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RB Leipzigs Champions-League-Debüt

Der Stresstest

Am Abend feiert Leipzig seine Premiere in der Königsklasse. Gegen Monaco bekommt es der Vizemeister direkt mit einem Spitzenteam zu tun. Kann RB mit seinem Power-Fußball auch in der Champions League glänzen?

Foto: AP
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Mittwoch, 13.09.2017   15:11 Uhr

Aus der Oberliga in die Champions League in acht Jahren. Wenn RB Leipzig am Abend die AS Monaco empfängt (20.45 Uhr, TV: Sky; High-Liveticker SPIEGEL ONLINE), dürfen die Verantwortlichen des Bundesligisten auf einen einzigartigen Weg zurückblicken.

Die Champions-League-Hymne zu hören, das sei "für jeden Spieler etwas Besonderes, das wird jedem einen Adrenalin-Push geben", sagte Torwart Peter Gulácsi nach dem 2:0-Erfolg über den HSV am vergangenen Freitag dem SPIEGEL. RB-Profis auf Adrenalin - das klingt eigentlich sehr gewöhnlich. Schließlich gewittert die Mannschaft auch so schon über das Spielfeld, dass andere Teams zusammenzucken.

Das RB-Prinzip basiert darauf, "klüger" zu laufen als der Gegner, aber eben auch: mehr zu laufen, schneller zu sein, auf dem Platz und im Kopf. Auch wenn das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl in dieser Saison den Ballbesitzfußball für sich entdeckt hat, bestimmen Balleroberung und schnelles Umschalten nach wie vor das Leipziger Spiel.

In der Bundesliga funktioniert Hasenhüttls Taktik seit mehr als einem Jahr hervorragend. Die große Frage lautet jetzt: Klappt es auch in der Champions League? Lassen sich Gegenspieler durch das RB-Anlaufen stressen, die nicht nur 100 Bundesligapartien hinter sich haben, sondern K.o.-Spiele in der Königsklasse?

Monaco wird für Leipzig zum Stresstest

Es gab schon einmal einen Klub, der in der Bundesliga mit Pressing- und Umschaltfußball für Furore sorgte wie nun Leipzig, hinterher in der Champions League aber Lehrgeld zahlte. Borussia Dortmund wurde 2011 mit Trainer Jürgen Klopp Meister, die Gruppenphase im Europacup schloss der BVB im nächsten Jahr hinter Piräus, Marseille und Arsenal als Letzter ab. Trotz damals innovativer Spielweise und viel, viel Laufarbeit.

Daraus lässt sich längst nicht ableiten, dass RB in seiner Gruppe mit Monaco, Besiktas und Porto Probleme bekommen wird. Zumal Leipzig und Dortmund zwar grundsätzlich ähnlichen, aber bei weitem nicht denselben Fußball spielen.

"Wir wollen zeigen, dass wir mithalten können", sagte Mittelfeldspieler Dominik Kaiser nach der Gruppenauslosung. Man darf davon ausgehen, dass sie sich in Leipzig insgeheim mehr erhoffen, als nur mitzuhalten. Für das Ziel Champions League hat der Klub lange und hart gearbeitet, viel Geld ausgegeben, und in diesem Sommer wohl auch auf viel Geld verzichtet.

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RB Leipzig: Der Weg in die Königsklasse

Eine Reihe von RB-Profis hat nach der starken Bundesliga-Debütsaison das Interesse größerer Klubs geweckt. Gegangen ist aber keiner, zumindest nicht vom Stammpersonal. Nicht Emil Forsberg, der unglaubliche 22 Torvorlagen lieferte; und auch nicht Naby Keïta. Dessen Abgang nach Liverpool im kommenden Sommer steht zwar bereits fest. Die Gelegenheit, schon jetzt deutlich mehr Geld für Keïta zu kassieren als nach der Saison, ließ Leipzig aber bewusst verstreichen.

Stattdessen investierte der Verein zig Millionen in neue Spieler, Kevin Kampl kam für angeblich 20 Millionen Euro aus Leverkusen und auch für Bruma (Galatasaray) und Jean-Kévin Augustin (Paris) soll RB je zweistellige Millionensummen bezahlt haben. Es scheint, als seien für Leipzig Transfererlöse im Moment nicht so wichtig. Zunächst einmal will sich der Klub als Spitzenmannschaft etablieren.

Das unterscheidet RB von Monaco. Die AS hat nach einer sensationellen Saison, in der sie Überraschungsmeister in Frankreich wurde und in der Champions League bis ins Halbfinale vorstieß, gleich mehrere Schlüsselspieler abgegeben. Benjamin Mendy, Bernardo Silva und Tiemoué Bakayoko wechselten allesamt in die Premier League, was dem Klub rund 150 Millionen Euro an Ablösesummen eingebracht haben soll. Insgesamt verließen 16 Profis das Team.

Wenn ein Talent geht, steht das nächste schon bereit

Der wichtigste Transfer war aber der von Kylian Mbappé. Der 18-Jährige hatte sich innerhalb weniger Monate vom Stürmertalent zum wohl begehrtesten Angreifer des Kontinents entwickelt. Er ging nach Paris und soll Monaco 180 Millionen Euro eingebracht haben. Dafür kamen unter anderem zwei neue Top-Talente: Keita Baldé (22, für angeblich 30 Millionen Euro von Lazio) und Youri Tielemanns (20, für kolportierte 25 Millionen aus Anderlecht).

