Lade Daten...
09.02.2012
Schrift:
-
+

Bayern-Sieg im DFB-Pokal

Ohne Robben läuft es rund

Von Tim Röhn, Stuttgart
Foto: imago

Zurück in der Erfolgsspur: Der FC Bayern hat sich im DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfB Stuttgart souverän durchgesetzt - weil Trainer Jupp Heynckes eingesehen hat, dass er die Offensive umbauen muss. Doch jetzt hat der Verein ein Problem.

Arjen Robben sah sie schon kommen, die vielen Fragen der Journalisten. Also marschierte er schnellen Schrittes aus der Kabine in Richtung Mannschaftsbus und winkte ab: heute keine Stellungnahme. Seine einzigen Worte: "Nein, nein, nein. Danke. Ciao." Dann war er weg.

Obwohl der 28 Jahre alte Flügelspieler am Mittwochabend gar nicht spielte, stand er hinterher im Mittelpunkt des Interesses. Der FC Bayern hatte das DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfB Stuttgart 2:0 (1:0) gewonnen und eine Leistung gezeigt, die zum ersten Mal in diesem Jahr an die Hochphase im vergangenen Herbst erinnerte. "Wir haben sehr gut gespielt", sagte Trainer Jupp Heynckes kurz und knapp.

Um dieses hohe Leistungsniveau bei seinen Schützlingen zu erreichen, musste der Bayern-Trainer seinen niederländischen Superstar aus der Mannschaft nehmen. Robben hatte in den ersten drei Rückrundenspielen wenig überzeugt. Seine in den Vorjahren so gefürchteten Dribblings, bei denen er von rechts meist in die Mitte zieht, scheinen von Woche zu Woche immer mehr zu verpuffen.

Fotostrecke

DFB-Pokal: Robben nur auf der Bank
Noch schwerer wiegt: Wenn Robben spielt, muss Offensiv-Allrounder Thomas Müller hinter Stürmer Mario Gomez ran - auf der Lieblingsposition von Toni Kroos, der ins defensive Mittelfeld ausweichen muss. Es ist eine Formation, mit der der FC Bayern in die Krise abgeglitten war. Weil sich dringend etwas ändern musste, reagierte Heynckes und nahm Robben in Stuttgart raus. Er wurde nicht einmal eingewechselt. Kroos durfte vorrücken, Müller nahm die Robben-Rolle ein. Der offene Platz neben Bastian Schweinsteiger als Abräumer wurde Luiz Gustavo zuteil.

Ribéry und Kroos harmonieren im Mittelfeld

Dass diese Umstellungen für eine derartige Leistungssteigerung sorgte, dürfte aber sogar den Trainer selbst überrascht haben. Denn all das, was Fans und Bosse zuletzt vermissten, war plötzlich da: Ideenreichtum im Spiel nach vorne, Schnelligkeit, Torgefahr, der unbändige Wille, das Spiel zu gewinnen. Nicht einmal die frühe Auswechslung von Schweinsteiger (17.), der einen Tritt von Georg Niedermeier gegen den rechten Knöchel abbekam und sich einen Riss des vorderen Außenbandes im rechten Sprunggelenk zuzog, verunsicherte die Münchner.

Während die Angriffe der leidenschaftslosen und über 90 Minuten ängstlichen Stuttgarter abgeleitet wurden, rollte der Ball bei den Offensivaktionen anders als zuletzt ohne Umwege Richtung gegnerisches Tor. "Er kann auch mal bis zur Grundlinie durchstoßen und dann mit rechts flanken", hatte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger vor dem Spiel über Müller gesagt.

Tatsächlich sprintete der Nationalspieler auf rechts auf und ab und gab die Vorlagen zu den Toren von Franck Ribéry (30.), der auf höchstem Niveau agierte, und Gomez (46.). Dazu war Kroos stets anspielbereit, suchte den Weg zum Tor und harmonierte im Zusammenspiel mit Ribéry, das zuletzt aufgrund der räumlichen Entfernung nicht möglich war. Kroos, kaum wieder zu erkennen, muss sich als Sechser in den vergangenen Wochen gefühlt haben wie ein Blumenverkäufer in der Metzgerei.

"Man kann sagen, dass wir ein hervorragendes Spiel gemacht haben. So ungefähr stellt man sich das vor", sagte er nach dem Spiel, ohne den Wunsch zu äußern, ab sofort nie mehr auf einer anderen Position spielen zu müssen. Das übernahmen andere. Ribéry, der sich ob seiner starken Auftritte wohl dazu berufen sieht, zum Lautsprecher zu werden, erklärte erneut: "Toni muss auf der Zehn spielen, das ist am besten für uns."

Robben droht auch in der Bundesliga die Bank

Zu der Degradierung seines Flügel-Pendants Robben wollte er sich dagegen nicht äußern. Auch ihm wird sicher nicht entgangen sein, dass Robben für die Bayern verzichtbar geworden ist. Das sehen die Verantwortlichen - zumindest bekunden sie das öffentlich - anders.

Trainer Heynckes sagte: "Ich hätte auch jeden anderen Spieler in der Offensive rausnehmen können." Und Nerlinger erklärte: "Wir haben eine hochkarätige Offensivabteilung. Damit muss man als Spieler umgehen können. Es gibt nichts zu dramatisieren."

Dennoch stecken die Bayern nun in einem Dilemma. Heynckes kann die Mannschaft nach dieser Vorstellung vor dem Spiel gegen Kaiserslautern am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) nicht umbauen. Er muss Robben erneut auf die Bank setzen, der Frust bei dem selbstbewussten Niederländer wird weiter wachsen.

Das Problem für die Bayern-Bosse: Im Trainingslager in Katar hatten beide Seiten Anfang Januar sehr deutlich signalisiert, dass die Verlängerung des bis 2013 laufenden Vertrags nur eine Formsache sein würde - trotz der Verletzungsanfälligkeit des Spielers, seines horrenden Gehalts und der Tatsache, dass die Mannschaft im Herbst 2011 ohne Robben viele hochklassige Spiele machte. Diese Debatte, die mit den gegenseitigen Treuebekundungen beendet wurde, wird nun neu entflammen.

VfB Stuttgart - Bayern München 0:2 (0:1)
0:1 Ribéry (30.)
0:2 Gomez (46.)
Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz, Tasci, Niedermeier, Molinaro - Kvist, Gentner (83. Holzhauser) - Okazaki (57. Harnik), Schieber (70. Hajnal) - Ibisevic, Cacau
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger (17. Alaba), Luiz Gustavo - Thomas Müller, Toni Kroos (89. Timoschtschuk), Ribéry (83. Olic) - Gomez
Schiedsrichter: Meyer
Zuschauer: 57.500
Gelbe Karten: Ibisevic, Schieber - Boateng (2), Ribéry

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
1. Muss so sein
Freifrau von Hase 09.02.2012
Mal Robben auf der Bank, mal Müller.....das ist nicht dramatisch, eine Mannschaft wie Bayern muss sogar so besetzt sein. Einfach mal schauen, wer in Madrid und Barcelona hin und wieder auf dem Bänckchen Platz nehmen muss.
Mal Robben auf der Bank, mal Müller.....das ist nicht dramatisch, eine Mannschaft wie Bayern muss sogar so besetzt sein. Einfach mal schauen, wer in Madrid und Barcelona hin und wieder auf dem Bänckchen Platz nehmen muss.
2. Nettes Spielchen gestern....
Jonny_C 09.02.2012
...war 90 Minuten gute Unterhaltung. Ich als nicht Fussball-Kenner hatte gedacht der Robben ist nicht im Spiel, weil er ein "Weichei" ist dem die Kälte nicht bekommt. Das ist mir vor einem Jahr schon aufgefallen, [...]
Zitat von sysopZurück in der Erfolgsspur: Der FC Bayern hat sich im DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfB Stuttgart souverän durchgesetzt - weil Trainer Jupp Heynckes eingesehen hat, dass er die Offensive umbauen muss. Doch jetzt hat der Verein ein Problem. Bayern-Sieg*im DFB-Pokal: Ohne Robben läuft es rund - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,814206,00.html)
...war 90 Minuten gute Unterhaltung. Ich als nicht Fussball-Kenner hatte gedacht der Robben ist nicht im Spiel, weil er ein "Weichei" ist dem die Kälte nicht bekommt. Das ist mir vor einem Jahr schon aufgefallen, der spielte auch da schon mit Strumpfhosen und Handschuhen, wenn die Teamkollegen noch mit kurzen Ärmeln spielten... So kann man sich irren. ;-)
3. Nichts neues
Llares 09.02.2012
Ist Robben gut drauf, verbessert er die ganze Mannschaft und kann Spiele alleine entscheiden. Ist er allerdings schlecht drauf, zeiht er die gesamte Mannschaft mit runter! Das war schon immer so, seit Robben bei den Bayern [...]
Ist Robben gut drauf, verbessert er die ganze Mannschaft und kann Spiele alleine entscheiden. Ist er allerdings schlecht drauf, zeiht er die gesamte Mannschaft mit runter! Das war schon immer so, seit Robben bei den Bayern ist. Die Fragen, die man sich stellen muss, sind dann: 1. Warum erreicht robben nur so schwerein konstant! gutes Niveau? 2. Warum ist die Mannschaft so abhängig vom Spiel dieses Spielers? 3. Will und kann ich den Erfolg von einem Mann abhängig machen? So, nun dürft ihr ran, liebe Nationaltrainer :)
4. Läufer anstatt Dame opfern!
natschos83 09.02.2012
Prinz Robben auf die Bank zu setzen ist angesichts der folgenden Presseturbolenzen sehr mutig aber richtig! Auch wenn dadurch ein technisch starker Einzelspieler geopfert wird entsteht dadurch Raum für neue Strukturen die [...]
Zitat von sysopZurück in der Erfolgsspur: Der FC Bayern hat sich im DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfB Stuttgart souverän durchgesetzt - weil Trainer Jupp Heynckes eingesehen hat, dass er die Offensive umbauen muss. Doch jetzt hat der Verein ein Problem. Bayern-Sieg*im DFB-Pokal: Ohne Robben läuft es rund - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,814206,00.html)
Prinz Robben auf die Bank zu setzen ist angesichts der folgenden Presseturbolenzen sehr mutig aber richtig! Auch wenn dadurch ein technisch starker Einzelspieler geopfert wird entsteht dadurch Raum für neue Strukturen die einfach besser zum Spiel der Bayern passen. Zudem ist Müller auch der bessere Teamspieler der auch seine Kollegen mal gut in Szene setzen kann und hin und wieder auch mal die Fehler bei sich selber sucht. Hoffe dass die ganze Pressegeschichte von den Bayern und vor Allem von Robben nun professionell abgefertigt und erstickt wird. Mit Robben, hätte man aufjedenfall einen starken Joker den man auch mal bringen kann wenn es nicht so gut läuft!
5. gähnend langweilig
misprint 09.02.2012
Wie man den Grottenkick als "gute Unterhaltung" einstufen kann, ist mir nicht ganz klar - aber egal. Es ist keine Überraschung, dass die Bayern eine ordentliche Partie gezeigt haben, denn bei einem Gegner der [...]
Wie man den Grottenkick als "gute Unterhaltung" einstufen kann, ist mir nicht ganz klar - aber egal. Es ist keine Überraschung, dass die Bayern eine ordentliche Partie gezeigt haben, denn bei einem Gegner der Arbeitsverweigerung betreibt und schlechter spielt als ein Regionalligist ist das eben keine Kunst. Wer nun ankommt und sagt, dass das total an der neuen Aufstellung und Kroos auf der 10 und Müller auf Rechtsaußen gelegen hat, der tut mir wirklich Leid und der wird spätestens am Wochenende ganz fürchterlich überrascht sein. Denn jede Mannschaft auf Bundesliganiveau (der VfB war das gestern nicht) spielt da besser. Und jeder CL-Teilnehmer erst recht. Ich würde an der Stelle des FCB ein bisschen vorsichtig sein, dass nun nicht schon wieder der Größenwahn aufkommt, sonst ist am Wochenende wieder der schlechte Rasen schuld, oder das Flutlicht, oder die lauten Fans, wenns mal wieder in die Hose geht gegen einen Gegner der wenigstens versucht sich den Arsch aufzureißen.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

DFB-Pokalsieger seit 1990

Jahr Sieger
2013 FC Bayern München
2012 Borussia Dortmund
2011 FC Schalke 04
2010 FC Bayern München
2009 Werder Bremen
2008 FC Bayern München
2007 1. FC Nürnberg
2006 FC Bayern München
2005 FC Bayern München
2004 Werder Bremen
2003 FC Bayern München
2002 FC Schalke 04
2001 FC Schalke 04
2000 FC Bayern München
1999 Werder Bremen
1998 FC Bayern München
1997 VfB Stuttgart
1996 1. FC Kaiserslautern
1995 Borussia Mönchengladbach
1994 Werder Bremen
1993 Bayer Leverkusen
1992 Hannover 96
1991 Werder Bremen
1990 1. FC Kaiserslautern

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter RSS
alles zum Thema DFB-Pokal
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten