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Leipzigs Champions-League-Premiere

Defensivfeuerwerk

Leipzig steht in der Bundesliga für risikofreudigen Tempofußball, bei der Europapokal-Premiere gab es hingegen kein Spektakel. Ein weiteres Indiz für die Reife dieses jungen Teams.

DPA

Diego Demme, Yussuf Poulsen und Joao Moutinho kämpfen um den Ball.

Von
Mittwoch, 13.09.2017   23:47 Uhr

Die Reifeprüfung: Ein Jahr lang hatte Leipzig fast die ganze Bundesliga mit seinem Tempofußball überrannt, am Ende reichte es für Platz zwei und die direkte Qualifikation für die Champions League. Nun fragten sich alle, ob RB seine Spielweise auch in der Königsklasse durchziehen könne, gegen die großen Gegner. Immerhin spielte der Verein noch vor acht Jahren in der Oberliga, vor zwei Jahren in der zweiten Liga. Im ersten Spiel ging es direkt gegen den vermeintlich stärksten Gruppengegner: AS Monaco.

Das Ergebnis: Ganz so spektakulär spielte RB nicht. 1:1 (1:1) - hier geht's zum Spielbericht.

Das erste Mal: Nicht nur der Verein und die RB-Fußballgruppe debütierten gegen Monaco in der Champions League, ebenfalls zehn Spieler der Startelf. Auch sonst überall Premieren: die erste Gelbe Karte eines Leipzigers (Diego Demmo), das erste Torschüsschen (Timo Werner), die erste Ecke (Emil Forsberg) oder das erste Tor (auch Forsberg) - viel Stoff für die Klubarchivare.

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Leipzigs Remis gegen Monaco: Der Jubel hielt nur Sekunden



Die Erfahrenen: Mit gerade mal sechs Einsätzen in Europas höchster Spielklasse war Forsberg schon der erfahrenste Akteur der Leipziger Startelf. Vor drei Jahren hatte er mit Malmö FF fünfmal verloren und einmal gewonnen. Gegen Monaco bemühte sich Forsberg, diese persönliche Statistik aufzubessern: Bei Standards übernahm er die Verantwortung, vor dem Führungstreffer rannte er links über das halbe Spielfeld und schloss zielstrebig ins kurze Eck ab. Nach 63 Minuten kam mit Kevin Kampl ein noch Erfahrenerer für ihn aufs Feld (13 Champions-League-Einsätze für Leverkusen und Dortmund).

Die verschobene Premiere: Zweimal war Naby Keita bereits mit RB Salzburg in der Qualifikation gescheitert. Jetzt ist er dabei - muss aber noch warten. Muskuläre Probleme machten ihn zum Maskottchen auf der Bank.

Die erste Hälfte: Die Leipziger begannen von Beginn an erstaunlich souverän, übernahmen die Initiative, hatten mehr Ballbesitz (60 Prozent) und bessere Passquoten (75 Prozent) als Monaco (62 Prozent). Die Monegassen verdichteten vor ihrem Sechzehner jedoch geschickt die Räume, stellten zwei enge Viererketten und hielten die Abstände. Leipzig konnte nur wenig Tempo aufnehmen, die letzten Pässe versandeten oft. Auf beiden Seiten gab es kaum klare Chancen. Ausgerechnet der Führungstreffer von Forsberg (33. Minute) sorgte für Unordnung im Leipziger Spiel und den direkten Gegentreffer von Youri Tielemans (35. Minute).

Die zweite Hälfte: Nach Wiederanpfiff übernahm zunächst Monaco das Kommando, ohne für große Gefahr zu sorgen. Nach zehn Minuten ähnelte die Partie aber wieder Hälfte eins. Beide Mannschaften vermieden, volles Risiko zu gehen. Werner schoss knapp am Tor vorbei (52.), Diego Benaglio hielt Jean-Kevin Augustins Schuss aus spitzem Winkel (82.) - das waren schon die größten Aufreger. Kurz vor Abpfiff brachte sich Leipzig selbst noch mal in Bedrängnis, als das Team den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum herausbekam.

Das Duell der Torjäger: Falcao (sieben Tore in sechs Saisonspielen) und Werner (vier Tore in vier Saisonspielen) standen unter besonderer Beobachtung. Doch außer den herausragenden Trefferquoten verbindet die beiden Stürmer nicht viel. Falcao lauert gern, Werner läuft viel. So auch diesmal: Falcao trat nur einmal in Erscheinung, als er am Fünfmeterraum eine Flanke knapp verpasste (18.). Werner eroberte Bälle in der eigenen Gefahrenzone, kam zu Abschlüssen (12., 24., 52.) und stieß immer wieder in die freien Räume und forderte Bälle. Allerdings lief er mehrfach in Abseits und wirkte bei seinen Möglichkeiten nicht ganz zielsicher. Es war nicht der Tag der Torjäger.

