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Sport

PSG-Gala in Glasgow

Trio Infernale

Kein Abend für Fußball-Romantiker: Beim 5:0 gegen Celtic zeigte Paris Saint-Germain, dass Erfolg käuflich ist.

Getty Images

Was für ein Trio: Cavani, Mbappé, Neymar

Aus Glasgow berichtet
Mittwoch, 13.09.2017   10:40 Uhr

Kurz vor der Halbzeitpause wurde das Spiel gestört. Ein Zuschauer rannte auf den Rasen des Celtic-Parks, stürmte auf Kylian Mbappé zu und versuchte, den Angreifer von Paris Saint-Germain zu treten. Doch das Unterfangen scheiterte, der Fan stolperte wie ein Altherrenfußballer mit Restalkohol, fiel auf den nassen Rasen und wurde von mehreren Sicherheitsleuten aus dem Stadion gebracht. Während des Abtransports wurde er ausgebuht. Es flogen sogar Gegenstände von den Rängen in seine Richtung. Der Ein-Mann-Platzsturm dürfte dem FC Celtic eine Strafe der Uefa einbringen.

Und überhaupt: wenn schon untergehen, dann mit Anstand.

Dem Klub aus Glasgow kam bei der 0:5-Pleite gegen PSG zum Start der Champions League nur eine Statistenrolle zu, der Celtic-Park war die Kulisse für den ersten internationalen Auftritt der Pariser 460-Millionen-Euro-Offensive mit Edinson Cavani, dem aus Barcelona gekauften Neymar und dem aus Monaco erstmal nur geliehenen Mbappé. Abgesehen von der Flitzer-Attacke erfüllte der schottische Meister seine Rolle wie gewünscht.

Die Stimmung im Stadion war prächtig, Ballgewinne und Ecken wurden wie Tore gefeiert, Celtics Profis schlugen sich tapfer, waren aber hoffnungslos unterlegen und hätten noch höher verlieren können als 0:5, wenn die Gäste aus Frankreich sorgfältiger mit ihren Chancen umgegangen wären. Es war kein Abend für Fußballromantiker. Die Partie zeigte, dass Geld Tore schießt und Erfolg nicht nur planbar ist, sondern sogar käuflich. In diesem Fall durch die Investorengruppe aus Katar, die den Pariser Luxuskader finanziert.

Auch in Glasgow muss man erst einmal gewinnen

Natürlich, die Mannschaft wird sich gegen schwerere Gegner beweisen müssen als gegen den Klub aus Glasgow, der die Vorrundengruppe - zu der auch der FC Bayern gehört - als Letzter beenden dürfte. Doch der Celtic-Park kann ein unangenehmer Ort sein - wegen der bloßen Lautstärke des Publikums. Der FC Barcelona verlor im November 2012 in dem Stadion 1:2, in der vergangenen Saison kam Manchester City nur zu einem 3:3. Man muss auch im Celtic-Park erstmal gewinnen. Zumal mit der Leichtigkeit, mit der es Paris tat.

Das Team ließ den Ball phasenweise durch die Reihen laufen wie im Training. Manchmal sah es aus, als sei nur ein Kontakt erlaubt. Nach einer guten halben Stunde war die Partie durch die Treffer von Neymar und Mbappé entschieden. Kurz vor der Pause erhöhte Cavani. In der Schlussphase stellten ein Eigentor von Celtic-Verteidiger Mikael Lustig nach einer Hereingabe des eingewechselten deutschen Nationalspielers Julian Draxler und Cavani per Flugkopfball den Endstand her und fügten Celtic die höchste Heimniederlage seit 1895 zu.

AFP

Fünffacher Jubel im Celtic Park

Der für 222 Millionen Euro aus Barcelona übernommene Neymar ist erst seit einem Monat in Paris. Mbappé, für den im kommenden Jahr 180 Millionen Euro an Monaco fällig sein sollen, kam kurz vor Ende der Transferfrist. Die teure Offensive ist noch in der Kennenlernphase und harmoniert trotzdem schon prächtig.

Keine Ego-Touren festzustellen

Die beiden technisch starken Zugänge kamen gegen Celtic in rasendem Tempo über die Flügel und suchten den Weg in die Mitte. Dort war Cavani stets anspielbar und legte den Ball ab oder schoss selbst. Immer wieder tauschten die drei Angreifer die Positionen. Ersten Eindrücken zufolge neiden sie einander nichts, gegen Celtic waren keine Ego-Touren zu beobachten. "Der Sieg war eine Mannschaftsleistung", sagte Trainer Unai Emery.

Dazu hatte auch Draxler nach seiner Einwechslung eine halbe Stunde vor Schluss beigetragen. Wegen der kostspieligen Umbauarbeiten in der Offensive sah es aus, als hätte der ehemalige Schalker und Wolfsburger keine Zukunft in Paris. Er galt als Kandidat für einen Verkauf. Doch beim jüngsten Ligaspiel gegen Metz spielte er durch, und nach dem Sieg in Glasgow versicherte er, dass ihm die neue Wettbewerbssituation keine Sorgen bereite.

REUTERS

Neymar beherrscht auch den In-Fight

"Wir haben einen breiten Kader und werden viel rotieren. Ich bin mir sicher, dass der Trainer einen Platz für mich finden wird", sagte er. Dass er sich mit Weltklassespielern um einen Posten im Team streiten müsse, kenne er aus der Nationalmannschaft. Außerdem sei auch bei anderen Spitzenklubs wie dem FC Bayern oder Real Madrid die Konkurrenz groß.

Wenn die Münchner in zwei Wochen in Paris zu Gast sind, wird Draxler eine neue Erfahrung machen. "Zum ersten Mal treffe ich auf Bayern und bin mit meiner Mannschaft nicht krasser Außenseiter. Ich sehe uns auf Augenhöhe", sagte er. Dann stieg er in den Mannschaftsbus und fuhr hinaus in die verregnete Glasgower Nacht.

"Dream bigger", steht auf der Rückseite des Busses. Größer träumen. Genauso gut könnte dort stehen: "Spend bigger." Mehr Geld ausgeben.

insgesamt 8 Beiträge
PeterPan95 13.09.2017
1. Geld schießt Tore
Wer den Beweis noch brauchte, hat wirklich gepennt. Aber blos nicht in die Bundesliga gucken, sonst könnte man noch merken, dass dort schon lange ähnliches Ungleichgewicht herrscht wie international. Dann kommtauch noch ein [...]
Wer den Beweis noch brauchte, hat wirklich gepennt. Aber blos nicht in die Bundesliga gucken, sonst könnte man noch merken, dass dort schon lange ähnliches Ungleichgewicht herrscht wie international. Dann kommtauch noch ein Neureicher nach dem anderen (Chelsea, ..., PSG, Leipzig) und zeigt mal auf, wie man das mit dem Erfolg kaufen richtig macht.
e.pudles 13.09.2017
2. "zeigte PSG, dass Erfolg käuflich ist"
das wäre ja noch schöner wenn man solche Unsummen ausgibt und der Erfolg ausbleiben würde.
das wäre ja noch schöner wenn man solche Unsummen ausgibt und der Erfolg ausbleiben würde.
effesste 13.09.2017
3. Natürlich ...
... ist Erfolg käuflich und schießt Geld Tore. Das ist aber normal in einem professionellen Geschäft und war auch schon immer so, oder warum dominieren Vereine wie Barcelona, Real, auch die Bayern, die englischen oder [...]
... ist Erfolg käuflich und schießt Geld Tore. Das ist aber normal in einem professionellen Geschäft und war auch schon immer so, oder warum dominieren Vereine wie Barcelona, Real, auch die Bayern, die englischen oder italienischen Topclubs in wechselnder Ausprägung schon seit Jahrzehnten den Fußball? Nur die Summen werden in jüngster Zeit halt immer aberwitziger.
ortibumbum 13.09.2017
4.
Wir sollten bei alle dem die Bayern nicht vergessen, die seit Jahren über das Geld von H. Hoeness (rechtmäßig oder nicht) die Liga beherrscht haben. Jetzt, wo auch die CL nur noch anderswo im Bezahlfernsehen läuft, ist [...]
Zitat von PeterPan95Wer den Beweis noch brauchte, hat wirklich gepennt. Aber blos nicht in die Bundesliga gucken, sonst könnte man noch merken, dass dort schon lange ähnliches Ungleichgewicht herrscht wie international. Dann kommtauch noch ein Neureicher nach dem anderen (Chelsea, ..., PSG, Leipzig) und zeigt mal auf, wie man das mit dem Erfolg kaufen richtig macht.
Wir sollten bei alle dem die Bayern nicht vergessen, die seit Jahren über das Geld von H. Hoeness (rechtmäßig oder nicht) die Liga beherrscht haben. Jetzt, wo auch die CL nur noch anderswo im Bezahlfernsehen läuft, ist für mich das Thema Fussball beendet, leider. Es spielt ja sowieso nicht mehr Glafdbach oder Köln, sondern Usbekistan, Türkei, Polen - ab und zu verirrt sich noch ein Deutscher in der Mannschaft. Die Identifikation mit dem Verein ist hin. Ich weiß nicht, wie die anderen Fans das machen; heute Dembele, morgen Ribery, übermorgen Tossilo und nächste Woche Robben?
aurichter 13.09.2017
5. Erstmal abwarten
wie das Wunderteam sich gegen spiel- und abwehrstärkere Teams macht. Hier wird schon wieder geschrieben, als wenn die anderen Mannschaften die Punkte schon vorher abliefern sollen. Auch die Überflieger müssen sich beweisen, [...]
wie das Wunderteam sich gegen spiel- und abwehrstärkere Teams macht. Hier wird schon wieder geschrieben, als wenn die anderen Mannschaften die Punkte schon vorher abliefern sollen. Auch die Überflieger müssen sich beweisen, denn Celtic war genau wie Andeerlecht kein Maßstab. Die Gruppe werden sie sicher überstehen, aber erst dann kommen die wahren Gegner. Die zwei wichtigsten Gruppenspiele werden vermutlich durch Heimvorteil entschieden, sodaß evtll bereits ein Remis für Bayern oder PSG zum Gruppensieg reichen kann. Real ist als Gruppenzweiter CL-Sieger geworden, also spielt es ab KO-Runde keine Rolle, ausser das Losglück mit einem relativ schwachem Gruppensieger aus anderer Gruppe und davon fallen mir ein paar ein. Der Gruppensieg sagt wenig aus. Es hat schon oft dominante Gruppensieger gegeben und im Achtelfinale war dennoch empty CL, da wollen wir Mal abwarten. PSG ruhig austoben lassen, mit einer Portion Überheblichkeit anreisen lassen und dagegenhalten, auch das kann wirkungsvoll sein. Vielleicht wird Real ja wieder Gruppenzweiter hinter dem BVB (toi toi) und trifft dann auf PSG, da kann dann Neymar zeigen was er in Spanien gelernt hat. Bayern hat schon oft einen holprigen Start hingelegt - Borisow bspw - und dann eine gute CL Saison hingelegt.

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