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18.02.2012
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Rehhagel zu Hertha

Alter Herr für Alte Dame

Von Mike Glindmeier
Otto Rehhagel: Ein Volksheld an der Linie
Fotos
DPA

Otto Rehhagel kommt nach Berlin. Nicht als Bundespräsident, sondern als Trainer der Hertha. Es ist der wohl letzte Schuss des umstrittenen Managers Michael Preetz. Viele Fans halten die Verpflichtung für einen vorgezogenen Aprilscherz, andere finden Otto gut.

In Berlin herrscht in diesen Tagen Aufruhr. An allen Ecken und Enden werden Nachfolger gesucht. Im Regierungsbezirk Mitte einer für den am Freitag zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff. Und in Charlottenburg einen für Herthas Ex-Trainer Michael Skibbe. Immerhin dieser scheint gefunden. Otto Rehhagel soll die Berliner vor dem Abstieg retten. Das bestätigte Manager Michael Preetz am Samstagnachmittag.

Viele Fans rieben sich verwundert die Augen, als es am Abend die ersten Meldungen über die Verpflichtung des 73-Jährigen gab, der zumindest vom Alter her eher für das Amt des Bundespräsidenten prädestiniert zu sein scheint als für einen Schleudersitz in Deutschlands höchster Fußballklasse. "Wie lange haben wir gerätselt, wofür wir diese Rolltreppe von der Umkleidekabine zum Spielfeld brauchen. Nun wissen wir es", frotzelt ein User in einem Hertha-Forum.

"Das mit Rehagel halte ich für einen vorweggenommenen Aprilscherz. Mit Grausen denke ich an die EM, als die Griechen mit ihrem 'Riegel-Rudi'-Gutendorf-Stil unter Trainer Rehagel Europameister wurden", postet ein Anderer in einem Hertha-Forum und unterschlägt dabei ein "h" im Nachnamen von "König Otto".

Viele Fans flüchten sich in den Zynismus: "Er (Rehhagel, Anmerkung d. Red.) kennt die Hertha ja wie aus dem Effeff, war er schließlich schon in der Saison 1963/1964 bei Hertha unter Vertrag... Keine Angst, Otto wird's schon richten", schreibt ein anderer Anhänger, über den ehemaligen Verteidiger, der von 1963 bis 1966 für die Berliner spielte und dabei in 53 Partien sechs Tore erzielte. Am 24. August 1963 stand der gebürtige Essener sogar in jener Berliner Mannschaft, die bei der Premiere im neugegründeten Oberhaus gegen den 1. FC Nürnberg ein 1:1 erzielte.

"Köpfe waschen, Arschtreten und Taktikschulung"

Der Ärger der Fans richtet sich in erster Linie gegen Preetz, der bereits bei der Demission von Markus Babbel im Dezember keine besonders glückliche Figur abgab. Für viele Anhänger hat der ehemalige Nationalstürmer nur noch einen Schuss, und nicht wenige fürchten, dass dieser im Fall Rehhagel nach hinten losgehen könnte. "Wenn Otto als Retter kommt, hat Michael Preetz seine Gesellenprüfung doch noch abgelegt. Perfekt, wenn wir dann absteigen, liegt es nicht am Trainer. Dann muss es einfach das Schicksal sein, das es nicht gut mit Hertha meint", schreibt ein Anhänger in einem anderen Hertha-Forum.

Doch es gibt auch durchaus positive Stimmen aus der Fanszene. "Rehhagel wäre ein Hammer! Köpfe waschen, Arschtreten und Taktikschulung brauchen die Mädels", weiß ein User. Gerade der EM-Titel, den Rehhagel 2004 mit Griechenland holte, scheint vielen noch zu imponieren. "Ich denke, Rehhagel ist ein guter Trainer. Das wird er nicht verlernt haben, nur weil er ein paar Jahre älter ist. Er ist mit Griechenland, das ja nun wirklich nicht damit gesegnet ist, gute Fußballer in seinen Reihen zu haben, Europameister geworden", schreibt ein Anderer.

Auch Rehhagels Vorvorgänger Babbel zeigte sich erfreut: "Das ist grandios", sagte der aktuelle Trainer von 1899 Hoffenheim im Pay-TV-Sender Sky über die bevorstehende Verpflichtung. Babbel hält den ehemaligen griechischen Nationalcoach für einen "phantastischen Trainer". "Ich habe das große Vergnügen gehabt, unter ihm trainieren zu dürfen. Ich freue mich darauf, ihn bald zu sehen", sagte Babbel.

Rehhagel soll bereits am Samstagabend nach dem Heimspiel der Berliner gegen Borussia Dortmund (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) vorgestellt werden. Vermutlich wussten die Verantwortlichen ziemlich genau, warum sie das Trainer-Fossil nicht bereits gegen den Deutschen Meister auf die Bank setzen wollten und stattdessen Nachwuchstrainer René Tretschok für diese eher unangenehme Aufgabe vorzogen.

Er hatte das Team nach dem Rauswurf vom erfolglosen Coach Michael Skibbe übernommen. Der war wiederum geholt worden, nachdem die lange Zeit erfolgreiche Zusammenarbeit mit Markus Babbel äußerst geräuschvoll beendet worden war. Rehhagel wird damit der vierte Verantwortliche für das Team in einer Saison sein.

Mit vier Bundespräsidenten kam Deutschland immerhin gut 17 Jahre aus.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
1. ....
jujo 18.02.2012
Ich denke Herr Preetz hat fertig zm Ende der Saison. Mich wundert, das die Bosse/Geldgeber diesem Blindgänger nicht schon längst gefeuert haben!
Zitat von sysopOtto Rehhagel soll nach Berlin kommen. Nicht als Bundespräsident, sondern als Trainer der Hertha. Es ist der wohl letzte Schuss des umstrittenen Managers Michael Preetz. Viele Fans halten die Verpflichtung für einen vorgezogenen Aprilscherz, andere finden Otto gut. Rehhagel zu Hertha: Alter Herr für Alte Dame - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,816132,00.html)
Ich denke Herr Preetz hat fertig zm Ende der Saison. Mich wundert, das die Bosse/Geldgeber diesem Blindgänger nicht schon längst gefeuert haben!
2. Otto find ich gut!
zimex 18.02.2012
Bei der Skibbe-Verpflichtung habe ich noch gesagt, nun steigt die Hertha ab und ich freu mich schon auf das Derby in der Alten Försterei. Das halte ich nun für nicht mehr so sicher. Mag sein Otto steht nicht für den modernen [...]
Bei der Skibbe-Verpflichtung habe ich noch gesagt, nun steigt die Hertha ab und ich freu mich schon auf das Derby in der Alten Försterei. Das halte ich nun für nicht mehr so sicher. Mag sein Otto steht nicht für den modernen Fussball, aber die recht wackelige Abwehr wird er in den Griff kriegen und Ergebnisfussball spielen lassen. Der Hertha-Fan, der mir erzählte, dass er in 37(!) Dauerkartenjahren nur 4-5 gute Spiele gesehen hat, wird sich wohl auch weiterhin gedulden müssen. Als asimilierter Berliner wünsche ich der Hertha viel Erfolg beim Nichtabstiegskampf, mein Herz schlägt aber EISERN!!!!!
3. -
meinsenf1 18.02.2012
Wer mit einer Mannschaft aus der 2.Liga kommt und direkt deutscher Meister wird, kann so schlecht nicht sein. 1. FC Kaiserslautern [...]
Wer mit einer Mannschaft aus der 2.Liga kommt und direkt deutscher Meister wird, kann so schlecht nicht sein. 1. FC Kaiserslautern (http://de.wikipedia.org/wiki/1._FC_Kaiserslautern#Als_Aufsteiger_Meister_.E2.88.92_Die_.C3.84ra_Rehhagel_.281996.E2.80.932000.29)
4. Der beste Mann für den Zweck des Ligaerhalts.
stanislaus2 18.02.2012
Rehhagel war auch damals den Bayern zu alt. Es war der erste Rauswurf eines Trainers, der auf Platz 2 der Tabelle stand und dessen Mannschaft den Uefa-Cup gewann. Der FC mussten noch 1 1/2 Jahre seinen Vertrag ausbezahlen und [...]
Rehhagel war auch damals den Bayern zu alt. Es war der erste Rauswurf eines Trainers, der auf Platz 2 der Tabelle stand und dessen Mannschaft den Uefa-Cup gewann. Der FC mussten noch 1 1/2 Jahre seinen Vertrag ausbezahlen und Rehhagel ging zum abstiegsbedrohten FC Kaiserslautern (Zweitliga durfte er lt. Münchner Vertrag trainieren und abkassieren). Im nächsten Jahr wurde er mit Kaiserslautern Deutscher Meister und Bayern München hatte die Nase gestrichen voll, trug sie aber weiter sehr hoch oben. Die deutsche Fußballwelt wieherte über Hoeness und Konsorten, die dann hinterher noch oft bewiesen, dass sie bei Fußballtrainern ein überaus schlechtes Händchen hatten. Dann ging er nach Griechenland. Als Otto II. Erst schaffte er das Unmögliche der ersten Qualifikation zur Europameisterschaft mit Griechenland und dann wurde diese Mannschaft der Klopper und Läufer Europameister (2004). Wikipedia: "Rehhagel suchte in seiner Tätigkeit als Trainer die Nähe zu seinen Spielern, wobei er auch besonderen Wert auf deren menschlichen Reife legte, und stellte sich in schwierigen Zeiten stets vor seine Mannschaft. Zu den Medien hatte er ein eher schwieriges Verhältnis, da er Kritikern oft mangelndes Fachwissen unterstellte und daher als überheblich und arrogant dargestellt wurde. Kritikern seiner häufig als altmodisch empfundenen Taktik entgegnete er: „Modern spielt, wer gewinnt.“" Kritikern kann man getrost mangelndes Fachwissen unterstellen. Er hat das Auge für Spieler, die gut zu werden versprechen und hat damit Werder Bremen über 13 Jahre zur Ausbildungsstätte deutscher Nationalspieler gemacht. Die dann schlechtere Trainer verschlissen. Rehhagel ist ein Fußballlehrer. Und er wird den Herthaner Spielern guten Fussball beibringen. Übrigens, der Jugendwahn ist auch im Fußball vorbei und billige altersdiskriminierende Bemerkungen werden in einigen Jahrzehnten die Urheber solcher böswilligen Bemerkungen selbst treffen. Rehhagel könnte Hertha auch aus dem Rollstuhl trainieren.
5. Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!
janeinistrichtig 18.02.2012
Wie schön soll das Leben eigentlich noch werden, in diesen Tagen? Falls Rehhagel tatsächlich die Hertha auf Vordermann bringen müsste, stände für mich als BP-Kandidat nur eine Existenz zur Wahl: Andi Brehme!
Wie schön soll das Leben eigentlich noch werden, in diesen Tagen? Falls Rehhagel tatsächlich die Hertha auf Vordermann bringen müsste, stände für mich als BP-Kandidat nur eine Existenz zur Wahl: Andi Brehme!

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