieht denn der aus ?
gibmichdiekirsche 10.09.2017
4.
Ganz ehrlich? Bislang mochte ich den SCF als Verein, der es immer wieder schafft, erstaunliche Leistungen zu vollbringen und dabei gutklassige Spieler zu fördern und weiter zu entwickeln. Aber: Was ist gestern vom Sportclub [...]
Ganz ehrlich? Bislang mochte ich den SCF als Verein, der es immer wieder schafft, erstaunliche Leistungen zu vollbringen und dabei gutklassige Spieler zu fördern und weiter zu entwickeln. Aber: Was ist gestern vom Sportclub gesehen habe, war purer Antifußball. Eine üble Treterei, mit der man gleich drei Mann der gegnerischen Viererkette "außer Gefecht" gesetzt hat (Bartra, Schmelzer, Piszczek). Dazu einen Trainer, der ständig reklamierte, eine Mannschaft, die Stahlbeton anrührte und heilfroh war, wenn sie mal einen Befreiungsschlag über die Mittellinie befördern konnte. Schließlich ein Publikum, das solche Heldentaten wie einen Sieg feierte. Nö, liebe Breisgauer, das ist alles, nur nicht für die 1. Liga geeignet. Dreht besser mal wieder 'ne Ehrenrunde in Liga 2. Und Streich mag hinterher 77x betonen, alle Gedanken seien nun bei Schmelzers Genesung, aber dass er den Seinen verordnet hatte, dem Gegner ordentlich was auf die Socken zu geben und dem auch noch Applaus zollte, redet der Schwarzwald-Moralapostel damit auch nicht aus der Welt. Dass dem BVB wenigstens 2 Elfer (Hand und Foul an Piszczek) sowie ein reguläres Auba-Tor zugestanden hätte (und das dolle Freiburger Publikum den Schiri trotzdem als "Schieber" beleidigte), ist das eine. Dass es der BVB aber auch schlicht aufgrund eigener Dusseligkeit verpennt hat, diesen unterirdischen Freiburgern ordentlich einen einzuschenken, ist das andere. Nichts anderes hätte diese Mannschaft, dieser Trainer und dieses Publikum verdient und die Borussen hatten es selber in der Hand.
hundini 10.09.2017
5. ^^
Freiburg hat gut Beton angerührt. Das 0:0 haben sich beide redlich verdient. Dortmunds Spieler hatten wohl schon die CL im Hinterkopf. Die rote Karte geht in Ordnung.
Freiburg hat gut Beton angerührt. Das 0:0 haben sich beide redlich verdient. Dortmunds Spieler hatten wohl schon die CL im Hinterkopf. Die rote Karte geht in Ordnung.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP