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14.02.2012
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Spanischer Sportminister

"Natürlich haben wir ein Doping-Problem"

DPA

Spaniens Sportminister Wert: "Das ist kein Geheimnis"

Sportminister José Ignacio Wert hat zugegeben, dass Spanien ein Doping-Problem habe. Bislang galt das Land als wenig kritisch gegenüber diesem Thema. Grund für diese neue Offenheit ist die Bewerbung Spaniens für die Olympischen Sommerspiele 2020.

Hamburg - Spaniens Regierung will den Kampf gegen Doping aufnehmen. "Natürlich haben wir ein Doping-Problem. Das ist kein Geheimnis", sagte Sportminister José Ignacio Wert am Dienstag. Der 62-Jährige will die spanischen Anti-Doping-Gesetze mit den Anforderungen der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada in Einklang bringen.

Die Einsicht ist in erster Linie mit der Hoffnung verbunden, dadurch bessere Aussichten im Rennen um die Olympischen Spiele 2020 zu schaffen, für die sich die spanische Hauptstadt Madrid beworben hat. "Deshalb werden wir so schnell wie möglich eine Änderung des Anti-Doping-Gesetzes vornehmen", sagte Wert.

Die spanischen Verbände und Behörden waren bislang nicht als besonders kritische Doping-Jäger bekannt. Der vom internationalen Sportgerichtshof Cas wegen Dopings schuldig gesprochene Radrennprofi Alberto Contador war vor dem Verfahren vom spanischen Verband freigesprochen worden. Auch das Urteil gegen Contador, dessen Tour-Sieg 2010 und der Giro-Triumph 2011 aberkannt wurden, sorgte in Spanien für Empörung.

Nicht nur der Fall Contador, sondern auch eine Satiresendung des französischen Fernsehsenders Canal Plus hatte in Spanien Entrüstung ausgelöst. In der Sendung "Les guignols" war behauptet worden, dass "die spanischen Sportler nicht durch Zufall gewinnen". Dabei wurden unter anderem Puppen von Tennisstar Rafael Nadal und von Real-Madrid-Torhüter Iker Casillas gezeigt, wie diese mit Spritzen eine Solidaritätserklärung mit Contador unterzeichneten. Die spanische Regierung hatte sich daraufhin beim Obersten Sportrat in Paris beschwert.

bka/dpa/sid/Reuters

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insgesamt 6 Beiträge
1. die sogenannte neue Offenheit,.........
hans a. plast 14.02.2012
Bin schon gespannt, wie die neue Offenheit dann konkret aussehen wird, denn bisher fuehlten sich die spanischen Funktionaere ja immer kollektiv von anderen angepist, durch die Bank unterstuetzt von den politischen Parteien [...]
Zitat von sysopDPASpaniens Sportminister José Ignacio Wert hat zugegeben, dass sein Land ein Doping-Problem habe. Bislang galt das Land als wenig kritisch gegenüber diesem Thema. Grund für diese neue Offenheit ist die Bewerbung Spaniens für die Olympischen Spiele 2020. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,815282,00.html
Bin schon gespannt, wie die neue Offenheit dann konkret aussehen wird, denn bisher fuehlten sich die spanischen Funktionaere ja immer kollektiv von anderen angepist, durch die Bank unterstuetzt von den politischen Parteien fast aller Richtungen. Das Bild vom gedopten Nadal in der Presse war wirklich Klasse!
2. problem journalismus
daniel53 14.02.2012
hab 3 Jahre in Madrid gelebt und musste in vielen Momenten mit Erschrecken feststellen, wie unkritisch sich die Sport-Journalisten verhalten. Investiger Journalismus findet in Spanien gerde mit Blick auf das vorliegende Thema so [...]
hab 3 Jahre in Madrid gelebt und musste in vielen Momenten mit Erschrecken feststellen, wie unkritisch sich die Sport-Journalisten verhalten. Investiger Journalismus findet in Spanien gerde mit Blick auf das vorliegende Thema so gut wie gar nicht statt. Zumindest nicht in dem Maße, dass er in das Bewusstsein der Bevölkerung vorzudringen vermöge. Eine Vorgehensweise wie hier in den Fällen Ullrich, Pechstein etc ist vielen Spaniern vollkommen fremd.
3. Noch viel schlimmer
gekkox 14.02.2012
Es ist nicht nur so, dass es ihnen völlig fremd ist, sie sind auch überzeugt, dass es anderswo genauso gehandhabt wird. Heute in El Mundo in den Kommentaren unter genau dieser Meldung haben sie alle über diesen Minister [...]
Zitat von daniel53hab 3 Jahre in Madrid gelebt und musste in vielen Momenten mit Erschrecken feststellen, wie unkritisch sich die Sport-Journalisten verhalten. Investiger Journalismus findet in Spanien gerde mit Blick auf das vorliegende Thema so gut wie gar nicht statt. Zumindest nicht in dem Maße, dass er in das Bewusstsein der Bevölkerung vorzudringen vermöge. Eine Vorgehensweise wie hier in den Fällen Ullrich, Pechstein etc ist vielen Spaniern vollkommen fremd.
Es ist nicht nur so, dass es ihnen völlig fremd ist, sie sind auch überzeugt, dass es anderswo genauso gehandhabt wird. Heute in El Mundo in den Kommentaren unter genau dieser Meldung haben sie alle über diesen Minister geschimpft der nun wieder mal "typisch spanisch" sich grundlos schuldig bekennen würde. In anderen Ländern wie Frankreich, England oder Deutschland würde es so was niemals geben...
4. Dr.Fuentes
didigermany 14.02.2012
Jan Ulrich war ein Patient, Nadal war Patient. Und Dr.Fuentes hatte oeefentlich erklaert er habe nicht nur im Radsport sondern auch in Leichtathletik, Fussball, Tennis Patienten gehabt. Das ist wohl auch der grund warum der [...]
Zitat von sysopDPASpaniens Sportminister José Ignacio Wert hat zugegeben, dass sein Land ein Doping-Problem habe. Bislang galt das Land als wenig kritisch gegenüber diesem Thema. Grund für diese neue Offenheit ist die Bewerbung Spaniens für die Olympischen Spiele 2020. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,815282,00.html
Jan Ulrich war ein Patient, Nadal war Patient. Und Dr.Fuentes hatte oeefentlich erklaert er habe nicht nur im Radsport sondern auch in Leichtathletik, Fussball, Tennis Patienten gehabt. Das ist wohl auch der grund warum der Herr Doktor heute noch frei herumlaufen kann. Wenn der in einer oeffentlichen Sitzung bei Gericht auspackt, dann wird es den spanischen Sport auf den kopf stellen.
5. Spanien-Bashing
Ostwestfale 15.02.2012
Ich kann das Spanien-Bashing beim Thema Doping nicht wirklich nachvollziehen.Das es Mißstände gibt ist klar, aber die gibt es genau so gut in den USA oder in Jamaica (im Land der Sprint-Megastars gibt es beispielsweise [...]
Zitat von sysopDPASpaniens Sportminister José Ignacio Wert hat zugegeben, dass sein Land ein Doping-Problem habe. Bislang galt das Land als wenig kritisch gegenüber diesem Thema. Grund für diese neue Offenheit ist die Bewerbung Spaniens für die Olympischen Spiele 2020. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,815282,00.html
Ich kann das Spanien-Bashing beim Thema Doping nicht wirklich nachvollziehen.Das es Mißstände gibt ist klar, aber die gibt es genau so gut in den USA oder in Jamaica (im Land der Sprint-Megastars gibt es beispielsweise keine nationale Anti-Dopingangentur).Nur bei Spanien gibt es aber immer gleich einen Aufschreien nach dem Motto "Die spanischen Sportler sind doch eh alle voll".Ich frage mich da immer, ob da nicht auch eine Portion Neid dabei ist, da die Spanier in vielen Sportarten weltklasse sind wo Deutschland es gerne wäre.Und vermutlich glauben die größten Verschwörungstheoretiker, dass selbst Fernando Alonso gedopt war als er "unserem Schumi" in einem gleichwertigen Auto den Titel weggeschnappt hat. Dass Fuentes öfter mal gesagt hat, es wären bei ihm auch andere Sportler in "Behandlung" gewesen seien ist mir bekannt.Aber es kann natürlich auch sein, dass er sich nur wichtig machen wollte.Konkrete Namen von Fußballern,Tennisspielern,Leichtathleten etc sind jedenfalls nie an die Öffentlichkeit gelangt, was eher für ein "wichtig machen" spricht als dagegen. Und es ist ja nicht so, dass spanische Radprofis nicht gesperrt wurden.Der zum Zeitpunkt der Aufdeckung des Doping-Skandals beste spanische Rundfahrer (Francisco Mancebo) ist beispielsweise gesperrt worden. Contador stand auf der Liste, ok, aber meines Wissens wurde kein Blut von ihm bei Fuentes gefunden (so wie von Ullrich und Basso beispielsweise).Bei ihm war die Faktenlage daher einfach dünner als in anderen Fällen.

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2014 Vincenzo Nibali Italien
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2012 Bradley Wiggins Großbritannien
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2010 Andy Schleck Luxemburg
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2008 Carlos Sastre Spanien
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