22.02.2012
Champions League
Stocker schockt die Bayern
Von Maximilian RauHamburg - War es das schon mit den Champions-League-Träumen des FC Bayern? Im Achtelfinal-Hinspiel kassierten die Münchner vier Minuten vor Schluss beim FC Basel den Gegentreffer durch Valentin Stocker zum 0:1 (0:0)-Endstand. Zuvor waren die Gäste über weite Strecken der Partie die spielbestimmende Mannschaft. Basel stand in der Defensive sicher und traf bereits in der ersten Halbzeit zweimal das Aluminium.
Im Rückspiel am 13. März in München müssen die Bayern nun gewinnen, um die Runde der besten Acht zu erreichen - und die Chance auf die Finalteilnahme im eigenen Stadion am 19. Mai zu wahren.
"Die Niederlage war nicht unverdient. Das müssen wir uns selbst zuschreiben", kritisierte Bayern-Torhüter Manuel Neuer: "So stellen wir uns den Fußball nicht vor." Das sah die Club-Führung wohl ähnlich: Direkt nach dem Abpfiff beorderte Münchens Sportdirektor Christian Nerlinger die Spieler in die Kabine.
"Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, dass wir das im Rückspiel nicht schaffen. Das habe ich auch der Mannschaft so gesagt", sagte Uli Hoeneß, der die Ursache für die Niederlage auch in den äußeren Umständen suchte: "Der Platz war schwierig zu spielen für unsere technisch starke Mannschaft." Angesprochen auf eine Szene in der 71. Minute, als Franck Ribéry nach seiner Auswechslung schnurstracks und sichtlich erbost an Jupp Heynckes vorbeistampfte, ohne den Trainer eines Blickes zu würdigen, machte sich der Bayern-Präsident Luft: "Hört doch auf mit dem scheiß Handschlag", fuhr er einen TV-Reporter an: "Wir sind doch nicht im Mädchenpensionat."
Badstuber klärt auf der Linie, Frei trifft die Latte
Die 38.000 Zuschauer im ausverkauften St.-Jakob-Park sahen eine chancenreiche Anfangsphase. Die ersten Möglichkeiten hatten die Bayern: Erst wurde Mario Gomez von Yann Sommer entscheidend abgedrängt (2. Minute), dann parierte der Basel-Keeper glänzend gegen Ribéry (3.). Auf der anderen Seite klärte Jérôme Boateng in höchster Not vor dem einschussbereiten Xherdan Shaqiri (8.), der ab der kommenden Saison für die Münchner auflaufen wird.
Vier Minuten später scheiterte der von Philipp Lahm freigespielte Ribéry erneut an Sommer. Danach hatten die Gäste innerhalb von nur drei Minuten großes Glück. Erst konnte Bayern-Torwart Manuel Neuer einen Versuch von Marco Streller gerade noch über die Latte lenken (16.). Die darauffolgende Ecke wurde kurz ausgeführt, nach Shaqiris Flanke kam Aleksandar Dragovic frei vor Neuer zum Kopfball, doch der Nationaltorwart lenkte den Ball an den rechten Innenpfosten. Holger Badstuber klärte den Abpraller auf der Linie.
In der 19. Minute war es dann die Latte, die für die Bayern rettete. Badstuber und Boateng hatten Alexander Frei aus den Augen verloren, der frühere Dortmunder wurde im Strafraum angespielt, zielte aber einige Zentimeter zu hoch. In der Folge standen beide Teams tiefer, die Münchner hatten deutlich höhere Spielanteile, kamen aber nur noch zu zwei letztlich ungefährlichen Fernschüssen von David Alaba (29.) und Ribéry (36.).
Beckenbauer: "Es ist schon bedenklich, was hier passiert ist"
Die zweite Hälfte war dann weit weniger ereignisreich. Die Bayern versuchten es mit mehreren Schüssen aus der Distanz, ohne jedoch große Gefahr auszustrahlen, die Gastgeber lauerten weiter auf Konter. Die beste Chance vergab Gomez in der 72. Minute. Der 26-Jährige scheiterte aus spitzem Winkel an Sommer, der lange stehen blieb und den Ball abwehren konnte.
In der 86. Minute fiel dann wie aus dem Nichts der Siegtreffer für die Schweizer, die in der zweiten Hälfte nur noch gelegentlich vor das Bayern-Tor gekommen waren. Der eingewechselte Jacques Zoua lief an der Strafraumgrenze entlang, passte in den Sechzehner auf den ebenfalls eingewechselten Stocker, der Neuer nach einem Dribbling tunnelte. "Es kann nicht sein, dass der Spieler (Vorbereiter Zoua, Anm. d. Red.) ganz allein am Strafraum entlang laufen kann", kritisierte Neuer.
Heynckes blieb trotz der Niederlage ruhig: "Das war ein 0:0-Spiel, das wäre ein relativ gutes Ergebnis gewesen", so der 66-Jährige. "Es gibt ja noch ein Rückspiel." Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sah das etwas anders: "Es ist schon bedenklich, was hier passiert ist, weil Basel das Spiel verdient gewonnen hat."
FC Basel - FC Bayern München 1:0 (0:0)
1:0 Stocker (86.)
Basel: Sommer - Steinhöfer, Abraham, Dragovic, Park - Shaqiri (83. Zoua), Huggel, Xhaka, F. Frei (66. Stocker) - Streller, A. Frei (90. Cabral)
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Timoschtschuk, Alaba - Robben, Kroos (89. Olic), Ribéry (71. Müller) - Gomez
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 38.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Abraham - Müller (2), Rafinha