Das Verkaufen und Ausbilden gehört in Monaco dazu, das war in der Vergangenheit nicht anders. Schon George Weah, Thierry Henry oder David Trezeguet schafften dort den Durchbruch und wurden Stars, auch der heutige Bayern-Profi James Rodríguez steigerte in Monaco seinen Marktwert und wechselte nach der Weltmeisterschaft 2014 für angeblich 75 Millionen Euro zu Real Madrid. Und damals wirkte diese Summe noch ein ganzes Stück horrender als heute.

Von einem solchen Star-Status trennt die Spieler von Leipzig, bei allem Talent von Timo Werner und seinen Kollegen, noch viel. Eine erfolgreiche Debütsaison in der Champions League wäre immerhin ein Anfang. Das ging schließlich auch schon dem BVB so. Der wirkte in seiner zweiten Spielzeit in der Königsklasse, 2013, viel abgeklärter - und schaffte es bis ins Endspiel.

insgesamt 4 Beiträge
static2206 13.09.2017
1. Bin mal gespannt
Wie sich RB schlägt und ob sie auf dauer würdig für 1. Bundesliga und die internationalen Wettbewerben sind. Klar haben sie vieles der Finanzspritze der Taurinbrause zu verdanken. Aber ohne Leistung hätte sich der Verein auch [...]
Wie sich RB schlägt und ob sie auf dauer würdig für 1. Bundesliga und die internationalen Wettbewerben sind. Klar haben sie vieles der Finanzspritze der Taurinbrause zu verdanken. Aber ohne Leistung hätte sich der Verein auch nicht mit einer Milliarde aus der Regionalliga spielen können.
sdmf 13.09.2017
2. @1.static2206
Verstehe diese Argumentation nicht. RB hat sich in den unteren Ligen einen jeweils überlegen Personal-Kader leisten können. Von daher war der Durchmarsch vorprogrammiert. Nun ist man in der obersten Spielklasse & in Europa [...]
Verstehe diese Argumentation nicht. RB hat sich in den unteren Ligen einen jeweils überlegen Personal-Kader leisten können. Von daher war der Durchmarsch vorprogrammiert. Nun ist man in der obersten Spielklasse & in Europa nicht mehr primus inter "pares".
immerfroh 13.09.2017
3.
Und als Sahnehäubchen der Dreistigkeit forderte Mintzlaff bei Sky härteres Vorgehen, damit das Financial Fairplay international eingehalten wird . Da fragt man sich wirklich, wo war dieses Fairplay gegenüber den [...]
Zitat von sdmfVerstehe diese Argumentation nicht. RB hat sich in den unteren Ligen einen jeweils überlegen Personal-Kader leisten können. Von daher war der Durchmarsch vorprogrammiert. Nun ist man in der obersten Spielklasse & in Europa nicht mehr primus inter "pares".
Und als Sahnehäubchen der Dreistigkeit forderte Mintzlaff bei Sky härteres Vorgehen, damit das Financial Fairplay international eingehalten wird . Da fragt man sich wirklich, wo war dieses Fairplay gegenüber den Mitbewerbern als man mit einem Profietat durch die 5. und 4. Liga gerauscht ist ? Jetzt, wo man sich finanziell noch potenteren Konkurenten gegenübersieht, kommt Mintzlaff offenbar ins Schwitzen . Denn Eines kann man bei RedBull in Person von Mateschitz überhaupt nicht leiden : Nicht um den ersten Platz mitzuspielen. Und das dürfte im internationalen Fußball weitaus schwieriger sein, als beispielsweise in der Formel 1.
JoachimFranz 13.09.2017
4.
Spon erinnert an die Saison 2011/12 vom BVB in der CL. Die Parallele sehe ich auch. Für RB ist die CL ebenso Neuland wie damals für die Spieler des BVB. Der BVB ist damals an seiner Unerfahrenheit gescheitert. Scheint irgendwie [...]
Spon erinnert an die Saison 2011/12 vom BVB in der CL. Die Parallele sehe ich auch. Für RB ist die CL ebenso Neuland wie damals für die Spieler des BVB. Der BVB ist damals an seiner Unerfahrenheit gescheitert. Scheint irgendwie ein deutsches Phänomen zu sein, gerade auch wenn man sich das befangene Auftreten von Hoffe gegen Liverpool ansieht und das mit dem rotzfrechen Auftreten in der BL gegen Bayern vergleicht. Gerade deutsche Teams lassen sich bei ihrem ersten internationalen Auftreten zu sehr beeindrucken. Bei RB macht allerdings die Leistung von Timo Werner in der NM Hoffnung, wo er vor dem Tor absolut cool bleibt. Wenn er auch so in der CL spielt, hat RB gute Chancen auf das Achtelfinale.

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Jahr Verein
2017 Real Madrid
2016 Real Madrid
2015 FC Barcelona
2014 Real Madrid
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

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