Die nächste Reifeprüfung: Leipzigs erster Europapokalabend war kein Spektakel, kein Torschussfestival. Stattdessen zeigte RB eine abgeklärte Leistung, stand defensiv sicher und hätte mit etwas Glück auch drei Punkte mitnehmen können. Das Team hat gezeigt, dass es sich anpassen kann und bereit für größere Namen in Europa ist. Die nächste Reifeprüfung folgt in zwei Wochen in Istanbul bei Besiktas. Dort muss RB offensiv mehr Lösungen finden - dann sieht es gut aus für weitere Europapokalabende, sogar für welche in der K.-o.-Runde.

RB Leipzig - AS Monaco (1:1)
1:0 Forsberg (33.)
1:1 Tielemans (34.)
RB Leipzig: Gulacsi - Halstenberg, Upamecano, Orban, Klostermann - Forsberg (63. Kampl), Ilsanker, Demme, Sabitzer - Werner, Poulsen (80. Augustin)
AS Monaco: Benaglio - Jorge, Jemerson, Glik, Touré - Fabinho, Joao Moutinho - Diakhaby (73. Baldé), Tielemans, Sidibé (84. Ghezzal) - Falcao (89. Carrillo)
Zuschauer: 40.068
Schiedsrichter: Oliver (England)
Gelbe Karten: Demme, Halstenberg / Tielemans, Sidibé, Jemerson

insgesamt 5 Beiträge
Nonvaio01 14.09.2017
1. sehr gut
ist doch ein gutter start, nun mal sehen wie Leipzig sich vor der kulisse der Tuerken macht, da brennt immer der baum im stadion, ich glaube nicht das es mit etwas in der BL vergleichbar ist
ist doch ein gutter start, nun mal sehen wie Leipzig sich vor der kulisse der Tuerken macht, da brennt immer der baum im stadion, ich glaube nicht das es mit etwas in der BL vergleichbar ist
micheleyquem 14.09.2017
2. Naja, fürs Mittelmass reichts ...
Den BVB aufgezeichnet und die Leipziger live geglotzt... Leider eine totale Zeitverschwendung, auf beiden Seiten peinlichstes Mittelmass. Mendi und Mbappe, die beiden einzigen wirklich Guten bei Monaco sind nicht mehr da, und [...]
Den BVB aufgezeichnet und die Leipziger live geglotzt... Leider eine totale Zeitverschwendung, auf beiden Seiten peinlichstes Mittelmass. Mendi und Mbappe, die beiden einzigen wirklich Guten bei Monaco sind nicht mehr da, und was man sieht ist BuLi Abstiegszone. Und dazu unzählige Fouls! Leipzig, leider dasselbe, ein einziges Trauerspiel. Serienweise Fehlpässe. Diagonale lange PÄsse, nicht einer der in 90 Min ankam bei den Kurzpässen? Haarsträubend. Allerdings wurde ihnen ein eindeutiger Foulelfmeter verweigert, als Emerson(?) Werner ins Gescijht schlug... Das Gegentor, lächerliche Stellungsfehler.... Tiefschlaf Werner? Wohl über 15mal, allein in den ersten 10 m Minuten 6mal abseits! Forsberg? Fiel ein einziges Mal beim allerdings sehr schönen Tor auf. Verschwand danach wieder in der Versenkung bis er bei einer ähnlichen Möglichkeit sich wie ein 12jähriger Anfänger weigerte den Ball dem durchgestrateten Werner zuzuspielen und lieber selber den Gegner anschoss. Ein Spieler der ganz offensichtlich den Verein wechseln wollte?
M. Schrader 14.09.2017
3. Prüfung bestanden!
Alle Achtung. RB Leipzig hat den ersten Auftritt auf internationaler Bühne glanzlos aber souverän gemeistert. Nicht mehr und nicht weniger. Im Spielverlauf war für die Leipziger insgesamt sicher mehr drin. Aber ich bin mir [...]
Alle Achtung. RB Leipzig hat den ersten Auftritt auf internationaler Bühne glanzlos aber souverän gemeistert. Nicht mehr und nicht weniger. Im Spielverlauf war für die Leipziger insgesamt sicher mehr drin. Aber ich bin mir sicher, dass sie ihre Potenziale von Spiel zu Spiel auf CL-Niveau besser ausschöpfen werden.
Drunken Masta 14.09.2017
4. Gut überstanden
Beiden Mannschaften war anzusehen, dass Gegentore das Hauptziel war. Was Leipzig in der ersten Hälfte durch viel Laufarbeit und energische Zweikampfführung umsetzte. Im Spielaufbau oft lange Bälle und den zweiten Ball erobern. [...]
Beiden Mannschaften war anzusehen, dass Gegentore das Hauptziel war. Was Leipzig in der ersten Hälfte durch viel Laufarbeit und energische Zweikampfführung umsetzte. Im Spielaufbau oft lange Bälle und den zweiten Ball erobern. Was wiederum durch Laufarbeit und Antizipieren erstaunlich gut funktionierte. Leider kamen trotz vieler Ballgewinne kaum Chancen zustande. Spätestens ab Mitte der zweiten Hälfte merkte man den Leipzigern dann deutlich an, dass sich der hohe Aufwand der ersten Halbzeit bemerkbar machte. Hatte da zunehmend Sorge, dass es in einem unachtsamen Moment doch nur für einen Lucky Punch für Monaco reicht. Durchs ganze Spiel zogen sich bei beiden Mannschaften ungewohnt viele Ungenauigkeiten. Monaco muss sich wohl weiterhin finden, Leipzig vermutlich dann doch etwas aufgeregt beim ersten Auftritt auf ganz großer Bühne. Nun ist Monaco trotz der hochkarätigen Weggänge nicht irgendwer und das 1:1 zur Champions League Premiere aller Ehren wert. Vielleicht hilft es sogar für die nächsten Spiele noch abgeklärter zu werden, wenn man jetzt nicht in Freudentaumel ausbricht. Drei Leipzig Spieler fielen mir besonders auf. Forsberg, der außer bei seinem, zweifellos wichtigen und schönen Tor, erstaunlich unauffällig agierte. Sabitzer mit Licht und Schatten. Stark im Zustellen von Passwegen und in der Balleroberung. Aber leider auch mit vielen Fehlpässen. Und als er das dann durch längeres Nachdenken vermeiden wollte, auch mit Ballverlusten. Aber so ist das halt, wenn 2-3 seiner Risikopässe durchkommen, kann das Spielergebnis schon anders aussehen. Upamecano, ganz stark. Zweikampf, Stellungsspiel und selbst wenn er mal einen Ausflug nach vorne wagt, ist es wohlüberlegt wenn es die Spielsituation zulässt und endet dann auch nicht in sinnlosem Festlaufen. Jetzt noch an der Spieleröffnung arbeiten und er wird unverzichtbar. Auch nach diesem Spiel für mich ganz klar: Videobeweis auch in der CL einführen.
Drunken Masta 14.09.2017
5. Vermeiden
Gegentore vermeiden, war natürlich gemeint.
Zitat von Drunken MastaBeiden Mannschaften war anzusehen, dass Gegentore das Hauptziel war. Was Leipzig in der ersten Hälfte durch viel Laufarbeit und energische Zweikampfführung umsetzte. Im Spielaufbau oft lange Bälle und den zweiten Ball erobern. Was wiederum durch Laufarbeit und Antizipieren erstaunlich gut funktionierte. Leider kamen trotz vieler Ballgewinne kaum Chancen zustande. Spätestens ab Mitte der zweiten Hälfte merkte man den Leipzigern dann deutlich an, dass sich der hohe Aufwand der ersten Halbzeit bemerkbar machte. Hatte da zunehmend Sorge, dass es in einem unachtsamen Moment doch nur für einen Lucky Punch für Monaco reicht. Durchs ganze Spiel zogen sich bei beiden Mannschaften ungewohnt viele Ungenauigkeiten. Monaco muss sich wohl weiterhin finden, Leipzig vermutlich dann doch etwas aufgeregt beim ersten Auftritt auf ganz großer Bühne. Nun ist Monaco trotz der hochkarätigen Weggänge nicht irgendwer und das 1:1 zur Champions League Premiere aller Ehren wert. Vielleicht hilft es sogar für die nächsten Spiele noch abgeklärter zu werden, wenn man jetzt nicht in Freudentaumel ausbricht. Drei Leipzig Spieler fielen mir besonders auf. Forsberg, der außer bei seinem, zweifellos wichtigen und schönen Tor, erstaunlich unauffällig agierte. Sabitzer mit Licht und Schatten. Stark im Zustellen von Passwegen und in der Balleroberung. Aber leider auch mit vielen Fehlpässen. Und als er das dann durch längeres Nachdenken vermeiden wollte, auch mit Ballverlusten. Aber so ist das halt, wenn 2-3 seiner Risikopässe durchkommen, kann das Spielergebnis schon anders aussehen. Upamecano, ganz stark. Zweikampf, Stellungsspiel und selbst wenn er mal einen Ausflug nach vorne wagt, ist es wohlüberlegt wenn es die Spielsituation zulässt und endet dann auch nicht in sinnlosem Festlaufen. Jetzt noch an der Spieleröffnung arbeiten und er wird unverzichtbar. Auch nach diesem Spiel für mich ganz klar: Videobeweis auch in der CL einführen.
Gegentore vermeiden, war natürlich gemeint.

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