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Sport

Champions-League-Premiere von RB Leipzig

"Da waren viele wackelige Beine dabei"

Leipzig ist in der Champions League angekommen. Das Remis gegen Monaco hat gezeigt: Der RB kann auch auf Top-Niveau mithalten - allerdings auf Kosten der eigenen Angriffspower.

Foto: Getty Images
Aus Leipzig berichtet
Donnerstag, 14.09.2017   10:43 Uhr

Radamel Falcao galt einst als einer der besten Mittelstürmer der Welt. Der Kolumbianer hat in seiner Karriere etliche Titel gewonnen, zwei Mannschaften führte er als Torschützenkönig zum Europa-League-Triumph. Und es gibt Menschen, die meinen, der 31-Jährige erreiche erst nun, seit er in Monaco stürmt, seinen Zenit.

Das alles muss man wissen, wenn man verstehen möchte, wie stark die Leistung von Leipzigs Defensive um Dayot Upamecano am Mittwochabend war. Dem 18 Jahre alten Verteidiger und seinen Kollegen ist es gelungen, in ihrem ersten Champions-League-Spiel Falcao auszuschalten.

1:1 (1:1) trennten sich RB Leipzig und die AS Monaco, es war eine durchaus gelungene Premiere in der Königsklasse. Weil im Parallelspiel der Gruppe G Besiktas in Porto gewann (3:1), teilt sich Leipzig nach dem ersten Spieltag den zweiten Platz mit den Monegassen.

Spürbare Ehrfurcht

Wie groß der Respekt der Mannschaft vor der Aufgabe Königsklasse gewesen war, hatte sich eine Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff angedeutet. Um kurz nach 20 Uhr wagte sich der Bundesligist erstmals zum Warmmachen aus der Kabine und kaum ein RB-Profi war darunter, der sich nicht ehrfürchtig in der Arena umblickte. Diesen epischen Moment ließen sich die staunenden Leipziger auch nicht davon verderben, dass das Stadion bis dahin nicht einmal zur Hälfte gefüllt gewesen war.

Auch während des Spiels waren Teile der Mannschaft nervös, wie mehrere Profis hinterher berichteten. "Die große Bühne war neu, das hat man gemerkt", sagte Kapitän Willi Orban. Auch Stürmerstar Timo Werner meinte, dass man manchem den Respekt vor der Aufgabe angemerkt habe. "Da waren viele wackelige Beine dabei", sagte der Nationalspieler.

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Leipzigs Remis gegen Monaco: Der Jubel hielt nur Sekunden

Das galt allerdings nicht für die Defensive. Das Mittelfeld schaffte es, viele Angriffe der AS zu unterbinden ehe sie den Leipziger Strafraum erreicht hatten, und wenn einer durchkam, dann waren da noch Upamecano und Orban. Vor allem der Franzose zeigte, warum er trotz mancher Fehler, die ihm seit seinem Wechsel von RB Salzburg nach Leipzig im vergangenen Winter unterlaufen sind, als kommender Weltklasse-Verteidiger gilt.

Er verbindet Größe und Robustheit mit hohem Tempo, eine wertvolle, weil seltene Kombination. Wie schnell er im Vollsprint auf plötzliche Richtungswechsel des ballführenden Gegenspielers reagierte, ohne dabei ins Straucheln zu kommen, war beeindruckend. In Frankreich wird man seine Leistung zur Kenntnis genommen haben, spätestens nach der WM 2018 dürfte eine Nationalelf-Nominierung Thema werden. Von Ralph Hasenhüttl gab es nach der Partie ein Sonderlob. "Dayot war für mich der stärkste Verteidiger", sagte der Trainer.

Was fehlte, war die Krönung: Pässe, die dem Gegner wehtun, die dessen Ordnung sprengen. Hier hielt sich Upamecano merklich zurück und war damit ein Sinnbild für RB an diesem Champions-League-Abend.

Bloß keine Fehler machen!

Dabei bot sich oft die Chance zur Chance. Mittels choreographierter Laufwege mehrerer Spieler wurden Passfenster geöffnet: Die Stürmer binden die gegnerische Abwehrkette, der Außenverteidiger den gegnerischen Flügelspieler und so weiter. Das alles geschah mit dem Ziel, Pässe in den Bereich zwischen Monacos Abwehr und Mittelfeld zu ermöglichen. Den Mut dazu, diese Pässe zu versuchen, besaß in Abwesenheit des verletzten Spielmachers Naby Keita aber kaum jemand.

"Ich wollte heute kein volles Risiko gehen", sagte Hasenhüttl nach dem Spiel und deutete so an, dass diese vorsichtige Spielweise Absicht war. Um kein Lehrgeld zahlen zu müssen, nahm er fehlende Offensivpower in Kauf, was zwar nicht besonders schön anzuschauen war, aber von Reife zeugte. Das RB-Tor resultierte dann auch nicht aus einer tollen Kombination, es entstand aus einem langen Ball, einem gewonnenen Zweikampf und einem hübschen Hackentrick Yussuf Poulsens, den Forsberg verwertete (33. Minute).

Nicht geglänzt, nicht blamiert

Defensiv war Leipzig nur einmal unachtsam, wohl nicht ganz zufällig in genau dem Moment, als die Freude über den eigenen Treffer Nachlässigkeit nährte. Auf einen Einwurf folgte eine hohe Flanke, zwei verlorene Zweikämpfe später stand es 1:1 (34.). In der Königsklasse wird eben jeder Fehler bestraft.

Leipzig lernte seine Lektion und schaltete fortan gar nicht mehr ab, bis sie dann irgendwann vorbei war, die ersehnte Premiere. Nach dem Abpfiff klatschten sich die RB-Profis ab, das Publikum spendete Beifall, das alles wirkte wie eine Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung. Nicht geglänzt, aber auch nicht blamiert, damit konnte man sich arrangieren.

Radamel Falcao stand da schon gar nicht mehr auf dem Platz. Der Stürmerstar wirkte während der Partie zunehmend frustriert, kaum einmal setzte er sich gegen Upamecano und Orban durch. Kurz vor Schluss wurde er ausgewechselt, einen Torschuss brachte er nicht zustande. Und RB hat jetzt die Gewissheit, im Wettbewerb bestehen zu können. Denn mit einem viel besseren Stürmer bekommt es der Klub in der Guppenphase nicht zu tun.

RB Leipzig - AS Monaco 1:1 (1:1)
1:0 Forsberg (33.)
1:1 Tielemans (34.)
RB Leipzig: Gulacsi - Halstenberg, Upamecano, Orban, Klostermann - Forsberg (63. Kampl), Ilsanker, Demme, Sabitzer - Werner, Poulsen (80. Augustin)
AS Monaco: Benaglio - Jorge, Jemerson, Glik, Touré - Fabinho, Joao Moutinho - Diakhaby (73. Baldé), Tielemans, Sidibé (84. Ghezzal) - Falcao (89. Carrillo) Zuschauer: 40.068
Schiedsrichter: Oliver (England)
Gelbe Karten: Demme, Halstenberg / Tielemans, Sidibé, Jemerson

insgesamt 3 Beiträge
m.gu 14.09.2017
1. Gut gespielt, leider nur 1 Punkt zu hause geholt.
Das Spiel war spannend, trotzdem beide Tor innerhalb von 2 Minuten fielen. Wir werden sehen, wie Bayern München gegen den 2. der französischen Liga spielen wird, denn Leipzig hat immerhin den Bezwinger von PSG Paris zum Gegner [...]
Das Spiel war spannend, trotzdem beide Tor innerhalb von 2 Minuten fielen. Wir werden sehen, wie Bayern München gegen den 2. der französischen Liga spielen wird, denn Leipzig hat immerhin den Bezwinger von PSG Paris zum Gegner gehabt. Vielleicht können die Leipziger auch in Monaco punkten.
Attila2009 14.09.2017
2.
Monaco ist auch ohne Mbappe keine Laufkundschaft , insofern kann RB sehr zufrieden sein.Die können nämlich auch auswärts gut kontern, das sollte zum Beispiel der BVB noch wissen. RB kann mithalten mit der internationalen Liga, [...]
Monaco ist auch ohne Mbappe keine Laufkundschaft , insofern kann RB sehr zufrieden sein.Die können nämlich auch auswärts gut kontern, das sollte zum Beispiel der BVB noch wissen. RB kann mithalten mit der internationalen Liga, das war die wichtigste Erkenntnis.
joe.micoud 14.09.2017
3.
Das Ergebnis ist ordentlich und lässt alles offen. Das war der stärkste Gegner.
Das Ergebnis ist ordentlich und lässt alles offen. Das war der stärkste Gegner.

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2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
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