Lade Daten...
23.02.2012
Schrift:
-
+

Schwächelnde Bayern

Ein Königreich für eine Idee

Aus Basel berichtet Tim Röhn
DPA

Bayern-Trainer Heynckes: Stures Festhalten am System

Die Niederlage in Basel hat die Krise des FC Bayern verschärft. Beim Versuch, die Wende einzuleiten, appellierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an die Einstellung der Profis. Die Ursachen für die schwachen Leistungen des Rekordmeisters liegen aber ganz woanders.

"Böse" sollen sie jetzt werden, die Spieler des FC Bayern München. Böse und aggressiv. Dazu hat Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Bayern-Profis nach der 0:1-Pleite im Champions-League-Achtelfinale beim FC Basel aufgefordert, um aus dem Formtief wieder herauszukommen. Spieler und Trainer des Rekordmeisters sollten aber besser aufpassen, dass die eigenen Fans nicht zu böse und aggressiv werden. Eine Niederlage gegen den FC Schalke am kommenden Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in der Liga - und die Krise des FC Bayern hätte neue Ausmaße erreicht.

Rummenigge scheint zu glauben, dass fehlendes Engagement der Grund für das derzeitige Schwächeln ist. Strengen sich die Spieler wieder mehr an, so die Theorie Rummenigges, dann gibt es auch wieder die gewünschten Resultate.

Dabei greift diese Argumentation zu kurz - genauso wie die schon im Vorfeld von Trainer Jupp Heynckes erbrachte Erklärung, ohne den verletzten Bastian Schweinsteiger einfach nicht so gut zu sein. Sicher, der Ausfall des Mittelfeldspielers fällt ins Gewicht, aber das Rückrunden-Dilemma des Teams begann im Januar mit dem 1:3 in Mönchengladbach - und da war Schweinsteiger genauso dabei wie beim enttäuschenden 1:1 in Hamburg. Beim 2:0 im DFB-Pokal in Stuttgart, als das Team überzeugte, fielen die Tore erst nach der verletzungsbedingten Auswechslung des Nationalspielers.

Alaba von Heynckes erst gelobt, dann düpiert

Schweinsteiger-Ersatz David Alaba hat die Klasse, den Nationalspieler zwar nicht gleichwertig, aber zumindest würdig zu ersetzen. Das hatte auch Heynckes nach dem Stuttgart-Spiel betont. Anschließend hat er den 19-jährigen Österreicher mit seinem Klagen über die Schweinsteiger-Verletzung allerdings nicht gerade aufgebaut.

Alaba spielte beim 0:0 in Freiburg als defensiver Mittelfeldspieler eine schwache erste Hälfte. Schon zur Pause stellte Heynckes um und beorderte ihn auf die linke Abwehrseite, Philipp Lahm ging auf rechts. Einem gestandenen Spieler wie Kapitän Lahm macht diese Umstellung nichts aus, aber junge Spieler wie Alaba benötigen das Vertrauen des Trainers, um selbstbewusst ihre Aufgaben zu erledigen.

Die uninspirierte Spielweise der vergangenen Wochen liegt auch daran, dass sich die Profis zu selten trauen, ein Risiko einzugehen. Einige der jungen Spieler haben sich nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bereits im Mannschaftskreis darüber beklagt, dass der Trainer ihnen nicht genügend Sicherheit gebe. Dann wird eben lieber ein Quer- und Rückpass bevorzugt, anstatt zu dribbeln und gewagte Pässe zu spielen. Das Offensivspiel lahmt, weil Heynckes an seinem 4-2-3-1-System festhält, für das die meisten Gegner mittlerweile längst ein geeignetes Gegenmittel gefunden haben.

Wenig souverän in Sachen Robben

Auch in Sachen Arjen Robben hat Heynckes zuletzt wenig souverän reagiert. Zunächst wurde der Niederländer zum Reservisten degradiert, in Basel durfte Robben wieder von Beginn an mitmachen. Mit dem Ergebnis, dass Robben übermotiviert wirkte, noch eigensinniger spielte, als ihm dies ohnehin schon oft zum Vorwurf gemacht wird. Das Vertrauen in die eigene Stärke und das Wissen, auch mal einen Ball verlieren zu dürfen, scheinen sich verflüchtigt zu haben. Mit Gewalt versuchte es Robben am Mittwoch - ohne Erfolg. Dazu kommt, dass er sich auf dem Rasen immer wieder über seine Mitspieler beschwert.

Robbens Hintermann auf der rechten Seite, Rafinha, scheint von der Verunsicherung des Niederländers angesteckt. Der Brasilianer soll als Rechtsverteidiger mit Robben zusammenspielen, wirkt aber so, als wisse er immer noch nicht so recht, was seine Aufgabe ist. In Basel machte Rafinha einen teilweise orientierungslosen Eindruck.

Stures Festhalten am Spielsystem

Nicht fehlendes Engagement der Spieler ist das größte Problem des FC Bayern 2012, sondern fehlender Ideenreichtum. Wer die Spieler im Trainingslager in Katar im Januar beobachtete, kam zu der Erkenntnis: Die haben Großes vor. Und bis heute kann man ihnen nicht den Vorwurf machen, zu wenig zu kämpfen.

Heynckes stellte vor dem Spiel in Basel klar: "Ich werde mein System nicht verändern." Das hört sich nach Sturheit an. Sturheit ist zwei anderen Bayern-Trainers zum Verhängnis geworden: Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal. Beide wurden in der Rückrunde entlassen.

Damit Heynckes nicht das gleiche Schicksal ereilt, muss er wegkommen von seiner routinierten Linie. Denn ihre Saisonziele werden die Bayern-Granden nicht nach unten korrigieren, wie das Bankett in Basel zeigte: Da sinnierte Vorstandsboss Rummenigge am Ende seiner Rede über das Ziel Champions-League-Finale am 19. Mai in München.

Derzeit sollte der Verein froh sein, wenn er überhaupt das Achtelfinale übersteht.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
1. Der Trainer ist nur ein Teil der Problems.
j.anus 23.02.2012
Neben einer offenbar schwachen Scouting-Abteilung sind Hoeneß, Rummenigge, ein Profilloser Nerlinger und u.U. Breitner ein Teil des Problems. Solange diese Herren jedem Trainer ins Handwerk pfuschen, kann kein Klopp, [...]
Zitat von sysopDPADie Niederlage in Basel hat die Krise des FC Bayern verschärft. Beim Versuch, die Wende einzuleiten, appellierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an die Einstellung der Profis. Die Ursachen für die schwachen Leistungen des Rekordmeisters liegen aber ganz woanders. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,817164,00.html
Neben einer offenbar schwachen Scouting-Abteilung sind Hoeneß, Rummenigge, ein Profilloser Nerlinger und u.U. Breitner ein Teil des Problems. Solange diese Herren jedem Trainer ins Handwerk pfuschen, kann kein Klopp, Rangnick, Favre,... etwas reißen.
2. Die sollten...
waldemar.l. 23.02.2012
...vielleicht mal die "direktionalen" Datterkreise auswechseln, oder ins Altenheim schicken.
Zitat von sysopDPADie Niederlage in Basel hat die Krise des FC Bayern verschärft. Beim Versuch, die Wende einzuleiten, appellierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an die Einstellung der Profis. Die Ursachen für die schwachen Leistungen des Rekordmeisters liegen aber ganz woanders. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,817164,00.html
...vielleicht mal die "direktionalen" Datterkreise auswechseln, oder ins Altenheim schicken.
3. es reicht...
SN 1987A 23.02.2012
...langsam: liebe SPON Leute. Jetzt hat der FCB mal verloren und schon sieht man alleine heute mehrere stories, videos, bildserien....die welt geht nicht unter und es wird auch wieder bald alles besser.... mia san mia
Zitat von sysopDPADie Niederlage in Basel hat die Krise des FC Bayern verschärft. Beim Versuch, die Wende einzuleiten, appellierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an die Einstellung der Profis. Die Ursachen für die schwachen Leistungen des Rekordmeisters liegen aber ganz woanders. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,817164,00.html
...langsam: liebe SPON Leute. Jetzt hat der FCB mal verloren und schon sieht man alleine heute mehrere stories, videos, bildserien....die welt geht nicht unter und es wird auch wieder bald alles besser.... mia san mia
4. ...
timorieth 23.02.2012
Eine schwache Scouting-Abeiltung? Ich glaube Sie haben da etwas verpasst: Thomas Müller, Schweinsteiger, Badstuber, Hummels, Lahm - kommen alle aus der eigenen Jugend oder wurden später in die Jugendmannschaft geholt. [...]
Zitat von j.anusNeben einer offenbar schwachen Scouting-Abteilung sind Hoeneß, Rummenigge, ein Profilloser Nerlinger und u.U. Breitner ein Teil des Problems. Solange diese Herren jedem Trainer ins Handwerk pfuschen, kann kein Klopp, Rangnick, Favre,... etwas reißen.
Eine schwache Scouting-Abeiltung? Ich glaube Sie haben da etwas verpasst: Thomas Müller, Schweinsteiger, Badstuber, Hummels, Lahm - kommen alle aus der eigenen Jugend oder wurden später in die Jugendmannschaft geholt. Alaba, Kroos usw usw wurden alle in jungen Jahren zu den Bayern geholt. Ich glaube, an den Scouts wirds nicht unbedingt liegen.
5. Gnihihi
boysetsfire 23.02.2012
Eher momentan ein "wo san mia". Das Problem ist aber seit Jahren hausgemacht. Wer vor jeder Saison den sicheren Triplegewinn rauströtet, der muss sich nicht wundern, wenn das Medienorchester verstimmt ist, wenn die [...]
Zitat von SN 1987A...langsam: liebe SPON Leute. Jetzt hat der FCB mal verloren und schon sieht man alleine heute mehrere stories, videos, bildserien....die welt geht nicht unter und es wird auch wieder bald alles besser.... mia san mia
Eher momentan ein "wo san mia". Das Problem ist aber seit Jahren hausgemacht. Wer vor jeder Saison den sicheren Triplegewinn rauströtet, der muss sich nicht wundern, wenn das Medienorchester verstimmt ist, wenn die Trompete mal schräg spielt. Langfristige Planung und ne Vision sieht sicherlich anders aus.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Fotostrecke

Video

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter RSS
alles zum Thema Champions League
RSS
Rubriken

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten