08.02.2012
Halbfinaleinzug im DFB-Pokal
Bayern schießt sich aus der Krise
Hamburg - Wie schwer einer Mannschaft Leichtigkeit fallen kann, hat der FC Bayern in der Bundesliga-Rückrunde bisher leidvoll erfahren müssen. Im Jahr 2012 offenbarte das Team von Trainer Jupp Heynckes plötzlich bei elementaren Dingen des Fußballs Schwächen: Tore verhindern und Tore schießen, beispielsweise. Im Viertelfinale des DFB-Pokals, da wollte selbst beim Rekordmeister niemand widersprechen, ging es deshalb nicht nur um einen Sieg, sondern auch um einen neuen Zugang zu alter Stärke.
Wie angenehm war es da, dass der Gegner am Mittwochabend VfB Stuttgart hieß. Bei erschreckend schwachen Gastgebern gewannen die Münchner hochverdient 2:0 (1:0) und verpassten ein deutlich höheres Ergebnis. Torschützen beim ungefährdeten Halbfinal-Einzug waren Franck Ribéry (30. Minute) und Mario Gomez (46.). "Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute dominiert und nichts zugelassen", sagte Toni Kroos. Sein Trainer Jupp Heynckes begnügte sich mit einem: "Wir haben sehr souverän gespielt."
Einzig die Sprunggelenksverletzung von Bastian Schweinsteiger (17.) trübte die Stimmung beim FC Bayern. "Eine genaue Diagnose gibt es erst am Donnerstag nach der Kernspintomografie. Wir hoffen, dass es nichts Schlimmes ist", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger.
Der VfB zeigte gegen verbesserte Bayern vor allem in der Abwehr große Schwächen. Allein Kroos, der im zentralen offensiven Mittelfeld beginnen durfte, bekam die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia nie in den Griff. Der Nationalspieler verpasste in der 20. Minute den Führungstreffer nur knapp, nachdem VfB-Keeper Sven Ulreich seinen Schuss an die Latte lenkte. Sekunden später jagte Kroos den Ball nur Zentimeter über das Aluminium.
Gomez trifft 33 Sekunden nach Wiederanpfiff
Zu diesem Zeitpunkt war Schweinsteiger bereits nicht mehr auf dem Feld. Er hatte sich bei einem Tritt von Georg Niedermeier am rechten Knöchel verletzt und konnte nicht mehr weiterspielen. Für ihn kam David Alaba. Während Vedad Ibisevic per Kopf Stuttgarts beste Chance vergab (15.), nutzte Ribéry einen Stellungsfehler zur Führung der Gäste. Thomas Müller, der für Arjen Robben von Beginn an auflief, hatte den Franzosen bedient (30.).
Bayerns zweiter Treffer gelang ähnlich leicht. Schiedsrichter Florian Meyer hatte die zweite Hälfte gerade erst angepfiffen, als Müller mit einem Pass Gomez fand. Der Angreifer wurde von gleich drei VfB-Verteidigern alleingelassen, scheiterte allerdings zunächst an Ulreich. Im Nachsetzen beförderte der 26-Jährige den Ball dann zum 2:0 über die Linie (46.). 33 Sekunden waren im zweiten Durchgang absolviert.
"Wenn wir so kompakt auftreten wie in Leverkusen, können wir jeden schlagen", hatte Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic nach dem 2:2 des VfB am 20. Bundesliga-Spieltag gesagt. Spätestens Mitte der zweiten Halbzeit klangen seine Worte wie bloßes Wunschdenken. Die Gäste hatten die Partie nun endgültig im Griff.
Bayern mit besserem Pressing
Aggressiver in den Zweikämpfen und mit effektiverem Pressing als zuletzt, hielten die Bayern ihren Gegner vom eigenen Tor fern. Das funktionierte so gut, dass die Heimfans unter den 57.500 Zuschauern außer einem Weitschuss von Ibisevic (72.) nichts zu sehen bekamen, was die Bezeichnung "Torchance" verdient hätte.
Auf der anderen Seite konnte sich der Rekordmeister etliche Nachlässigkeiten im Strafraum erlauben. Der Club traf am Mittwoch auf einen Gegner, der die mangelnde Effektivität - der einzige Vorwurf, den man der Mannschaft von Trainer Heynckes machen konnte - zu keinem Zeitpunkt hätte ausnutzen können. Stuttgarts Torwart Ulreich sagte: "Uns hat der Mut gefehlt, nach vorne haben wir nichts zustande gebracht."
VfB Stuttgart - Bayern München 0:2 (0:1)
0:1 Ribéry (30.)
0:2 Gomez (46.)
Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz, Tasci, Niedermeier, Molinaro - Kvist, Gentner (83. Holzhauser) - Okazaki (57. Harnik), Schieber (70. Hajnal) - Ibisevic, Cacau
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger (17. Alaba), Luiz Gustavo - Thomas Müller, Toni Kroos (89. Timoschtschuk), Ribéry (83. Olic) - Gomez
Schiedsrichter: Meyer
Zuschauer: 57.500
Gelbe Karten: Ibisevic, Schieber - Boateng (2), Ribéry
chp