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02.11.2011
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Bayers Champions-League-Pleite

Sauer in der Sandgrube

Von
dapd

Erst patzte Torwart Bernd Leno schwer, dann zählte der vermeintliche Ausgleich von André Schürrle nicht: Bei Bayer Leverkusen herrscht nach der Pleite in Valencia Wut und Enttäuschung - und auch ein wenig Angst. Denn jetzt ist der Achtelfinal-Einzug wieder in Gefahr.

Robin Dutt war sauer. Richtig sauer. "Das hat mit Champions League nichts zu tun", wetterte Leverkusens Coach. Der 46-Jährige sprach allerdings nicht über seine Mannschaft, die am Dienstagabend in Spanien das Gruppenspiel beim FC Valencia verloren hatte. Dutt regte sich über das Schiedsrichter-Gespann auf. Auslöser für seine Wut waren zwei Entscheidungen vom schwedischen Referee Jonas Eriksson. Fehlentscheidungen in den Augen von Dutt, die maßgeblich zu der 1:3 (1:1)-Pleite beigetragen hätten. "Solche Dinge kannst du auf diesem Niveau nicht übersehen."

Dutts Ärger war der emotionale Abschluss eines turbulenten Abends, an dem Bayer leichtfertig die gute Ausgangsposition in der Gruppe E verspielt hatte. "Auch wenn es nach einem 1:3 vermessen klingt, hier wäre nicht nur ein Unentschieden für uns möglich gewesen", sagte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser - und hatte recht.

Die zweite Champions-League-Pleite in dieser Saison war vermeidbar, obwohl das Spiel "brutal" (Michael Ballack) angefangen hatte. Zehn Sekunden waren gerade erst absolviert, als Torwart Bernd Leno einen verhängnisvollen Pass zu Valencias Jonas spielte, der mit einem platzierten Flachschuss das 1:0 für die Gastgeber erzielte. Es war nach Roy Makaays Treffer für den FC Bayern München gegen Real Madrid im Jahr 2007 der bisher zweitschnellste Champions-League-Treffer der Geschichte. Ausgerechnet Leno patzte, der seit seiner Leihe vom VfB Stuttgart so stark gehalten hatte - und den Bayer inzwischen lieber heute als morgen fest verpflichten würde. "Ich hatte einen Blackout", sagte Leno, Sportdirektor Rudi Völler dachte, er sei "im falschen Film".

Dutt missfielen allerdings schon die Aktionen direkt nach dem Anstoß. "Wir dürfen in dieser Sandgrube nicht zwei Rückpässe spielen", ärgerte sich Dutt über den zögerlichen Start seiner Elf auf dem holprigen Rasen. Bayer drohte früh ein Debakel, weil der Gegentreffer Wirkung zeigte und die Verteidigung die Ordnung verlor. 71 Prozent Ballbesitz hatten die Spanier in der Anfangsphase, es war fast wie im Hinspiel, als Bayer nur durch eine Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte 2:1 gewann und Leno zuvor glänzend hielt.

Dass es trotzdem zu einem der "besseren" (Holzhäuser) Bayer-Spiele in dieser bisher so durchwachsenen Saison wurde, lag auch an Ballack. Der Mittelfeldstar war nach seinem Nasenbeinbruch mit einer Maske in die Partie gegangen - und bereitete den Ausgleich durch Stefan Kießling mit einer Flanke von der linken Seite vor (31.). "Die Mannschaft hat sich nach dem frühen Fehler, der passieren kann, noch aufgebäumt", sagte Holzhäuser. Eine Qualität, die Bayer in der Bundesliga zuletzt vermissen ließ.

Bayer bezahlt für das Risiko

Auch das 1:2 durch Roberto Soldado (65.) konterte Bayer. André Schürrle erzielte ein regelgerechtes Tor (70.), das der Schiedsrichter wegen vermeintlicher Abseitsstellung allerdings nicht anerkannte. Dutt reagierte mit Unverständnis. "Wir haben inzwischen fünf Schiedsrichter um den Platz, einer steht fünf Meter daneben und das Foul wird übersehen, es wird auf Abseits entschieden. Was ist denn da los?", sagte der Coach, der vor dem 3:1 für Valencia durch Adil Rami (75.) auch ein Foul an Lars Bender gesehen hatte.

Dutts Aufregung ist verständlich. Schon mit einem Unentschieden hätten sich die Aussichten auf das Achtelfinale drastisch erhöht, der Abstand zu den Spaniern wäre gleich geblieben. Jetzt ist auch der direkte Vergleich mit Valencia verloren. Vier Punkte hatte Leverkusen Vorsprung, jetzt ist es noch einer. Nun muss Bayer aus dem Heimspiel gegen den FC Chelsea (acht Punkte) und in Genk (zwei) idealerweise noch vier Punkte holen.

Dass es in Spanien nicht einmal zu einem Punkt gereicht hat, lag allerdings nicht nur am Schiedsrichter. Einmal mehr offenbarte die Bayer-Defensive Schwächen, vor allem die Außenbahnen mit Michal Kadlec und Gonzalo Castro, die mehrmals überrannt wurden. Dutt musste zudem eingestehen, dass die Taktik für die zweite Hälfte alles andere als optimal war. "Wir hatten das Publikum schon soweit, dass es die eigene Mannschaft ausgepfiffen hat, aber mit zunehmender Spieldauer sind wir vielleicht zu viel Risiko gegangen. Dafür sind wir bestraft worden", sagte Dutt.

Die Möglichkeit zur Wiedergutmachung bietet sich am Samstag in der Bundesliga gegen den Hamburger SV. Und bei aller aktuell vorherrschenden Wut und Enttäuschung sollte sich Bayer bemühen, gegen den taumelnden Liga-Konkurrenten besonders klar im Kopf zu sein. Nach der unglücklichen Champions-League-Niederlage gegen den FC Chelsea im September folgte nämlich ein denkwürdiges Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Leverkusen verlor 1:4.

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insgesamt 1 Beitrag
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WhereIsMyMoney 02.11.2011
Ja, diese Niederlage war mehr als unnötig, aber bei deutschen Mannschaften muss das ja nichts heissen. Die schaffen es alles zu verlieren. Doch hier muss ich eher der UEFA einen Vorwurf machen. Wie kann man einen schwedischen [...]
Ja, diese Niederlage war mehr als unnötig, aber bei deutschen Mannschaften muss das ja nichts heissen. Die schaffen es alles zu verlieren. Doch hier muss ich eher der UEFA einen Vorwurf machen. Wie kann man einen schwedischen Schiedsrichter nach Valencia schicken? Ein Italiener hätte hergemusst. Das Ausgleichtor nicht anerkannt und dann das 3-1 anerkannt. Lächerlich!

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