Lade Daten...
04.07.2010
Schrift:
-
+

Deutschland-Gegner Spanien

Die Furie gewinnt an Wucht

Aus Johannesburg berichtet Jens Weinreich
Paraguay vs. Spanien: Villa, Held beim Elfmeter-Verschießen
Fotos
REUTERS

Spaniens Sieg gegen Paraguay war hart erkämpft. Davon sollte sich Deutschland nicht täuschen lassen: Auch wenn der Motor manchmal stottert, funktioniert die Mannschaft, verliert nie den Überblick. Und im Halbfinale wird die "rote Furie" noch stärker sein.

Die Spanier mögen selten restlos überzeugt haben bei dieser Weltmeisterschaft. Aber sie haben schon jetzt einen historischen Erfolg errungen: Kaum zu glauben, Spanien steht zum ersten Mal in einem WM-Halbfinale. "Das ist ein großer Moment für den Fußball unseres Landes", sagte Trainer Vicente Del Bosque staatstragend nach dem 1:0 im Viertelfinale gegen Paraguay.

Man habe Geschichte geschrieben. Einmal zwar schafften es die Spanier schon unter die ersten Vier. Doch damals, 1950 in Brasilien, wurde keine K.o.-Runde ausgetragen, sondern der Weltmeister in Gruppenspielen ermittelt: Spanien spielte Remis gegen Weltmeister Uruguay, verlor gegen Schweden und Brasilien - und wurde Vierter. Das wäre den Spaniern, dem besten Team der vergangenen vier Jahre, diesmal zu wenig.

Sicher, die Spanier kombinieren selten mit der Leichtigkeit und Geschwindigkeit der Europameisterschaft 2008. Aber es sollte sich niemand täuschen: sie arbeiten, sie verlieren nicht den Überblick. Die Mannschaft funktioniert, auch wenn der Motor manchmal stottert. Sie erkämpft sich ihre Siege. Ein Spiel nach dem anderen, "partido por partido" wie David Villa sagte, der Schütze des entscheidenden Tores gegen Paraguay.

Als der Fluch gebrochen war und "La Furia Roja" (die rote Furie) endlich im Halbfinale stand, war die Erleichterung deutlich zu spüren. Vielleicht spielt Spanien nun befreiter auf. Andres Iniesta sprach von der "unbändigen Kraft unserer Mannschaft" und davon, "dass wir alle für das gleiche Ziel kämpfen und jeder sich für den anderen einsetzt". Diese Aussagen hätten von jedem deutschen Spieler stammen können. So unähnlich sind sie sich gar nicht, die Deutschen und die Spanier 2010. Sie sind Turniermannschaften.

Immer wieder suchte Iniesta das Dribbling

Auch Iniesta, der große kleine Künstler, muss sich seine schönen Momente schwer erarbeiten. Es war erstaunlich, wie viele technische Fehler ihm gegen Paraguay unterliefen. Doch immer und immer wieder suchte Iniesta das Dribbling, bis er endlich die Lücke fand. Um diese eine Aktion geht es, um den Pass, der ein Spiel entscheidet.

Gegen Paraguay aber wurde in der 83. Minute erst noch ein bisschen Pingpong gespielt, ehe der Ball im Netz zappelte: Iniesta an der Strafraumgrenze auf den eingewechselten Pedro, der trifft den linken Pfosten, der Ball prallt zu Villa, der trifft den rechten Pfosten, das Spielgerät hüpft zum linken Pfosten und - endlich ins Tornetz. Spanien war erlöst.

Kuriose Höhepunkte der Partie waren nach einer Stunde zwei verschossene Elfmeter binnen zwei Minuten gewesen: Erst scheiterte der untröstliche Oscar Cardozo für Paraguay an Iker Casillas. Dann traf Xabi Alonso für Spanien, der Strafstoß wurde wiederholt und Justo Villar parierte Alonsos zweiten Versuch.

"Stolz und zufrieden" dürfe man jetzt sein, sagte Iniesta, schließlich sei Paraguay ein unbequemer Gegner gewesen. "Jetzt denken wir an Deutschland. Die spielen bislang ein spektakuläres Turnier."

Das kann man von den Spaniern nicht gerade behaupten: Gegen die Schweiz (0:1) gelang trotz überlegenem Spiel kein Treffer. Gegen Honduras (2:0) und Chile (2:1) stellten sie alles in allem doch souverän die Qualifikation für das Achtelfinale sicher - allerdings ohne zu glänzen. Portugal (1:0) war eine große Hürde, und Spanien erzwang nach der Pause mit sich stetig steigerndem und die Geschwindigkeit erhöhendem Passspiel den Siegtreffer durch David Villa. Gegen Paraguay war das wieder weniger überzeugend. Gegen die Defensivkünstler aus Südamerika sei es "das schwierigste Spiel bisher gewesen", sagte David Villa, der mit fünf Treffern die Torschützenliste anführt. Auch Trainer Vicente del Bosque wollte die Leistung nicht beschönigen: "Wir haben nicht gut gespielt und nicht zu unserem Rhythmus gefunden."

"Es wird ein großes Duell gegen Deutschland"

In Kapstadt gibt es am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die gleiche Paarung wie im EM-Finale von 2008, in dem Spanien die Deutschen vorführte, es nur nicht vermochte, die Überlegenheit in Toren auszudrücken. So blieb es damals in Wien beim Treffer von Fernando Torres, der sich am Sonnabend in Johannesburg mit seiner schwachen Leistung aus dem Team gespielt haben dürfte.

Vicente del Bosque hielt zu lange an ihm fest. Anders als etwa Miroslav Klose fand Torres bei der WM nicht zu seiner Form. Cesc Fabregas, der gegen Paraguay für Torres eingewechselt wurde, wird im Halbfinale wohl beginnen. Spanien kann mit ihm nur stärker werden.

"Es wird ein großes Duell gegen Deutschland", sagte Vicente del Bosque, "das ist zurzeit die beste Mannschaft." Die Deutschen werden aufmerksam beobachtet haben, dass sich auf der linken spanischen Abwehrseite zwischen Joan Capdevilla und Carles Puyol immer wieder Lücken aufgetan haben, in die Paraguay mit einfachen Mitteln stoßen konnte, teilweise sogar schlichten langen Bällen. Man könnte sich Thomas Müller in jener Gegend vorstellen mit seinen Kurzsprints in die Lücke. Doch Müller fehlt im Halbfinale.

"Deutschland wird sich nicht auf Spanien freuen", glaubt David Villa. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
1. Der "Ersatz"!
Florian Geyer 04.07.2010
Großartigste Leistungen von niemand erwartet doch jetzt kommt die Nagelprobe! Vor allem ist die Nr. 13 zu ersetzen. Und wer soll sie ersetzen, diese Nummer 13. Müller ist praktisch in diesem funktionierenden Team nicht [...]
Zitat von sysopSpaniens Sieg gegen Paraguay war hart erkämpft. Davon sollte sich Deutschland nicht täuschen lassen: Auch wenn der Motor manchmal stottert, funktioniert die Mannschaft, verliert nie den Überblick. Und im Halbfinale wird die "rote Furie" noch stärker sein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,704539,00.html
Großartigste Leistungen von niemand erwartet doch jetzt kommt die Nagelprobe! Vor allem ist die Nr. 13 zu ersetzen. Und wer soll sie ersetzen, diese Nummer 13. Müller ist praktisch in diesem funktionierenden Team nicht ersetzbar. Deshalb müssen andere noch stärker ran und dem Ersatzspieler egal ob Kroos oder Trochowski helfen. Jetzt zeigt sich, ob die Mannschaft eine Einheit ist. Ich stelle mir das schon schwierig vor, du spielst im Halbfinale für Müller und weißt, bei einem Sieg bis du im Finale nicht dabei. Ich glaube, wenn die Nationalmannschaft dieses Spiel gegen Spanien gewinnt, wird sie auch Weltmeister. Im Altersvergleich sind die entscheidenen Spieler bei Spanien auch schon Ende Zwanzig und Torres ist nicht der Alte aufgrund seiner Knieverletzungen. Wenn Villa ausgeschaltet werden kann, so wie Messie und Rooney in den vorhergehenden Spielen gibt es einen Sieg. Mein Tipp: Die Nationalmannschaft schlägt die Mannschaft Spaniens mit 2 : 1.
2. 3:2
Gebetsmühle 04.07.2010
spanien ist ein sehr schwerer gegner, vielleicht der schwerste überhaupt. deutschland wird 3:2 gewinnen, mein tip.
Zitat von sysopSpaniens Sieg gegen Paraguay war hart erkämpft. Davon sollte sich Deutschland nicht täuschen lassen: Auch wenn der Motor manchmal stottert, funktioniert die Mannschaft, verliert nie den Überblick. Und im Halbfinale wird die "rote Furie" noch stärker sein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,704539,00.html
spanien ist ein sehr schwerer gegner, vielleicht der schwerste überhaupt. deutschland wird 3:2 gewinnen, mein tip.
3. ...
Phoeni 04.07.2010
Sollte man alles nicht zu ernst nehmen. Paraguay hat mit ihren "begrenzten" technischen Möglichkeiten gezeigt, wie man die Schnittstellen im spanischen Offensivspiel lahmlegt. Die Schweiz hat gezeigt, dass Spanien nun [...]
Sollte man alles nicht zu ernst nehmen. Paraguay hat mit ihren "begrenzten" technischen Möglichkeiten gezeigt, wie man die Schnittstellen im spanischen Offensivspiel lahmlegt. Die Schweiz hat gezeigt, dass Spanien nun doch nicht unschlagbar ist und das Spiel gegen Portugal sei Dank hat gezeigt, wie die Spanier spielen können, wenn man sie lässt. Villa ist ein klasse Spieler, keine Frage, in Verbindung mit Xavi und Iniesta eine brandgefährliche Kombination. Torres ist durch seine Verletzung wohl einfach noch nicht auf der Höhe der Zeit, aber zumindest hat er eine Ausrede im Vergleich zu all den Superstars, die mittlerweile wieder zu Hause sind. In Anbetracht, wie offensivstark sich Argentinien bisher zeigte, und was im Vergleich dazu Spanien bewirkte - beide Mannschaften hatten bis dato (außer Argentinien nun bei ihrem 0-4) keine wirklich starken Gegner, würde ich Argentinien eigentlich stärker einschätzen als Spanien. Da unsere Jungs irgendwie ein Faible für die Zahl 4 entwickelt haben, muss die spanische Offensivabteilung gewaltig zulegen und ihre Tore auch reinmachen - also entweder auf einen schlechten Tag von Neuer hoffen oder schlicht durchshclagskräftiger werden - oder Spanien darf sich mit ihrem bis dato größtem Erfolg bei einer WM begnügen und uns im Finale zu schauen. Bleibt unsere Abwehr wie gegen Argentinien so stabil, wird Spanien genauso ein bezwingbarer Gegner wie England oder Argentinien.
4. Spanien ist sicherlich zu schlagen, wenn...
paml1983 04.07.2010
---------------------------- ..die Deutsche Nationalmannschaft noch eine oder vielleicht sogar zwei "Schippen" drauflegt. Gegen Argentinien gingen trotz und alledem zuviele Bälle verloren, was gegen Spanien sehr [...]
Zitat von PhoeniSollte man alles nicht zu ernst nehmen. Paraguay hat mit ihren "begrenzten" technischen Möglichkeiten gezeigt, wie man die Schnittstellen im spanischen Offensivspiel lahmlegt. Die Schweiz hat gezeigt, dass Spanien nun doch nicht unschlagbar ist und das Spiel gegen Portugal sei Dank hat gezeigt, wie die Spanier spielen können, wenn man sie lässt. Villa ist ein klasse Spieler, keine Frage, in Verbindung mit Xavi und Iniesta eine brandgefährliche Kombination. Torres ist durch seine Verletzung wohl einfach noch nicht auf der Höhe der Zeit, aber zumindest hat er eine Ausrede im Vergleich zu all den Superstars, die mittlerweile wieder zu Hause sind. In Anbetracht, wie offensivstark sich Argentinien bisher zeigte, und was im Vergleich dazu Spanien bewirkte - beide Mannschaften hatten bis dato (außer Argentinien nun bei ihrem 0-4) keine wirklich starken Gegner, würde ich Argentinien eigentlich stärker einschätzen als Spanien. Da unsere Jungs irgendwie ein Faible für die Zahl 4 entwickelt haben, muss die spanische Offensivabteilung gewaltig zulegen und ihre Tore auch reinmachen - also entweder auf einen schlechten Tag von Neuer hoffen oder schlicht durchshclagskräftiger werden - oder Spanien darf sich mit ihrem bis dato größtem Erfolg bei einer WM begnügen und uns im Finale zu schauen. Bleibt unsere Abwehr wie gegen Argentinien so stabil, wird Spanien genauso ein bezwingbarer Gegner wie England oder Argentinien.
---------------------------- ..die Deutsche Nationalmannschaft noch eine oder vielleicht sogar zwei "Schippen" drauflegt. Gegen Argentinien gingen trotz und alledem zuviele Bälle verloren, was gegen Spanien sehr schnell gefährlich werden könnte. Es wird ein "heißer Kampf" mit einer Chance von 50:50 auf den Sieg, der bessere wird gewinnen, vor allem, wenn Villa so "abgemeldet" werden kann, wie Messi und das scheint mir nicht möglich zu sein...! Tipp: Deutschland - Spanien 1:0 - Torschütze: Klose ca. 10. Minute mit dem Kopf auf Vorlage Lahm, dann verteidigen, verteidigen, verteidigen....
5. kein tittel
Gebetsmühle 04.07.2010
geschätzter florian geyer aus dem zobelschen schloss in giebelstadt, dieses team funktioniert gerade deshalb, weil jeder ersetzbar ist und weil der zweite mann sich nahtlos in die lücke eingliedert. das hat sie bereits [...]
Zitat von Florian GeyerMüller ist praktisch in diesem funktionierenden Team nicht ersetzbar.
geschätzter florian geyer aus dem zobelschen schloss in giebelstadt, dieses team funktioniert gerade deshalb, weil jeder ersetzbar ist und weil der zweite mann sich nahtlos in die lücke eingliedert. das hat sie bereits bewiesen. sie hat öfter schon jemanden ersetzt, egal ob adler, ballack, klose oder wen auch sonst. ich bin übrigens für kroos. trochowski hat in letzter zeit nicht so die leistung gebracht und ist auch nicht so kampf und leistungsbereit. der kroos der will wirklich und der macht das auch. der lohn: weltmeister. also dafür würd ichs dann doch machen. ausserdem steht noch gar nicht fest wer im endspiel dann spielen würde. von der lungenentzündung bis zum sündesmoseband hats alles schon gegeben. auf jeden fall hat die dann alles in der hand. aber holland oder urugay würd ich nicht unterschätzen. ich tippe eh auf uruguay, weil die wirklich sehr abwehrstark sind und ein eingespieltes traumduo im angriff haben mit suares und forlan. schon ende zwanzig klingt irgendwie mehr nach mutmachen. villa allein gewinnt auch nicht. ich bleibe beim 3:2 für deutschland.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter RSS
alles zum Thema Fußball-WM 2010
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten